Cannabis ist nicht gleich Cannabis

Das Defizit der Forschung
Die Medizin könnte mit den Erkenntnissen über die Cannabispflanze und den Einsatz in der Medizin schon sehr viel weiter sein, hätte es nicht das jahrhundertelange Verbot und die Hetzkampagne gegen die Pflanze gegeben. Dies führte zu einer enormen Verurteilung und zu einer Stigmatisierung und Kriminalisierung der Konsumenten. Derzeit findet ein erneutes Umdenken statt und Cannabis wird von vielen Menschen nicht mehr nur schlicht als Droge wahrgenommen, aber das Wissensdefizit ist leider noch groß. Ärztinnen und Ärzte lernen beispielsweise in ihrem Studium bedauerlicherweise nach wie vor nichts über den Einsatz von medizinischem Cannabis. Viele Patienten können ein größeres Fachwissen vorweisen als die Mediziner, weil sie sich erkundigen und informieren. Dabei ist das Problem, dass es viele unseriöse Quellen gibt und die Forschung sehr rasant voranschreitet. AlephSana ist ein Großhändler von medizinischem Cannabis und bietet ebenso Schulungen und Beratungen für Ärzt*innen, Patient*innen und Apotheken an. Im Interview mit Boris Moshkovits erfährst du mehr über diese Thematik.Nebenwirkungen und Vorurteile von medizinischem Cannabis
Cannabis ist eine erstaunlich ungiftige Substanz, die in dem menschlichen Körper aber eine große Wirkung erzielt. Dabei ist die Anwendung aber nicht ungefährlich, auch medizinisches Cannabis kann Nebenwirkungen mit sich bringen. Es ist kein Allheilmittel und die Anwendung sollte stets kontrolliert und behutsam erfolgen. Cannabis kann bei der Behandlung bestimmter Krebsarten sehr wirksam sein, aber es ist kein Heilmittel für Krebs. Krebs ist sehr komplex und nicht nur eine Krankheit, sondern es sind Dutzende Krankheiten, die sich hinter dieser Bezeichnung verstecken. Cannabis kann aber für bestimmte Krebstypen eine erfolgversprechende Behandlungsalternative bieten und kann prophylaktisch eingesetzt werden. Dass die Pflanze auf das Endocannabinoidsystem wirkt, ist mittlerweile nachhaltig bewiesen. Dieses spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Schmerzen, Appetit, Immunfunktionen und vieler weiterer körperinternen Funktionen.Hybriden im Einsatz

Der Gehalt an Cannabinoiden
Es ist sehr schwierig, aber wichtig einen bestimmten THC bzw. CBD Gehalt in den Hybriden sicherzustellen, damit das medizinische Cannabis für die dafür vorgesehenen Krankheiten eingesetzt werden kann. Stellen die Hersteller bei der Kontrolle der geernteten Blüten auch nur die kleinste Abweichung fest, wird die komplette Ernte vernichtet. Dieser Vorgang der Vernichtung ist im Gesetz verankert und das aus einem guten Grund – Patientensicherheit und Qualitätsgarantie. Schließlich müssen sich Ärzt*innen und Patient*innen auf die genaueste Inhaltsmenge der Cannabinoide verlassen können. Denn nur so kann eine gut funktionierende Therapie mit Cannabis sichergestellt werden. Ein niederländisches Forscherteam konnte nachweisen, dass es möglich ist, aufgrund einer vorherigen Selektion, Pflanzen mit einem dauerhaft konstanten Gehalt an THC und CBD zu vermehren. Dazu sind strengstes kontrollierte Bedingungen notwendig.Voraussetzungen für medizinisches Cannabis
Cannabis ist, wie bereits erwähnt, ein extrem komplexes Heilmittel, das in verschiedenen Arten und Formen unterschiedliche medizinische Effekte erzielt. Die Forschung und die Medizin sind in ständiger Bewegung, was das Thema Cannabis angeht und nahezu wöchentlich werden neuen Forschungsergebnisse und Publikationen dazu veröffentlicht, wie es wirkt und als Medikament eingesetzt werden kann. In Deutschland ist es geregelt, dass jede*r Arzt*Ärztin (außer Zahn- und Tierärzte) medizinisches Cannabis auf Rezept verschreiben kann. In einigen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die cannabisbasierte Therapie. Die Voraussetzungen für den Einsatz von medizinischem Cannabis sind folgende:- Der Patient*die Patientin hat alle anderen möglichen Therapien bereits getestet, und diese waren entweder erfolglos oder die Nebenwirkungen waren zu hoch.
- Der behandelnde Arzt*die behandelnde Ärztin sieht einen anderen oder weiteren Therapieversuch als nicht sinnvoll an.
- Der behandelnde Arzt*die behandelnde Ärztin vermutet einen Erfolg hinter der Therapie mit Cannabis.
Darreichungsformen

Dosierung
Die Einnahme von medizinischem Cannabis sollte in einer möglichst geringen Dosis gestartet und langsam erhöht werden, bis der gewünschte Effekt einsetzt. Das ist wichtig, denn bei einer zu hohen Anfangsdosis beginnt der Körper damit, die Dichte der bereits vorhandenen Cannabinoid-Rezeptoren zu reduzieren. Das bedeutet, zu hohe Dosierungen können zu einem Ungleichgewicht im System führen, das der Körper anschließend versucht auszugleichen. Eine allgemeine Dosierungsvorgabe für medizinisches Cannabis gibt es nicht, da die Höhe der Dosis und die Anwendungsdauer von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist: das Krankheitsbild, die Cannabissorte, Geschlecht, Alter, Körpergröße und Gewicht, Toleranzen und evtl. Vorerkrankungen.Gegen welche Krankheiten hilft Cannabis?
Bei der Wahl des Mittels werden die Erfahrungen des Patienten mit Cannabis berücksichtigt und welche Einnahmeform sinnvoll ist. Und natürlich spielt auch die Krankheitsdiagnose eine Rolle, genauso wie die Symptomatik. Derzeit wird medizinisches Cannabis vermehrt eingesetzt bei:- Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie
- krankhafte Appetitlosigkeit, oder Appetitlosigkeit als Folge einer Erkrankung
- ADHS oder Hyperaktivität
- Migräne
- Angststörungen
- Depressionen
- Schlafstörungen
- akute Schmerzen
- chronische Schmerzen
- Spastiken
- Multipler Sklerose
- uvm.
Quellen Häußermann Klaus/ Grotenhermen Franjo /Milz Eva (Februar 2017): Cannabis, Arbeitshilfe für die Apotheke, 1. Aufl., Deutscher Apotheker Verlag Michael Backes, Cannabis als Medizin (Oktober 2021), 2. Auflage, Kopp Verlag
