Selbstversuch: Wieviel Ertrag bekommt man als Anfänger aus einer Minigrowbox – Teil 8 (Tag 59): Mangelerscheinungen
Die Blütenentwicklung ist aktuell einfach beeindruckend: Dicke, harzig glänzende Buds, die in meiner Minigrowbox geradezu explodieren – größer als die meiner Balkonpflanzen im letzten Spätherbst. Was aussieht wie das große Finale, fühlt sich fast wie ein vorzeitiger Triumph an. Doch genau in diesem Moment zeigt sich auch die Kehrseite: Mangelerscheinungen. Und zwar nicht zu knapp.
Der Irrtum mit dem pH-Wert
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ch hatte gehofft, die letzten drei Wochen bis zur Ernte würden sich entspannt gestalten. Wasser, Licht, ein bisschen Dünger – fertig. Stattdessen bin ich gerade damit beschäftigt, eine Krise zu managen. Die Pflanzen zeigen typische Symptome verschiedener Mängel: verfärbte Blätter, eingerollte Spitzen, ungleichmäßige Verfärbungen. Das Ganze sieht nach mindestens vier verschiedenen Defiziten aus. Aber wie kann das sein?
Ich bin die letzten Wochen nach einem scheinbar sicheren Düngeschema vorgegangen: 1 Liter Düngelösung auf 1,25 Liter Wasser , also eher moderat dosiert. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Trotzdem verschlechterte sich der Zustand der Pflanze sichtbar. Also habe ich begonnen, mich intensiver mit Mangelerscheinungen zu beschäftigen. Dabei bin ich immer wieder über einen gemeinsamen Nenner gestolpert: den pH-Wert.
Mein erster Gedanke war: „Das spare ich mir, mein Leitungswasser liegt laut Ortsverzeichnis bei 7,2.“ Ein Blick auf die Messanzeige meines pH-Meters belehrte mich eines Besseren: Es waren 7,8, was deutlich zu hoch ist. Und damit möglicherweise der eigentliche Auslöser für die Mängel.
Mangel trotz Dünger: pH-Wert als Nährstoffblocker
Ein zu hoher pH-Wert kann zur sogenannten Nährstoffblockade führen. Das bedeutet: Obwohl genügend Nährstoffe im Boden vorhanden sind – oder sogar ein Überschuss besteht – kann die Pflanze sie nicht aufnehmen. Typische Symptome wie Stickstoff-, Magnesium- oder Phosphormangel tauchen auf, obwohl der Dünger korrekt dosiert wurde.
Das erklärt, warum ich Symptome für verschiedene Mängel auf einmal beobachten konnte, ohne dass sie unbedingt alle tatsächlich auftreten. Die Wurzelzone scheint durch den konstant zu hohen pH-Wert aus dem Gleichgewicht geraten zu sein.
Ich habe die Mangelerscheinungen bei meiner Pflanze als Phosphor- und Eisenmangel identifiziert.
Phosphormangel
Was ist Phosphormangel?
Phosphormangel entsteht, wenn die Pflanze nicht genügend Phosphor aufnehmen kann. Phosphor ist essenziell für die Energieversorgung der Pflanze, die Wurzelentwicklung und besonders wichtig für die Blütenbildung. Gerade in der Blütephase steigt der Bedarf deutlich an. Häufig liegt das Problem nicht an zu wenig Dünger, sondern an einem falschen pH-Wert oder an Wurzelstress, wodurch die Aufnahme blockiert wird, was bei mir ja genau der Fall war.
Woran erkennt man Phosphormangel?
- Dunkelgrüne bis leicht bläulich verfärbte Blätter
- Rötliche oder violette Stiele und Blattadern
- Verlangsamtes Wachstum
- Kleine oder schwach entwickelte Blüten
- Blätter wirken stumpf oder rollen sich leicht ein
- Symptome beginnen an älteren, unteren Blättern (mobiler Nährstoff)
- Später: braune, abgestorbene Blattstellen
Eisenmangel
Was ist Eisenmangel?
Eisenmangel betrifft die Chlorophyllbildung und damit direkt die Photosynthese. Eisen wird nur in sehr kleinen Mengen benötigt, ist aber unverzichtbar für gesundes, kräftiges Wachstum. Oft entsteht Eisenmangel durch einen zu hohen pH-Wert oder durch Nährstoffblockaden, etwa bei Überdüngung. Besonders in Coco- oder Hydro-Setups sieht man ihn schneller.
Woran erkennt man Eisenmangel?
- Junge, obere Blätter werden hellgelb bis fast weiß
- Blattadern bleiben deutlich grün (interkostale Chlorose)
- Gleichmäßige Aufhellung zwischen den Blattadern
- Untere, ältere Blätter bleiben zunächst gesund
- Blasses, kraftlos wirkendes Neuwachstum
- Tritt häufig relativ plötzlich auf
Die Notbremse: eine Woche Wasser mit angepasstem pH-Wert
Ich habe mich deshalb entschieden, auf Nummer sicher zu gehen: Eine Woche lang wird nur noch mit Wasser gegossen. Aber diesmal nicht mit Leitungswasser pur, sondern mit pH–angepasstem Wasser (auf knapp unter 6,0 eingestellt). Ziel ist es, den pH-Wert im Substrat sanft zu korrigieren, ohne die Pflanzen mit weiteren Nährstoffen zu stressen. Eine radikale Spülung wollte ich vermeiden, um das Bodenleben nicht unnötig zu stören. Der Gedanke dahinter: Durch leicht saures Gießwasser den pH-Wert schrittweise wieder in den optimalen Bereich bringen (etwa 6,2–6,5 für Erde).
Die folgenden Bilder zeigen dabei typische Symptome, die ich als Phosphormangel (dunkle Verfärbungen, stellenweise Nekrosen) und Eisenmangel (helles Blattgrün mit grünen Blattadern, vor allem bei jungen Blättern) deuten würde. Auch wenn eine genaue Diagnose ohne Labor schwierig ist, passen die Muster gut zu den pH-bedingten Aufnahmehemmungen dieser beiden Nährstoffe.
Fazit: Auch Anfänger brauchen ein pH-Messgerät
Was nehme ich aus dieser Erfahrung mit? Vor allem eins: Die Kontrolle des pH–Werts ist kein optionales Extra, sondern ein zentraler Bestandteil des Homegrows, gerade bei organischem Anbau. Ich habe wochenlang korrekt gedüngt, aber die Pflanze konnte einen Teil der Nährstoffe gar nicht aufnehmen. Die Folgen zeigen sich spät, aber mit voller Wucht.
Wer also denkt, dass ein pH–Messgerät nur was für Profis ist, liegt falsch. Selbst in einer kleinen Growbox kann ein unscheinbarer Messfehler den ganzen Ertrag gefährden. Ich hoffe, dass sich meine Maßnahmen noch rechtzeitig auswirken – und die Ernte trotz allem ein Erfolg wird.
Lies dir direkt die anderen Teile unseres Selbstversuches durch, um nichts zu verpassen!
- Mini- Growbox Teil 1: Selbstversuch
- Mini-Growbox 2: die ersten Nachbestellungen
- Mini-Growbox 3: Hilfe, gelbe Blätter
- Mini-Growbox Teil 4: Topping- die Pflanze stärken
- Mini-Growbox Teil 5: Cannabis umtopfen
- Mini-Growbox Teil 6: Low Stress Training in der Mini-Growbox
- Mini-Growbox Teil 7: Einleitung der Blütephase
- Mini-Growbox Teil 8: Cannabis ausdünnen
Quellen zamnesia.de
