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Cannabis im Straßenverkehr- eine neue Studie!
Cannabib Schlagzeilen

Neue Studie zu Cannabis im Straßenverkehr untersucht Folgen der Legalisierung

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

Keyfacts

  • Eine aktuell veröffentliche Studie untersuchte Cannabis im Straßenverkehr in Deutschland nach der Teillegalisierung im Jahr 2024.
  • Grundlage sind Bevölkerungsbefragungen vor und nach der Reform.
  • In der Studie wurden insgesamt rund 20.600 Erwachsene aus Deutschland und Österreich befragt, darunter über 16.000 Teilnehmende aus Deutschland vor und nach der Legalisierung.
  • Die Daten aus Deutschland wurden mit Österreich als Vergleichsland ausgewertet.
  • Insgesamt nahmen mehr als zehntausend Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren teil.
  • Kurzfristig zeigen sich keine deutlichen Veränderungen beim Cannabiskonsum.
  • Auch beim Autofahren nach Cannabiskonsum wurden keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Seit der Teillegalisierung von Cannabis wurde immer wieder befürchtet und diskutiert, dass die Auswirkungen der Reform auf den Straßenverkehr extrem negativ ausfallen könnten. Kritiker:innen warnten vor mehr Fahrten unter Drogeneinfluss, mehr Unfällen und zum Teil vor Verkehrschaos. Befürworter:innen verwiesen dagegen auf Erfahrungen aus anderen Ländern, die Cannabis bereits legalisierten und quasi der Beweis dafür sind, dass die Zahlen stabil bleiben. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung liefert nun erste Daten zu dieser Frage. Die Studie wurde im Fachjournal The Lancet veröffentlicht und analysiert erstmals systematisch, wie sich Cannabis im Straßenverkehr in Deutschland nach der Reform entwickelt.

Die Ergebnisse fallen zunächst deutlich zurückhaltender aus als viele erwartet hatten.

Wie die Studie zu Cannabis im Straßenverkehr aufgebaut ist

Die Forschenden untersuchten zwei zentrale Fragen. Erstens wollten sie wissen, ob sich der Cannabiskonsum in der Bevölkerung verändert hat. Zweitens ging es darum, ob sich das Verhalten im Straßenverkehr verändert hat.

Dafür wurden zwei große Bevölkerungsbefragungen durchgeführt. Eine fand kurz vor der Reform statt, eine zweite rund acht Monate nach der Legalisierung.

Das Studiendesign basiert auf mehreren zentralen Elementen:

• Bevölkerungsbefragungen unter Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren
• zwei Messzeitpunkte vor und nach der Legalisierung
• Vergleich mit Österreich als Kontrollland, das Cannabis nicht legalisiert
• Analyse von Konsumverhalten und Fahrverhalten

Der Vergleich mit Österreich spielt dabei eine wichtige Rolle. Da Cannabis dort weiterhin illegal ist, lassen sich mögliche Entwicklungen besser einordnen. So kann geprüft werden, ob Veränderungen tatsächlich mit der Reform zusammenhängen oder Teil allgemeiner Trends sind.

Leichter Anstieg beim Konsum

Die Ergebnisse zeigen zunächst eine leichte Zunahme beim Cannabiskonsum in Deutschland. Vor der Reform gaben etwa zwölf Prozent der Befragten an, im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert zu haben. Nach der Legalisierung lag dieser Anteil bei rund vierzehn Prozent. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein deutlicher Anstieg. Der Vergleich mit Österreich relativiert dieses Bild jedoch, denn auch dort stiegen die Werte leicht an.

Die Forschenden kommen deshalb zu dem Schluss, dass sich der Anstieg statistisch nicht eindeutig auf die Legalisierung zurückführen lässt. Kurzfristig scheint die Reform also keinen klaren Einfluss auf die allgemeine Konsumhäufigkeit gehabt zu haben.

Autofahren nach Cannabiskonsum

Ein besonders wichtiger Teil der Studie betrifft das Verhalten im Straßenverkehr. Die Forschenden analysierten, wie häufig Menschen angaben, innerhalb weniger Stunden nach dem Konsum von Cannabis ein Fahrzeug zu führen.

Unter regelmäßigen Konsumentinnen und Konsumenten lag dieser Anteil vor der Reform bei rund 28 Prozent. Nach der Legalisierung sank er leicht auf etwa 27 Prozent.

Die wichtigsten Ergebnisse zum Zusammenhang von Cannabis im Straßenverkehr lassen sich so zusammenfassen:

• Fahrten nach Cannabiskonsum nahmen kurzfristig nicht zu
• der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich ist statistisch nicht signifikant
• ein Teil der Fälle betrifft Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Substanzen
• besonders häufig tritt dieser Mischkonsum bei gelegentlichen Konsumenten auf

Die Daten deuten darauf hin, dass sich das Verhalten im Straßenverkehr in den ersten Monaten nach der Reform kaum verändert hat.

Der Mischkonsum bleibt ein Risiko

Ein weiterer wichtiger Befund betrifft den Mischkonsum. Etwa ein Fünftel der dokumentierten Fälle betraf Fahrten, bei denen Cannabis zusammen mit Alkohol oder anderen Substanzen konsumiert wurde. Gerade diese Kombination gilt als besonders riskant. Während Cannabis allein die Fahrfähigkeit beeinträchtigen kann, steigt das Unfallrisiko deutlich stärker, wenn zusätzlich Alkohol konsumiert wird.

Viele Präventionskampagnen konzentrieren sich deshalb genau auf diesen Punkt.

Grenzen der Studie

Trotz der neuen Daten betonen die Forschenden, dass ihre Ergebnisse nur einen ersten Zwischenstand darstellen. Der Beobachtungszeitraum umfasst lediglich die ersten Monate nach der Reform. Viele gesellschaftliche Veränderungen zeigen sich jedoch erst über längere Zeiträume. Außerdem basiert die Untersuchung auf Selbstauskünften der Teilnehmenden. Menschen möchten riskantes Verhalten möglicherweise nicht immer vollständig angeben.

Hinzu kommt, dass der legale Markt in Deutschland zum Zeitpunkt der Befragung noch kaum entwickelt war. Nur wenige Anbauvereine waren bereits genehmigt.

Die Forschenden betonen deshalb, dass langfristige Daten notwendig sind, um den Zusammenhang zwischen Cannabis im Straßenverkehr wirklich beurteilen zu können.

Erste Einordnung der Ergebnisse

Trotz dieser Einschränkungen liefern die Ergebnisse einen wichtigen Zwischenstand. Sie zeigen, dass die Reform bisher keine abrupten Veränderungen im Verkehrsgeschehen ausgelöst hat. Viele Befürchtungen gingen davon aus, dass sich riskantes Verhalten im Straßenverkehr unmittelbar nach der Legalisierung deutlich erhöhen könnte. Die aktuellen Daten legen jedoch eher nahe, dass bestehende Trends zunächst weiterlaufen.

Wie sich Cannabis im Straßenverkehr langfristig entwickelt, wird erst in den kommenden Jahren sichtbar werden. Weitere Studien sollen deshalb beobachten, ob sich Konsumverhalten, Verkehrssicherheit und Unfallzahlen langfristig verändern. Auch interessant: Autofahren unter Cannabiseinfluss.

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