Evaluierung zum CanG: Erste Ergebnisse veröffentlicht
Seit April 2024 darf in Deutschland unter bestimmten Bedingungen angebaut, besessen und konsumiert werden. Ein Meilenstein für viele, die sich schon lange eine liberalere Drogenpolitik gewünscht haben. Doch mit dieser neuen Freiheit kommen auch neue Fragen: Kommen Jugendliche leichter an Gras? Wie verhält es sich mit dem Konsumverhalten und dem legalen Zugang? Um genau das und noch mehr herauszufinden, wurde die Evaluierung zum CanG ins Leben gerufen. Diese Untersuchung begleitet die Legalisierung wissenschaftlich um herauszufinden, was das Gesetz im echten Leben bewirkt – und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Ein ausführlicher Zwischenbericht der Evaluierung wird für den Herbst 2025 erwartet – er soll erstmals zeigen, ob das Gesetz seine Ziele tatsächlich erreicht hat.
Dafür sammelt ein Forschungsteam rund um Dr. Jakob Manthey Daten aus ganz unterschiedlichen Quellen: Studien, Umfragen, Verkehrsunfälle, Gesundheitsberichte, Polizeistatistiken usw. Die Ergebnisse sollen der Politik dabei helfen, kluge Entscheidungen zu treffen und eine vernünftige Legalisierung durchzusetzen. Erste Einschätzungen gab Jakob Manthey der der Fachtagung des Therapieladen bekannt.
Jakob Manthey liefert erste Ergebnisse
Erkenntnisse aus der Evaluierung zum CanG – kompakt zusammengefasst
Kein Konsum-Anstieg trotz Legalisierung
- Die Legalisierung hat bislang nicht zu einem plötzlichen oder auffälligen Anstieg des Cannabiskonsums geführt.
- Der seit Jahren bestehende Trend, vor allem bei älteren Erwachsenen Cannabis zu konsumieren, setzt sich fort – unabhängig vom neuen Gesetz.
- Unter Jugendlichen gibt es keine nennenswerten Veränderungen im Konsumverhalten seit Inkrafttreten des CanG.
- Deutschland bewegt sich weiterhin im europäischen Mittelfeld, was die Häufigkeit des Konsums betrifft.
- Ein direkter Zusammenhang zwischen Legalisierung und steigendem Konsum ist laut den bisherigen Daten nicht erkennbar.
Eigenanbau: Erlaubt, aber nicht ganz einfach
- Das CanG erlaubt den privaten Eigenanbau von Cannabis unter bestimmten Bedingungen.
- Der finanzielle Aufwand für Eigenanbau ist vergleichsweise gering – bei geschickter Umsetzung liegt der Preis pro Gramm bei etwa einem Euro.
- Die gesetzliche Obergrenze von 50 Gramm getrockneter Blüten kann bei erfolgreichem Anbau schnell überschritten werden.
- Wer mehr erntet als erlaubt, bewegt sich rechtlich wieder außerhalb des legalen Rahmens.
- In der Praxis bleibt der Eigenanbau daher oft kompliziert und nicht ohne Risiko.
Anbauvereinigungen: Gute Idee, aber schwierige Umsetzung
- Anbauvereinigungen, also Cannabis Clubs, sollen den legalen Zugang zu Cannabis ergänzen – insbesondere für Menschen, die nicht selbst anbauen möchten.
- Der Bedarf in der Bevölkerung ist hoch, die tatsächliche Produktion jedoch verschwindend gering (2024 wurden nur rund 49 Kilogramm legal erzeugt).
- In Großstädten wie Berlin steht eine geringe Zahl an Vereinigungen einer sehr großen Zahl potenzieller Mitglieder gegenüber.
- Viele Interessierte haben derzeit keinen praktischen Zugang zu einer legalen Versorgung über Anbauvereinigungen.
- Die aktuelle Umsetzung hinkt den politischen Zielen deutlich hinterher.
- Erfahre mehr über die Herausforderungen für Cannabis Clubs in Deutschland.
Verkehr und Gesundheit: Keine dramatischen Veränderungen
- Die Zahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr ist seit der Legalisierung nicht gestiegen – sie ist sogar leicht gesunken.
- Die bisherigen Daten zeigen keine Hinweise auf eine Zunahme schwerwiegender psychischer Erkrankungen im Zusammenhang mit Cannabis.
- Leichte Anstiege bei akuten Überdosierungen wurden bereits vor April 2024 beobachtet und setzen sich in ähnlichem Tempo fort.
- Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Gesetz und Gesundheitsschäden lässt sich bislang nicht feststellen.
Kriminalität: Deutlicher Rückgang
- Der Besitz kleiner Mengen Cannabis ist seit dem CanG straffrei – das wirkt sich klar auf die Polizeistatistiken aus.
- Cannabisbezogene Delikte sind deutlich zurückgegangen.
- Polizei und Justiz werden entlastet, da zahlreiche Ermittlungsverfahren nicht mehr notwendig sind.
- Die Entkriminalisierung zeigt bereits messbare Auswirkungen im Alltag vieler Konsumierender.
Fazit: Die Evaluierung zum CanG bringt Klarheit – es gibt noch Einiges zu tun
Die ersten Erkenntnisse der Evaluierung zeigen: Die Legalisierung hat Deutschland nicht aus den Angeln gehoben. Kein dramatischer Anstieg beim Konsum, keine Zunahme bei Unfällen oder psychischen Erkrankungen. Stattdessen: Weniger Kriminalität, aber auch noch viele offene Baustellen.
Vor allem der Zugang über Anbauvereinigungen bzw. zu legalen Quellen muss verbessert, ja erst mal etabliert werden. Die Evaluierung zum CanG liefert dafür wichtige Daten – und ist ein guter Anfang auf dem Weg zu einer realistischen und funktionierenden Cannabispolitik.
