Keyfacts zu medizinische Cannabis Strains
- Medizinische Cannabis Strains beziehungsweise Cannabisblüten unterscheiden sich insbesondere durch ihre standardisierten THC- und CBD-Gehalte.
- Für den medizinischen Einsatz einzelner Cannabisblüten bei bestimmten Indikationen gibt es bislang keine allgemeingültige wissenschaftliche Zuordnung.
- Zu den besser untersuchten Einsatzbereichen cannabisbasierter Arzneimittel gehören chronische, insbesondere neuropathische Schmerzen und Spastiken bei Multipler Sklerose.
- Die Einnahmeform beeinflusst, wie schnell die Wirkung einsetzt und wie lange sie anhalten kann.
- Ein möglicher Entourage-Effekt von Cannabinoiden, Terpenen und weiteren Pflanzenbestandteilen wird diskutiert, ist klinisch jedoch bislang nicht eindeutig belegt.
Medizinische Cannabis Strains werden heute in verschiedenen therapeutischen Kontexten eingesetzt und zunehmend wissenschaftlich untersucht. Dabei geht es nicht um pauschale Heilaussagen, sondern darum, ob sie bei bestimmten Beschwerden unterstützen können, vor allem dann, wenn etablierte Therapien nicht ausreichend wirken oder schlecht vertragen werden. (2)
Zu den häufig diskutierten Einsatzbereichen zählen chronische Schmerzen, Spastiken bei Multipler Sklerose, Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie sowie Appetitlosigkeit. (1) Auch bei Schlafproblemen oder Angststörungen wird Cannabis teilweise eingesetzt, wobei die wissenschaftliche Datenlage hier deutlich uneinheitlicher ist. (2)
Ob der Einsatz medizinischer Cannabis Strains sinnvoll sind, hängt vom Einzelfall ab und sollte ärztlich begleitet werden. (1)
Was sind medizinische Cannabis Strains?
Medizinische Cannabis Strains sind unterschiedliche Cannabissorten beziehungsweise Cannabisblüten mit definierten Cannabinoidprofilen. Vor allem die Gehalte an THC und CBD spielen für die medizinische Auswahl eine wichtige Rolle; eine wissenschaftlich gesicherte Zuordnung bestimmter Sorten zu bestimmten Erkrankungen gibt es bislang jedoch nicht.
Der Begriff medizinische Cannabis Strains beschreibt unterschiedliche Cannabissorten, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe gezielt ausgewählt werden. Dabei spielen vor allem Cannabinoide und Terpene eine Rolle. Phyto-Cannabinoide wie THC und CBD interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System. THC wirkt unter anderem als Partialagonist an den Cannabinoid Rezeptoren CB1 und CB2, während CBD ein komplexeres Wirkprofil aufweist und auch mit anderen Rezeptorsystemen interagiert. Dieses System ist an der Regulation verschiedener Prozesse beteiligt, darunter Schmerzempfinden, Schlaf, Stimmung und Appetit. Die Wirkung kann jedoch von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen. (2) Wie der Weg zur Verordnung aussieht, erklärt unser Beitrag Cannabis auf Rezept.
Terpene sind aromatische Pflanzenstoffe, die für den Geruch verantwortlich sind und auch eine Rolle im Zusammenspiel der Inhaltsstoffe spielen können. Sie kommen in vielen anderen Pflanzen vor, etwa in Lavendel, Zitrusfrüchten oder Pfeffer. Die Wirkung eines medizinischen Cannabis Strains ergibt sich daher nicht aus einem einzelnen Wirkstoff, sondern aus dem Zusammenspiel aller enthaltenen Komponenten. Dieses mögliche Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe wird diskutiert, allerdings lässt sich daraus bislang keine gesicherte klinische Überlegenheit bestimmter Vollspektrumprodukte oder Cannabisblüten ableiten. (1) (2)
Welche Rolle spielen Phytochemikalien?
Die Inhaltsstoffe der Cannabispflanze werden als Phytochemikalien bezeichnet. Cannabinoide, Terpene und weitere Pflanzenstoffe bestimmen das chemische Profil eines Cannabis Strains. Wie stark einzelne Bestandteile oder ihr Zusammenspiel zur medizinischen Wirkung beitragen, ist Gegenstand der Forschung und noch nicht vollständig geklärt.
In der Pflanze selbst erfüllen diese Stoffe wichtige Funktionen. Sie schützen vor Schädlingen, regulieren Wachstumsprozesse und dienen als Anpassungsmechanismus an Umweltbedingungen. Für die medizinische Anwendung ist vor allem relevant, wie diese Stoffe im menschlichen Körper wirken. Cannabinoide können das Endocannabinoid-System über unterschiedliche Mechanismen beeinflussen. THC interagiert insbesondere mit den Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2, während CBD ein sogenanntes Multi-Target-Profil aufweist. (2) Dieses System wurde erst in den letzten Jahrzehnten umfassend erforscht und liefert eine wichtige Grundlage, um die Effekte von Cannabis besser zu verstehen.
Auch Terpene werden auf ihr mögliches Zusammenspiel mit Cannabinoiden untersucht. Dieses Zusammenspiel wird häufig als sogenannter Entourage-Effekt beschrieben, ist jedoch wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. (1) (2)
Häufiger Irrtum: Bestimmte Terpenprofile oder Cannabis Strains lassen sich eindeutig bestimmten Wirkungen oder Erkrankungen zuordnen.
Richtig ist: Für eine solche feste Zuordnung gibt es derzeit keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage. Besonders der sogenannte Entourage-Effekt wird zwar diskutiert, seine klinische Bedeutung ist jedoch bislang nicht eindeutig belegt.
Medizinische Cannabis Strains und ihre Anwendung
Dieser Abschnitt ist besonders für Patientinnen und Patienten relevant, die wissen möchten, warum es keine allgemeingültige Empfehlung für einzelne Cannabis Sorten bei bestimmten Beschwerden gibt.
Welcher medizinische Cannabis Strain geeignet ist, lässt sich nicht allein anhand des Sortennamens bestimmen. Entscheidend sind unter anderem das Cannabinoidprofil, die individuelle Reaktion, das Anwendungsgebiet und die ärztliche Beurteilung.
Für medizinische Cannabis Strains gibt es keine allgemeingültigen Sortenempfehlungen. Die DGS-Praxisleitlinie stellt ausdrücklich fest, dass derzeit keine wissenschaftliche Grundlage besteht, bestimmte Cannabisblüten bestimmten medizinischen Indikationen zuzuordnen. (1) Menschen reagieren unterschiedlich auf Cannabis, sowohl in Bezug auf Wirkung als auch auf mögliche Nebenwirkungen. Die Auswahl eines geeigneten Strains erfolgt daher individuell. In der Praxis bedeutet das oft, dass verschiedene Optionen ausprobiert werden, bis eine passende Kombination aus Wirkung und Verträglichkeit gefunden wird. Dieser Prozess kann Zeit in Anspruch nehmen.
Einige Einsatzbereiche sind jedoch besser untersucht als andere:
- Chronische Schmerzen
Für bestimmte Formen chronischer Schmerzen, insbesondere neuropathische Schmerzen, gibt es Hinweise aus Studien und Leitlinien, dass cannabisbasierte Arzneimittel unterstützend eingesetzt werden können. Die Evidenz unterscheidet sich je nach Cannabinoid, Präparat und Schmerzform; für chronische neuropathische Schmerzen besteht eine vergleichsweise bessere Evidenz. (1) (2) Sie werden häufig dann eingesetzt, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken. - Spastiken bei Multipler Sklerose
Spastiken bei Multipler Sklerose gehören zu den vergleichsweise gut untersuchten Einsatzbereichen. Hier ist in Deutschland mit Nabiximols ein cannabisbasiertes Fertigarzneimittel zur Symptomverbesserung bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer MS-bedingter Spastik zugelassen, wenn eine andere antispastische Therapie nicht ausreichend angesprochen hat und sich im Therapieversuch eine relevante Verbesserung zeigt. (1) (2) - Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie
Cannabinoide werden seit Längerem bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen untersucht. Nabilon ist in Deutschland für Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie zugelassen. Cannabinoide können insbesondere bei unzureichender Wirkung beziehungsweise Verträglichkeit etablierter Therapien eine Option darstellen. (1) (2) - Psychische Beschwerden und Schlafprobleme
In diesen Bereichen ist die Datenlage deutlich weniger eindeutig. Einzelne Studien und Erfahrungsberichte liefern Hinweise, große und hochwertige Studien fehlen jedoch häufig. Bei Schlafproblemen gibt es Hinweise auf mögliche Verbesserungen, unter anderem bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen, die Daten werden jedoch als uneindeutig bewertet. Für die Behandlung primärer Angststörungen und anderer primär psychischer Erkrankungen reicht die Evidenz derzeit nicht für eine allgemeine Therapieempfehlung mit medizinischem Cannabis aus. Fachgesellschaften empfehlen daher eine besonders sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken. (1) (2)
Checkliste: Was ist bei der Auswahl medizinischer Cannabis Strains wichtig?
- Anwendungsgebiet und Therapieziel ärztlich klären
- THC- und CBD-Gehalt des Präparats berücksichtigen
- individuelle Wirkung und Verträglichkeit beobachten
- mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen berücksichtigen
- keine Sorte ausschließlich aufgrund von Namen oder Erfahrungsberichten auswählen
- Therapie regelmäßig ärztlich überprüfen lassen
Einnahmeformen von medizinischen Cannabis Strains
Medizinalcannabis und cannabisbasierte Arzneimittel können auf unterschiedliche Weise angewendet werden. Die Einnahmeform beeinflusst vor allem Wirkungseintritt und Wirkungsdauer. Inhalierte Cannabisblüten wirken meist schneller als oral eingenommene Präparate, während orale Formen in der Regel länger wirken. (2)
Orale Einnahme
Bei der Einnahme als Kapsel, Öl oder anderer oraler Zubereitung tritt die Wirkung verzögert ein, je nach Präparat typischerweise nach etwa 30 bis 120 Minuten. Dafür hält sie in der Regel länger als bei einer inhalativen Anwendung. (2)
Oromukosale Anwendung
Bestimmte cannabisbasierte Arzneimittel werden über die Mundschleimhaut angewendet. Bei Nabiximols erfolgt die Anwendung beispielsweise als Mundspray. Der Wirkungseintritt liegt zwischen dem der inhalativen und der klassischen oralen Anwendung. (2)
Inhalation durch Vaporisieren
Beim Vaporisieren tritt die Wirkung innerhalb weniger Minuten ein. Für inhalierte Cannabisblüten werden in der Übersichtsarbeit Wirkungseintritte nach etwa fünf bis zehn Minuten beschrieben. (2) Im Vergleich zur oralen Einnahme setzt die Wirkung damit schneller ein, hält jedoch kürzer an. Im Gegensatz zum Rauchen gilt die Vaporisation als schonender, da die beim Verbrennen der Pflanzenteile entstehenden schädlichen Pyrolyseprodukte vermieden werden. (1) (2)
Die richtige Dosierung
Die Dosierung von medizinischen Cannabis Strains ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Erkrankung, die gewählte Einnahmeform und die persönliche Verträglichkeit. Die DGS-Praxisleitlinie betont ausdrücklich, dass die Zieldosis patientenindividuell ist. Die konkrete Dosierung und Anpassung sollte ärztlich festgelegt und begleitet werden. (1) Ziel ist eine möglichst gute Wirkung bei möglichst geringen Nebenwirkungen. Besonders bei THC ist Vorsicht geboten, da es psychoaktive Effekte haben kann und deshalb nicht für alle Patientinnen und Patienten geeignet ist. (1) (2)
Häufiger Irrtum: Ein höherer THC-Gehalt bedeutet automatisch eine bessere medizinische Wirkung.
Richtig ist: Ein höherer THC-Gehalt kann auch stärkere psychoaktive und andere unerwünschte Wirkungen verursachen. Entscheidend ist nicht die Stärke eines Strains allein, sondern das individuelle Verhältnis von gewünschter Wirkung und Verträglichkeit.
Fazit
Bei medizinischen Cannabis Strains lassen sich Wirkung, Auswahl und Anwendung nicht pauschal beurteilen. Medizinalcannabis ist in Deutschland verschreibungspflichtig und darf nur ärztlich verordnet werden. Während es für einige Anwendungsbereiche bereits belastbare Hinweise gibt, ist die Studienlage in vielen anderen Bereichen noch unvollständig. Deshalb sollten die Auswahl eines geeigneten Strains, die individuell festgelegte Dosierung und die Wahl der Einnahmeform immer in enger Abstimmung mit medizinischem Fachpersonal erfolgen.
Ein genauerer Blick auf die Inhaltsstoffe und ihr Zusammenspiel macht deutlich: Cannabis kann in bestimmten Fällen eine ergänzende Option sein, ist aber keine pauschale Lösung.
Medizinischer Disclaimer
Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Anwendung von Cannabis sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.
FAQ zu Medizinische Cannabis Strains
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Medizinische Cannabis Strains sind unterschiedliche Cannabissorten beziehungsweise medizinisch verwendete Cannabisblüten. Die verfügbaren Sorten sind insbesondere auf ihre THC- und CBD-Gehalte standardisiert.
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Einen wissenschaftlich belegten allgemein „besten“ Strain gibt es nicht. Auch eine feste Zuordnung bestimmter Cannabisblüten zu bestimmten Erkrankungen ist derzeit nicht wissenschaftlich begründet. Die Auswahl erfolgt deshalb individuell und ärztlich begleitet.
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Cannabisbasierte Arzneimittel werden unter anderem bei chronischen beziehungsweise neuropathischen Schmerzen, Spastiken bei Multipler Sklerose sowie in bestimmten Fällen bei Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie eingesetzt. Die wissenschaftliche Evidenz unterscheidet sich jedoch zwischen den einzelnen Anwendungsgebieten.
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THC und CBD gehören zu den wichtigsten untersuchten Phytocannabinoiden. THC wirkt unter anderem an CB1- und CB2-Rezeptoren und kann psychoaktive Wirkungen auslösen. CBD weist ein komplexeres Multi-Target-Wirkprofil auf und wirkt nicht in gleicher Weise psychoaktiv.
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Der Entourage-Effekt beschreibt die mögliche Wechselwirkung zwischen Cannabinoiden, Terpenen und weiteren Pflanzenbestandteilen. Ein klinisch relevanter Vorteil dieses Zusammenspiels wird diskutiert, ist bislang jedoch nicht eindeutig belegt. Auch die DGS sieht keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage für einen klinischen Vorteil von Vollspektrumprodukten oder die indikationsbezogene Auswahl bestimmter Cannabisblüten.
