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Autounfälle unter Cannabiseinfluss sollen zukünftig statistisch festgehalten werden. Eine Hand am Steuer mit einem Joint.
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Autounfälle unter Cannabiseinfluss sollen künftig genauer erfasst werden

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

Seit der Teillegalisierung von Cannabis wird immer wieder darüber diskutiert, welche Auswirkungen die Reform auf die tatsächlich Verkehrssicherheit hat. Bislang fehlte jedoch eine umfassende Datengrundlage, um diese Frage belastbar zu beantworten. Das könnte sich nun ändern. Das Bundesverkehrsministerium plant, Autounfälle unter Cannabiseinfluss bzw. schwere Verkehrsunfälle unter dem Einfluss von Cannabis künftig gezielt in der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik zu erfassen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde dem Bundesrat vorgelegt. Ziel ist es, die Folgen der seit April 2024 geltenden Cannabisreform besser bewerten und wissenschaftlich auswerten zu können.

Insbesondere soll nachvollziehbar werden, ob und in welchem Umfang Cannabis bei schweren Verkehrsunfällen eine Rolle spielt. Die neuen Daten könnten künftig eine wichtige Grundlage für Forschung, Prävention und politische Entscheidungen darstellen.

Welche Unfälle sollen dokumentiert werden?

Die geplante Erweiterung der Statistik betrifft nicht jeden Verkehrsunfall. Erfasst werden sollen vor allem schwerwiegende Ereignisse, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Auch Unfälle mit erheblichem Sachschaden sollen in die Auswertung einfließen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die beteiligten Personen unter dem Einfluss von Cannabis standen. Die Behörden möchten künftig genauer dokumentieren, welche THC Werte bei den Unfallbeteiligten festgestellt wurden. Dadurch soll ein differenzierteres Bild entstehen als bisher. Während bereits umfangreiche Daten zu Alkohol im Straßenverkehr vorliegen, existieren für Cannabis bislang deutlich weniger belastbare Informationen.

THC Werte sollen Teil der Unfallstatistik werden

Ein zentraler Bestandteil der geplanten Änderung ist die Erfassung von THC Konzentrationen. THC ist der psychoaktiv, berauschende Hauptwirkstoff der Cannabispflanze und kann die Wahrnehmung sowie die Reaktionsfähigkeit beeinflussen. Wenn die Polizei bei der Aufnahme eines schweren Verkehrsunfalls Hinweise auf Cannabiskonsum feststellt und entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden, sollen die ermittelten Werte künftig statistisch erfasst werden.

Das Ministerium orientiert sich dabei an bestehenden Verfahren aus dem Bereich Alkohol. Dort werden bereits seit Jahren Informationen zum Grad der Alkoholisierung dokumentiert und ausgewertet. Durch die zusätzliche Erhebung könnten künftig genauere Aussagen darüber getroffen werden, in welchen Situationen Autounfälle unter Cannabiseinfluss auftreten und welche Personengruppen besonders häufig betroffen sind.

Unterschiede der THC Werte

Grundsätzlich ist es sinnvoll, mehr Daten zu sammeln. Entscheidend wird jedoch sein, welche Werte künftig tatsächlich erfasst werden. Bei Cannabis können unterschiedliche Stoffe nachgewiesen werden, die nicht dieselbe Aussagekraft haben:

  • THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol): Das ist der aktive Wirkstoff von Cannabis. Er kann berauschend wirken und die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Auf diesen Wert bezieht sich auch der gesetzliche Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum.
  • THC-COOH (THC-Carbonsäure): Dabei handelt es sich um ein nicht berauschendes Abbauprodukt von THC. Dieser Wert zeigt lediglich, dass in der Vergangenheit Cannabis konsumiert wurde. Je nach Konsumverhalten kann THC-COOH noch Tage oder sogar Wochen nach dem letzten Konsum nachweisbar sein.

Deshalb bedeutet ein positiver Cannabisnachweis nicht automatisch, dass eine Person zum Unfallzeitpunkt tatsächlich beeinträchtigt war. Auch ein nachgewiesener THC-Wert allein beweist noch nicht, dass Cannabis die Ursache des Unfalls war. Für eine aussagekräftige Statistik wird es daher wichtig sein, genau zu dokumentieren, welche Werte erfasst werden, wie oft der Fahrer oder die Fahrerin Cannabis konsumiert (ist eine Toleranz vorhanden?) und ob Cannabis tatsächlich eine Rolle beim Unfallgeschehen gespielt hat.

Warum die neuen Daten wichtig sein könnten

Bislang wird häufig über die Auswirkungen der Cannabislegalisierung auf den Straßenverkehr diskutiert. Oft fehlen jedoch belastbare Zahlen, die eine objektive Bewertung ermöglichen.

Mit den neuen Erhebungen kann künftig untersuchen werden, ob sich bestimmte Entwicklungen seit der Legalisierung verändert haben. Denkbar sind beispielsweise Analysen zu Altersgruppen, Fahranfänger:innen oder verschiedenen Verkehrsmitteln. Auch die Frage, ob Cannabis tatsächlich eine relevante Rolle bei schweren Verkehrsunfällen spielt oder ob andere Faktoren häufiger ausschlaggebend sind, könnte künftig besser beantwortet werden.

Die zusätzlichen Daten sollen laut Verkehrsministerium dazu beitragen, Präventionsmaßnahmen gezielter zu gestalten und Aufklärungskampagnen besser auf reale Risiken auszurichten.

Welche Informationen werden bereits gesammelt?

Die amtliche Straßenverkehrsunfallstatistik enthält schon heute zahlreiche Angaben zu den Beteiligten eines Unfalls.

Erfasst werden unter anderem:

  • Alter der beteiligten Personen
  • Geschlecht
  • Art des genutzten Fahrzeugs
  • Führerscheinbesitz und Fahrpraxis
  • Unfallort und Unfallhergang
  • Verletzungen und Sachschäden

Künftig könnten THC Werte diese Datensammlung ergänzen. Dadurch würde die Analyse von Autounfällen unter Cannabiseinfluss deutlich präziser werden.

Welche Regeln gelten aktuell für Cannabis am Steuer?

Unabhängig von der geplanten Statistik gelten bereits seit August 2024 spezielle Regelungen für Cannabis im Straßenverkehr.

Für Erwachsene liegt der gesetzliche Grenzwert bei 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Wer diesen Wert überschreitet und ein Fahrzeug führt, muss in der Regel mit einem Bußgeld, Punkten in Flensburg und einem Fahrverbot rechnen. Besonders streng sind die Vorgaben für Fahranfänger:innen und junge Menschen unter 21 Jahren. Für diese Gruppen gilt weiterhin ein grundsätzliches Cannabisverbot am Steuer. Der allgemeine THC Grenzwert findet hier keine Anwendung.

Wer in der Probezeit oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres mit Cannabis am Steuer erwischt wird, muss ebenfalls mit Sanktionen rechnen. Zusätzliche Konsequenzen drohen, wenn Cannabis und Alkohol gemeinsam konsumiert wurden. Mischkonsum wird von den Behörden als besonders risikoreich eingestuft und entsprechend härter geahndet.

Autounfälle unter Cannabiseinfluss als Grundlage für zukünftige Bewertungen

Die geplante statistische Erfassung bedeutet nicht automatisch, dass es mehr oder weniger Verkehrsunfälle durch Cannabis gibt. Vielmehr soll zunächst eine belastbare Datengrundlage geschaffen werden. Erst durch eine systematische Auswertung über mehrere Jahre hinweg wird sich zeigen, ob und welche Veränderungen seit der Teillegalisierung tatsächlich messbar sind. Dabei dürfte auch berücksichtigt werden müssen, dass der Nachweis von THC nicht zwangsläufig bedeutet, dass eine Person zum Unfallzeitpunkt akut beeinträchtigt war. Außerdem sollte unbedingt erfasst werden, ob es sich um einen Langzeitkonsumten oder um einen Patienten oder eine Patientin handelte, der den Unfall verursachte.

Dennoch könnte die neue Datenerhebung dazu beitragen, die Diskussion rund um Cannabis und Straßenverkehr künftig stärker auf Fakten statt auf Vermutungen zu stützen.

Fazit

Die Bundesregierung plant, schwere Autounfälle unter Cannabiseinfluss künftig gesondert in der amtlichen Unfallstatistik zu erfassen. Dabei sollen unter anderem THC Werte dokumentiert werden, die bei polizeilichen Untersuchungen festgestellt werden.

Ziel ist es, die Auswirkungen der Cannabislegalisierung auf die Verkehrssicherheit wissenschaftlich besser bewerten zu können. Ob sich daraus neue Erkenntnisse über Unfallursachen, Risikogruppen oder Präventionsmaßnahmen ergeben, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht jedoch, dass die Datenlage rund um Autounfälle unter Cannabiseinfluss künftig deutlich umfangreicher werden dürfte.

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