Die Herstellung und Verwendung von Tinkturen ist eine Jahrtausend alte Tradition. Schon früh haben die Menschen Tinkturen verwendet, um verschiedene Kräuter und Gewürze lange haltbar zu machen und sie dann bei allerlei, unterschiedlichen Krankheiten und Beschwerden einzusetzen. So auch die Cannabis-Tinktur. Worauf es bei der Dosis ankommt, erklärt unser Beitrag zur Dosierung von Cannabisarzneien. Grundlagen zu Wirkung und Anwendung von Cannabidiol erklärt unser Beitrag zu CBD-Öl.
Um eine Tinktur herzustellen, benötigt man nicht viel und der Aufwand ist ebenfalls gering. Aber der Nutzen und die Effektivität sind dafür umso größer. Tinkturen sind sehr ergiebig und filtern alle die gewünschten, gesunden Inhaltsstoffe der Kräuter und Pflanzen heraus.
Was ist eine Tinktur?
Eine Tinktur ist das Produkt eines Verfahrens, das angewandt wird, um reine und flüssige Pflanzenauszüge durch filtern zu erhalten. Das klingt erst mal kompliziert, ist es aber nicht. Durch das Einlegen in Alkohol wird der Cannabispflanze all die positiven, gesundheitlichen Wirkstoffe entzogen und haltbar gemacht.
Die Vorteile einer Cannabis-Tinktur
- Ein ganz klarer Vorteil der Cannabis-Tinktur ist die Anwendung. Diese ist nämlich sehr einfach durchzuführen und man benötigt keine zusätzlichen (Rauch) Materialien. Ähnlich wie beim Cannabis Öl wird die Tinktur unter die Zunge geträufelt und dort ein paar Sekunden behalten. Das nennt man die sublinguale Einnahmemethode. Unter der Zunge sind sehr viele Nervenenden und Drüsen, durch die der Körper die Tinktur schnell verarbeiten kann.
- Die Tinktur bietet also eine sehr gute Alternative, für alle Konsument*innen, die ihr Cannabis weder rauchen noch vaporisieren möchten.
- Die Anwendung ist außerdem sehr diskret. Man kann die Tinktur ohne großes Aufsehen schnell und einfach verwenden.
- Es ist eine genaue Dosierung möglich.
- Durch die Herstellung der Tinktur, werden die Cannabisinhalte sehr lange haltbar gemacht, denn diese hält sich an einem dunklen, kühlen Ort über Monate bis hin zu einem Jahr.
Die Herstellung einer Cannabis-Tinktur
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, eine Cannabis-Tinktur herzustellen. Aber am einfachsten ist es, Cannabis in Alkohol einzulegen und zu lösen.

Cannabis in Alkohol einlegen-benötigte Materialien
- 2 Einweckgläser
- 1 Braunglasflasche mit Tropfeinsatz (100 ml Volumen)
- ein feinmaschiges Sieb
- Trinkalkohol zwischen 50 und 70 % Vol. (Absinth, Schnaps, Weinbrand oder reinen, trinkbaren Ethanol 70 % aus der Apotheke)
- 25 Gramm Cannabis
- Grinder oder Küchenmaschine
- Trichter
Je nachdem, welche Wirkung die Tinktur letztendlich haben soll, wird ein stark CBD haltiges oder ein stark THC haltiges Cannabis verwendet.
Herstellung
Cannabis in Alkohol einlegen und somit eine Cannabis-Tinktur herzustellen, ist wie zuvor erwähnt, sehr einfach in der Durchführung.
1. Schritt
Dieser Schritt dient dazu, das Cannabis zu decarboxylieren bzw. zu aktivieren. Die Cannabisblüten werden dafür so fein möglich zerkleinert oder zermahlen. Das geht sehr viel einfacher, wenn das Cannabis vorher einige Stunden im Tiefkühlfach war. Das zerkleinerte Cannabis wird dann anschließend in das Weckglas gegeben und für 5 Minuten bei 110 C° im Backofen erhitzt. Nach dieser Zeit wird es herausgenommen und man lässt es abkühlen.
2. Schritt
Das decarboxylierte Cannabis wird nun mit dem Alkohol übergossen und das Glas anschließend verschlossen. Dieses Glas stellt man dann für 10 bis 14 Tage an einen trockenen und kühlen Ort (Küchenschrank). Ein tägliches Schütteln des Glases ist von Vorteil.
3. Schritt
Nach den 10 bis 14 Tagen wird die Alkoholmischung von einem Einweckglas, durch ein feinmaschiges Sieb, in das andere geschüttet. Dafür kann auch ein Kaffeefilter verwendet werden, je nachdem, wie fein das Cannabis ist.
4. Schritt
Über den Trichter wird die Cannabis-Tinktur jetzt in die Braunglasflasche gefüllt. Für eine genaue Dosierung der Tinktur sollte die Flasche bis zur 100-Milliliter-Marke gefüllt sein. Ist es zu wenig Tinktur, kann der Rest mit einer 50:50 Mischung aus destilliertem Wasser und dem verwendeten Alkohol aufgefüllt werden.
Die aktiven Cannabinoide und Terpene können sich durch direktes Licht und Wärme verflüchtigen, deswegen verwendet man für die Aufbewahrung ein Braunglas-Fläschen, und lagert dieses an einem dunklen, kühlen Ort, wie z.B. den Kühlschrank.
Dosierung der Cannabis Tinktur
Bei einer fertigen 100 Milliliter Lösung, die 25 Gramm Cannabis enthält, entsteht ein Verhältnis von 4:1. Das bedeutet, 4 Milliliter Tinktur enthalten den Wirkstoff von einem Gramm Cannabis.
Die Tinktur wird aber nur tröpfchenweise eingenommen. In der Eindosierungsphase startet man mit 1 bis 2 Tropfen der Lösung am Morgen und am Abend, mit ein wenig Öl , auf nüchternen Magen. Es funktioniert auch, mit einem Schluck Kaffee oder Tee, der Milch oder Sahne beinhaltet. Es geht um das Fett.
Die Lösung wird unter die Zunge geträufelt, ein paar Sekunden dort aufbewahrt und anschließend herunter geschluckt. Die Wirkung tritt nach ungefähr 2-3 Stunden ein, das bedeutet erst mal abwarten, bevor man nachlegt. 20 Tropfen entsprechen dabei ungefähr 1 Milliliter Cannabis Tinktur.
Die Dosierung kann nun täglich erhöht werden, bis ein gewünschtes Ergebnis erzielt wird. Speziell bei Frauenbeschwerden, kann eine Cannabis Tinktur hilfreich eingesetzt werden.
Cannabis in Alkohol einlegen und verschenken
Wir haben diese Cannabis-Tinktur als Geschenk für einen Freund hergestellt. Dafür haben wir einen leckeren Rum verwendet, und diesen noch mit Vanille Extrakt und weiteren Kräutern verfeinert. Das Geschenk kam sehr gut an und hat seine Wirkung nicht verfehlt. In diesem Fall wird der Cannabis Rum aber nicht wie eine Tinktur zu medizinischen Zwecken eingesetzt, sondern soll der Erhighterung dienen.
Auf unserem Blog findest du weitere Möglichkeiten um dein Cannabis weiterzuverarbeiten.
Rechtlicher Hinweis zu Edibles
Seit dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene in Deutschland Cannabis in begrenzten Mengen besitzen und zu Hause anbauen. Das Herstellen von Edibles erlaubt das Konsumcannabisgesetz (KCanG) aber nicht ausdrücklich: Es verbietet das Herstellen von Cannabisprodukten und das Extrahieren von Cannabinoiden (§ 2 KCanG). Viele Jurist*innen sehen darin auch das Verarbeiten zu Butter, Öl, Tinkturen oder Speisen für den Eigenbedarf. Abschließend geklärt ist das noch nicht. Kaufen kannst du THC-haltige Edibles in Deutschland nicht, und weitergeben darfst du sie auf keinen Fall. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung.
Häufig gestellte Fragen
-
Ein flüssiger Pflanzenauszug. Durch das Einlegen in Alkohol werden die Wirkstoffe aus der Pflanze gelöst und gleichzeitig lange haltbar gemacht.
-
Sie ist einfach und diskret anzuwenden, du musst nichts rauchen oder verdampfen und kannst sehr genau dosieren. Dunkel und kühl gelagert hält sie sich über Monate.
-
Zwei Einweckgläser, eine 100-ml-Braunglasflasche mit Tropfeinsatz, ein feines Sieb, einen Trichter, einen Grinder, 25 g Cannabis und trinkbaren Alkohol mit 50 bis 70 % Vol.
-
Zerkleinere die Blüten und aktiviere sie kurz bei 110 °C im Backofen. Dann übergießt du sie mit Alkohol und lässt das Glas 10 bis 14 Tage an einem kühlen Ort stehen, am besten täglich schütteln. Zum Schluss abseihen und in die Braunglasflasche füllen.
-
Bei 25 g auf 100 ml entsprechen 4 ml der Wirkung von etwa einem Gramm. Starte mit 1 bis 2 Tropfen morgens und abends unter die Zunge, zusammen mit etwas Fett. Die Wirkung setzt nach 2 bis 3 Stunden ein, also erst abwarten.
Quellen und Studien ansehen
Lizermann Lark- Lajon (2016): Der Cannabis- Anbau, der einfache Weg zum eigenen Homegrow, 7. Auflage, Nachtschatten Verlag . https://www.nachtschatten.ch/products/product_0555.html
