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Wie wirkt CBD wirklich? 5 Fakten statt Werbeversprechen

Wie wirkt CBD: CBD-Öl-Fläschchen mit Pipette neben Hanfblättern

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

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Keyfacts: Wie wirkt CBD?

  • CBD (Cannabidiol) macht nicht high und hat nach Einschätzung der WHO kein relevantes Abhängigkeitspotenzial.
  • Im Körper setzt CBD an vielen Stellen an, unter anderem am Endocannabinoidsystem und an Serotonin-Rezeptoren. Die meisten dieser Befunde stammen aus Labor- und Tierstudien.
  • Sicher belegt ist die Wirkung nur bei einigen seltenen Epilepsieformen, und zwar für das Arzneimittel Epidyolex.
  • Bei Angst, Schlafproblemen und Schmerzen ist die Studienlage dünn und widersprüchlich.
  • Wann CBD wirkt, hängt stark von der Einnahme ab: Geschluckt dauert es bis zu vier Stunden, mit einer fettreichen Mahlzeit wird deutlich mehr aufgenommen.
  • CBD kann Nebenwirkungen haben und die Wirkung von Medikamenten verändern.

Wie wirkt CBD wirklich? Wer online nach der CBD Wirkung sucht, findet vor allem Versprechen: CBD soll entspannen, beim Schlafen helfen, Schmerzen lindern und Entzündungen bremsen. Die Forschung ist deutlich vorsichtiger. In diesem Beitrag erklären wir, was CBD im Körper macht, wie schnell es wirkt, was Studien belegen und wo die Werbung der Wissenschaft davonläuft.

5 Fakten zur Wirkung von CBD

Hier gibt es einen schnellen Faktencheck

  • Kein Rausch: CBD wirkt anders als THC und verändert das Bewusstsein nicht.
  • Ein zugelassenes Medikament: In der EU ist CBD nur als Arzneimittel gegen bestimmte Epilepsien zugelassen.
  • Viele Angriffspunkte: CBD wirkt nicht über einen einzigen Rezeptor, sondern über viele verschiedene Signalwege.
  • Dosis macht den Unterschied: In Studien wurden oft mehrere hundert Milligramm eingesetzt, weit mehr als in üblichen CBD-Ölen steckt.
  • Nicht nebenwirkungsfrei: Müdigkeit, Durchfall, veränderte Leberwerte und Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich.

Was ist CBD?

Cannabidiol, kurz CBD, ist neben THC der bekannteste Wirkstoff der Hanfpflanze. Beide gehören zu den Cannabinoiden. Anders als THC ruft CBD keinen Rausch hervor. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt CBD als gut verträglich und fand keine Hinweise auf einen Freizeitgebrauch oder auf gesundheitliche Probleme in der Bevölkerung durch reines CBD. (1)

Als Arzneimittel ist CBD in der EU seit 2019 unter dem Namen Epidyolex zugelassen. Es wird bei Kindern ab zwei Jahren mit Lennox-Gastaut-Syndrom oder Dravet-Syndrom zusammen mit Clobazam eingesetzt, außerdem bei Anfällen durch Tuberöse Sklerose. (2)

Die meisten CBD-Produkte im Handel sind dagegen keine Arzneimittel, sondern werden als Aromaöle, Kosmetik oder Lebensmittel verkauft. Eine kurze Einführung gibt unser Glossar-Eintrag Was ist CBD?

Wie wirkt CBD im Körper?

Wie wirkt CBD im Körper: Nervenzellen mit leuchtenden Synapsen
Symbolbild: Nervenzellen (KI-generiert mit Canva)

Die einfache Antwort gibt es nicht, denn CBD hat nicht einen einzigen Angriffspunkt. Eine Übersichtsarbeit von 2023 beschreibt mehr als ein Dutzend Rezeptoren, Ionenkanäle und Enzyme, an denen CBD ansetzt. Die wichtigsten:

  • Endocannabinoidsystem: An die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 bindet CBD nur schwach. Am CB1-Rezeptor wirkt es eher dämpfend als Modulator. Gleichzeitig hemmt CBD den Abbau des körpereigenen Cannabinoids Anandamid, das dadurch länger wirken kann.
  • Serotonin-Rezeptor 5-HT1A: Hier wirkt CBD aktivierend. Über diesen Rezeptor könnte ein angstlösender Effekt zustande kommen.
  • TRPV1-Kanal: CBD aktiviert diesen Kanal schwach. Er spielt bei Schmerz und Entzündung eine Rolle.
  • Weitere Ziele: etwa PPAR-gamma, Adenosin- und GABA-A-Rezeptoren sowie weitere TRP-Kanäle.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die meisten dieser Befunde aus Zell- und Tierstudien stammen und viele Mechanismen beim Menschen noch nicht verstanden sind. (3)

Dass CBD an einem Rezeptor ansetzt, heißt also nicht automatisch, dass es bei einer bestimmten Beschwerde hilft. Wie das körpereigene Cannabinoid-System aufgebaut ist, erklärt unser Beitrag zum Endocannabinoidsystem.

Wie wirkt CBD auf Nervensystem und Psyche?

Am besten belegt ist die CBD Wirkung im Nervensystem bei Epilepsie: Hier senkt CBD als Arzneimittel die Zahl der Anfälle. Bei der Psyche ist die Lage unklarer. Eine oft zitierte Studie aus Brasilien gab 24 Menschen mit sozialer Angststörung einmalig 600 mg CBD oder ein Placebo, bevor sie eine Rede halten sollten. Mit CBD waren Angst und Unbehagen beim Sprechen deutlich geringer. (4)

Eine große Übersichtsarbeit im Fachjournal Lancet Psychiatry wertete 83 Studien zu Cannabinoiden bei psychischen Erkrankungen aus. Das Ergebnis war ernüchternd: Für Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen gebe es nur spärliche Belege, die Qualität der Studien war niedrig bis sehr niedrig. (5)

Wer mit Angst oder depressiven Verstimmungen kämpft, sollte deshalb nicht auf CBD allein setzen, sondern sich ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe holen.

Wie schnell und wie lange wirkt CBD?

Das hängt vor allem davon ab, wie CBD in den Körper gelangt. Eine systematische Übersichtsarbeit zur Pharmakokinetik von CBD beim Menschen kommt zu diesen Werten:

  • Nach dem Schlucken oder bei Anwendung in der Mundschleimhaut ist die höchste Konzentration im Blut nach 0 bis 4 Stunden erreicht.
  • Beim Inhalieren geht es schneller. Beim Rauchen gelangen etwa 31 Prozent des CBD ins Blut.
  • Eine fettreiche Mahlzeit erhöht die Aufnahme deutlich: In einer Studie war die aufgenommene Menge rund fünfmal so hoch wie auf nüchternen Magen.
  • Die Halbwertszeit schwankt stark: 1,4 bis 10,9 Stunden nach einem Mundspray, 2 bis 5 Tage bei regelmäßiger Einnahme.

Die Studien waren allerdings meist klein und schwer vergleichbar. (6)

Wie wirkt CBD also im Alltag? Bei CBD-Öl unter der Zunge oder bei CBD-Fruchtgummis kann es einige Zeit dauern, bis überhaupt eine Wirkung spürbar ist. Wer immer gleich einnimmt, also entweder immer mit oder immer ohne Essen, bekommt eine gleichmäßigere Aufnahme. Tipps zur Einnahme stehen im Beitrag zum CBD-Öl.

Was die Forschung belegt und was nicht

CBD Wirkung in der Forschung: Labor mit Pipette und Proben von Pflanzenextrakt
Symbolbild: Forschung im Labor (KI-generiert mit Canva)

Bei der Frage, wie CBD wirkt, trennen sich Werbung und Wissenschaft hier am deutlichsten. Vorab der Überblick, wofür CBD eingesetzt wird und wie gut das jeweils untersucht ist:

  • Epilepsie: belegt, als verschreibungspflichtiges Arzneimittel in hoher Dosis.
  • Angst und Stress: einzelne kleine Studien mit positiven Ergebnissen, insgesamt aber schwache Belege.
  • Schlafprobleme: untersucht, die Daten reichen für eine Empfehlung nicht aus.
  • Schmerzen und Rheuma: untersucht, in kontrollierten Studien bisher nicht besser als ein Placebo.
  • Entzündungen: vor allem in Labor- und Tierversuchen untersucht, beim Menschen nicht belegt.

Eine Übersicht der Uniklinik Freiburg kommt zu dem Schluss, dass die Datenlage zur Wirksamkeit von Cannabinoiden insgesamt noch unzureichend ist. Klar belegt ist nur die Wirkung bei den genannten Epilepsieformen: Unter dem Arzneimittel unterschied sich die Anfallshäufigkeit um etwa 20 % von der Placebo-Gruppe.

Zu Angst und Psychosen gibt es laut der Übersicht bislang nur Pilotstudien, auch bei Schlafstörungen reichen die Daten nicht aus. (7) Mehr zum Arzneimittel und zur Verordnung steht im Beitrag CBD aus der Apotheke.

Und wie wirkt CBD bei Schmerzen? Nicht besser, zumindest nach heutigem Stand. Die Internationale Gesellschaft zur Erforschung des Schmerzes (IASP) befürwortet den allgemeinen Einsatz von Cannabinoiden gegen Schmerzen nicht, weil hochwertige Studien fehlen. In einer dänischen Studie mit 129 Menschen mit Arthrose der Hand oder Psoriasis-Arthritis linderten 20 bis 30 mg CBD täglich über zwölf Wochen die Schmerzen nicht besser als ein Placebo.

Hinzu kommt ein praktisches Problem: Frei verkäufliche CBD-Produkte sind nicht auf ihre Wirkung geprüft. Die Stiftung Warentest untersuchte 16 CBD-Öle und -Kapseln. Kein Anbieter konnte auf Nachfrage Studien zu seinem Produkt vorlegen, einige Produkte enthielten weniger CBD als angegeben oder mehr THC als unbedenklich. (8)(9) (10)

Zum Vergleich: In der Angst-Studie wurden auf einmal 600 mg CBD gegeben. Das wären bei einem 10-Prozent-Öl weit über hundert Tropfen.

Wie fühlt sich CBD an? Macht CBD high oder abhängig?

Viele Menschen beschreiben die Wirkung als ruhig oder leicht entspannend, manche spüren gar nichts. Einen Rausch löst CBD nicht aus. In einer Studie der WHO-Übersicht unterschieden sich 600 mg CBD auf Fragebögen zum Suchtpotenzial nicht von einem Placebo und zeigten keine körperlichen Effekte wie THC. Die WHO sieht bei reinem CBD kein Missbrauchspotenzial. (1)

Auch die Fahrtüchtigkeit scheint reines CBD nicht zu beeinträchtigen. In einer Studie der Universität Sydney fuhren 26 Personen nach dem Inhalieren von CBD, THC, einer Mischung oder einem Placebo auf einer Autobahn. CBD allein verschlechterte die Spurhaltung nicht, THC dagegen schon. (11)

Das gilt aber nur für THC-freies CBD. Viele Produkte enthalten Spuren von THC, und das kann bei Drogentests auffallen. Wie sich CBD und THC unterscheiden, erklärt unser Beitrag zu den Cannabinoiden.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Gut verträglich heißt nicht nebenwirkungsfrei. Eine Auswertung kontrollierter Studien fand unter CBD vor allem Durchfall, Müdigkeit, verminderten Appetit und erhöhte Leberwerte. Diese Effekte traten vor allem bei den hohen Dosen auf, wie sie bei Epilepsie eingesetzt werden. (12)

Wichtiger für den Alltag sind die Wechselwirkungen. CBD hemmt Leberenzyme, über die viele Medikamente abgebaut werden, etwa Blutverdünner oder Mittel gegen Epilepsie. Deren Wirkung kann sich dadurch verstärken. (13)

Wer regelmäßig Medikamente nimmt, schwanger ist oder stillt, sollte CBD nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke verwenden. Für Kinder ist CBD nur als Arzneimittel unter ärztlicher Aufsicht vorgesehen. Alle Details stehen im Beitrag zu den CBD Öl Nebenwirkungen.

Fazit

Wie wirkt CBD? Es setzt an vielen Stellen im Körper an, macht nicht high und gilt als gut verträglich. Sicher belegt ist seine Wirkung aber nur bei einigen seltenen Epilepsieformen, und zwar als hochdosiertes Arzneimittel. Für Angst, Schlaf und Schmerzen gibt es interessante erste Studien, aber keine verlässlichen Belege. Wer CBD ausprobieren möchte, sollte deshalb keine Wunder erwarten, auf geprüfte Qualität achten und bei Medikamenten vorher ärztlichen Rat einholen.

Medizinischer Disclaimer

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nimm CBD nicht ohne Rücksprache ein, wenn du Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst. Bei anhaltenden Beschwerden, Angst oder Schlafproblemen wende dich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Psychotherapeutin bzw. einen Psychotherapeuten.

Häufig gestellte Fragen

  • CBD setzt an vielen Stellen an: am Endocannabinoidsystem, an Serotonin-Rezeptoren und an Ionenkanälen, die bei Schmerz und Entzündung eine Rolle spielen. Die meisten Befunde stammen aus Labor- und Tierstudien. (3)

  • Einen Rausch löst CBD nicht aus. Manche Menschen beschreiben ein ruhiges, leicht entspanntes Gefühl, andere spüren nichts. Müdigkeit ist eine mögliche Nebenwirkung. (1)

  • Nach dem Schlucken oder unter der Zunge ist die höchste Konzentration im Blut nach 0 bis 4 Stunden erreicht, beim Inhalieren schneller. Eine fettreiche Mahlzeit erhöht die Aufnahme deutlich. (6)

  • Nach Einschätzung der WHO hat reines CBD kein relevantes Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial. In Studien unterschied es sich bei Suchttests nicht von einem Placebo. (1)

  • CBD kann Müdigkeit, Durchfall, verminderten Appetit und erhöhte Leberwerte verursachen und die Wirkung von Medikamenten verändern. Außerdem sind frei verkäufliche Produkte nicht auf ihre Wirkung geprüft und schwanken in der Qualität. (12) (10)

  • Belastbare Belege für eine bessere Leistung oder Regeneration gibt es bislang nicht. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat reines CBD 2018 von der Verbotsliste genommen, andere Cannabinoide wie THC sind im Wettkampf aber weiterhin verboten. Da viele Produkte Spuren davon enthalten, nutzen Sportlerinnen und Sportler CBD auf eigenes Risiko. Mehr dazu im Beitrag Cannabis im Sport. (14)

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Quellen und Studien ansehen

  1. WHO Expert Committee on Drug Dependence (2018): Cannabidiol (CBD) Critical Review Report
  2. European Medicines Agency (EMA): Epidyolex, Europäischer Öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR)
  3. Martinez Naya N. et al. (2023): Molecular and Cellular Mechanisms of Action of Cannabidiol. Molecules 28(16), 5980
  4. Bergamaschi M. M. et al. (2011): Cannabidiol Reduces the Anxiety Induced by Simulated Public Speaking in Treatment-Naïve Social Phobia Patients. Neuropsychopharmacology
  5. Black N. et al. (2019): Cannabinoids for the treatment of mental disorders and symptoms of mental disorders: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Psychiatry
  6. Millar S. A. et al. (2018): A Systematic Review on the Pharmacokinetics of Cannabidiol in Humans. Frontiers in Pharmacology
  7. Chrubasik-Hausmann S. (2019): Zur klinischen Wirksamkeit von Präparaten aus dem Hanf. Universitätsklinikum Freiburg
  8. International Association for the Study of Pain (2021): IASP Position Statement on the Use of Cannabinoids to Treat Pain
  9. Vela J. et al. (2022): Cannabidiol treatment in hand osteoarthritis and psoriatic arthritis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Pain
  10. Stiftung Warentest: Produkte mit Hanf. Was Kapseln und Öle mit CBD taugen
  11. University of Sydney (2020): Cannabidiol (CBD) in cannabis does not impair driving, landmark study shows (zur Studie von Arkell T. R. et al., JAMA 2020)
  12. Chesney E. et al. (2020): Adverse effects of cannabidiol: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Neuropsychopharmacology
  13. Balachandran P. et al. (2021): Cannabidiol Interactions with Medications, Illicit Substances, and Alcohol. Journal of General Internal Medicine
  14. U.S. Anti-Doping Agency (USADA): Athletes: 6 Things to Know About Cannabidiol

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