Keyfacts zu Dronabinol
- Dronabinol ist der pharmakologische Name für THC, den Hauptwirkstoff der Cannabispflanze.
- Ärzt:innen verordnen es als ölige Tropfen (2,5 %, meist auf Sesamölbasis) oder als Kapseln zu 2,5, 5 oder 10 mg.
- Je nach Darreichungsform liegt die Verordnungshöchstmenge bei bis zu 1000 mg innerhalb von 30 Tagen. (1)
- Eine feste Dosierungsempfehlung gibt es nicht, die Einstellung erfolgt individuell durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. (1)
- Das Arzneimittel wird unter anderem bei Übelkeit, Appetitlosigkeit, Spastik und chronischen Schmerzen unterstützend eingesetzt. (2)
- In den USA ist es als synthetisches Fertigarzneimittel Marinol zugelassen, in Deutschland stammt es meist aus Faserhanf.
Medizinisches Cannabis wurde in Deutschland 2017 legalisiert. Seitdem beschäftigen sich deutlich mehr Patient:innen mit den unterschiedlichen Darreichungsformen, von Blüten über Öle bis hin zu Fertigarzneien. Ein zentraler Wirkstoff dabei ist Dronabinol. Er steckt in vielen Cannabis-Zubereitungen und wird auf ärztliche Anweisung individuell dosiert.
Dieser Beitrag erklärt, was Dronabinol genau ist, wie es wirkt und bei welchen Beschwerden es zum Einsatz kommt.
Was genau ist Dronabinol?
Dronabinol ist der pharmakologisch verwendete Name für THC. Es ist ein leicht gelbliches, klebriges Öl, das auf ärztliche Anweisung zu einem Arzneimittel verarbeitet wird: zum einen zu 2,5-% ölhaltigen Tropfen, zum anderen zu Kapseln in den Stärken 2,5 mg, 5 mg und 10 mg. Für die Tropfen und Kapseln verwenden Hersteller meist Sesamöl, weshalb das Medikament bei einer Sesamöl-Allergie nicht geeignet ist. (2)
Deutsche Herstellungsfirmen sind THC Pharm® aus Frankfurt und Bionorica Ethics® aus Neumarkt, die den fertigen THC-haltigen Stoff aus Faserhanf gewinnen. In den USA wird Dronabinol dagegen ausschließlich synthetisch hergestellt und für das Fertigarzneimittel Marinol® genutzt. Dronabinol ist im Grunde ein Cannabisöl, das aber nicht mit CBD-Öl zu verwechseln ist.
Wie wirkt Dronabinol?
Dronabinol wirkt wie THC aus dem Cannabiskonsum: Es kann
- beruhigend,
- krampflösend,
- appetitsteigernd,
- brechreizlindernd,
- stimmungsaufhellend und
- schmerzlindernd wirken und die schmerzlindernde Wirkung von Opioiden verstärken.
Studien deuten außerdem darauf hin, dass es sich positiv auf den Augeninnendruck auswirken kann. (2) Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt von der eingenommenen Dosis ab und wird von Patient:in zu Patient:in unterschiedlich wahrgenommen. Wie jedes Arzneimittel kann auch Dronabinol Nebenwirkungen haben. Am häufigsten werden Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Euphorie und Konzentrationsstörungen berichtet. Bei älteren Patient:innen kann es zudem zu Herz-Kreislauf-Reaktionen wie Herzrasen kommen.
Wie wird Dronabinol dosiert?
Eine verbindliche Dosierungsempfehlung gibt es nicht, die tägliche Dosis hängt von der Indikation und der individuellen Verträglichkeit ab. Die folgenden Angaben spiegeln die gängige Praxis wider und ersetzen keine ärztliche Einstellung im Einzelfall.
Die Verordnungshöchstmenge liegt je nach Darreichungsform bei bis zu 1000 mg in 30 Tagen. (1) In der Praxis liegt die Tagesdosis meist zwischen 5 und 30 mg. Üblich ist ein Start mit 2,5 mg täglich, die Dosis wird danach langsam gesteigert, bis der bestmögliche therapeutische Effekt erreicht ist.
Wie das im Einzelfall aussieht, unterscheidet sich von Patient zu Patient, selbst bei derselben Erkrankung. Wegen der häufig sedierenden Wirkung von THC beginnt man mit der Eindosierung meist morgens. Wichtig ist, dass diese Phase langsam verläuft, denn die Arznei ist reines THC, wovon Patient:innen natürlich high werden können.
Vor allem zu Beginn einer Therapie sollten Patient:innen regelmäßige, engmaschige Termine bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt vereinbaren und auch wahrnehmen. Nur mit regelmäßiger Kontrolle lässt sich schnell auf unerwünschte Nebenwirkungen reagieren und die Dosis entsprechend anpassen.
Checkliste: Worauf ist vor der Einnahme achten?
- Ärztliche Rücksprache halten und Therapie nicht in Eigenregie beginnen
- Mit der niedrigsten sinnvollen Dosis starten und langsam steigern
- Vor Therapiebeginn eine mögliche Sesamöl-Allergie abklären
- In der Eindosierungsphase nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen
- Regelmäßige Kontrolltermine bei der behandelnden Praxis wahrnehmen
- Nebenwirkungen dokumentieren und offen ansprechen
Was hat sich seit der Cannabis-Reform 2024 für Dronabinol geändert?
Seit dem 1. April 2024 verordnen Ärzt:innen Dronabinol nicht mehr auf einem Betäubungsmittelrezept, sondern auf einem normalen E-Rezept. Möglich macht das die Cannabis-Reform (CanG), die das Medikament rechtlich zum medizinischen Cannabis zählt und damit aus dem Betäubungsmittelgesetz herauslöst.
Am eigentlichen Ablauf für Patient:innen ändert das wenig: Vor der ersten Verordnung ist weiterhin eine Genehmigung der Krankenkasse notwendig, und die Therapie bleibt Ärzt:innen mit entsprechender Erfahrung vorbehalten. Eine Ausnahme bildet Nabilon, der Wirkstoff in Canemes®. Er ist vollsynthetisch, fällt nicht unter die Neuregelung und bleibt weiterhin BtM-pflichtig. (4)
Welche Fertigarzneien gibt es?
In Deutschland sind mehrere Cannabis-Fertigarzneien verfügbar, unter anderem Sativex®, Canemes® und, über den Import, Marinol®.
Das wohl bekannteste Cannabis-Medikament ist das Mundspray Sativex®. Es lässt sich einfach anwenden und dosieren und enthält eine Kombination aus THC und CBD, die als Sprühstoß in den Mund abgegeben wird. Canemes® ist eine Kapsel mit dem Wirkstoff Nabilon, die oral eingenommen wird.
Das bislang einzige Dronabinol-Fertigpräparat weltweit ist Marinol®, das in den USA hergestellt und auch nur dort zugelassen ist. In Deutschland lässt es sich als Arzneimittel importieren und wird als THC-haltige Kapsel geliefert. Weil der Import recht aufwendig ist, verwenden Ärzt:innen und Patient:innen Marinol® hierzulande allerdings kaum.
Bei welchen Beschwerden wird Dronabinol eingesetzt?

Dronabinol wird bei einer Reihe von Krankheitsbildern begleitend eingesetzt, bei denen Studien positive Effekte nahelegen.
Dazu zählen:
- Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien sowie bei Hepatitis C und Migräne
- Appetitlosigkeit bei verschiedenen Krankheitsbildern
- Spastiken und Muskelkrämpfe bei Multipler Sklerose oder etwa einer Querschnittslähmung
- Spastiken nach einem Schlaganfall
- Schmerzen im Rückenbereich sowie bei Bandscheibenproblemen und verspannter Rückenmuskulatur
- Kopfschmerzen wie Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen
- weitere Schmerzen, etwa Phantomschmerzen, Neuralgien, Menstruationsschmerzen, Arthrose und Arthritis
- Bewegungsstörungen wie Tourette-Syndrom, Dystonie und Parkinson
- Allergien, Juckreiz und weitere Entzündungen
- psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, bipolare Störungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Hyperaktivität und ADHS
- Impotenz
- Abhängigkeit von Alkohol oder Opiaten
- Schlaflosigkeit
- verwirrtes Verhalten bei Alzheimer
- Magen-Darm-Erkrankungen wie Magenschleimhautentzündung, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Reizdarm und Durchfall
- erhöhter Augeninnendruck (Glaukom)
- Asthma
- Epilepsie
Noch immer ist es nicht leicht, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, die oder der sich mit medizinischem Cannabis auskennt. Vielen fehlt die Erfahrung, oder sie wissen nicht, welches Präparat für welches Krankheitsbild infrage kommt. Auch übernehmen die Krankenkassen die Kosten häufig nicht automatisch.
Fazit
Dronabinol ist reines THC in pharmazeutischer Form, kein pflanzliches Cannabisprodukt und auch keine Wunderformel. Es kann bei verschiedenen Beschwerden unterstützend wirken, muss aber wie jedes Arzneimittel individuell dosiert und ärztlich begleitet werden. Seit der Cannabis-Reform 2024 ist die Verordnung zwar formal einfacher geworden, an der Notwendigkeit einer sorgfältigen, langsamen Eindosierung und regelmäßigen Kontrolle ändert das nichts.
Medizinischer Disclaimer
Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Anwendung von Cannabis sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.
Häufig gestellte Fragen
-
Nein. Dronabinol ist der pharmakologische Name für THC, den Hauptwirkstoff von Cannabis. Cannabisblüten enthalten dagegen ein ganzes Spektrum an Cannabinoiden, darunter auch CBD.
-
Da Dronabinol reines THC ist, kann es je nach Dosis psychoaktiv wirken. Deshalb wird die Dosis zu Beginn einer Therapie meist langsam und unter ärztlicher Kontrolle gesteigert.
-
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich geregelt und hängt unter anderem von der Genehmigung durch die Krankenkasse ab. Eine pauschale Kostenübernahme gibt es nicht.
-
In Deutschland wird Dronabinol meist als Rezeptur in Apotheken hergestellt. Das einzige zugelassene Dronabinol-Fertigarzneimittel, Marinol®, stammt aus den USA und ist in Deutschland nur über den Import erhältlich.
-
Nein. Seit dem 1. April 2024 reicht ein normales E-Rezept, weil es rechtlich als medizinisches Cannabis eingestuft ist. Nabilon (Canemes®) ist davon ausgenommen und bleibt BtM-pflichtig.
Quellen und Studien ansehen
- (1) Bundesärztekammer: FAQ-Liste zum Einsatz von Cannabis in der Medizin. bundesaerztekammer.de
- (2) National Center for Biotechnology Information (NIH): StatPearls – Dronabinol. ncbi.nlm.nih.gov
- (3) Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Bundesopiumstelle, Medizinisches Cannabis, Hinweise für Ärztinnen und Ärzte. bfarm.de
- (4) Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW): Seit 1. April 2024 kein BtM-Rezept mehr für Cannabisverordnungen zu medizinischen Zwecken. https://www.kvbawue.de/kvbw/aktuelles/news-artikel/seit-1-april-2024-kein-btm-rezept-mehr-fuer-cannabisverordnungen-zu-medizinischen-zwecken
