Keyfacts zu THC gegen Brustkrebs
- Eine Studie im Fachjournal Communications Biology untersucht den Effekt von THC gegen Brustkrebs: Schon vier Tage niedrig dosiertes THC halten Brustkrebszellen über Monate hinweg in einem weniger aggressiven Zustand. (1)
- Verantwortlich für die Wirkung von THC gegen Brustkrebs ist vermutlich der CB2-Rezeptor, nicht der für die Rauschwirkung zuständige CB1-Rezeptor.
- Die Effekte hielten in Mausmodellen bis zu 100 Tage nach der Behandlung an, mit weniger Tumorabsiedlungen in der Lunge.
- Behandelte Zellen reagierten empfindlicher auf Tamoxifen, ein Standardmedikament in der Brustkrebstherapie.
- Die Forschung zu THC gegen Brustkrebs basiert auf Organoiden und Mäusen, nicht auf Studien an Patientinnen.
Einleitung
THC gegen Brustkrebs: Diese Kombination klingt nach einer unglaublichen Schlagzeile, steckt aber hinter einer ernstzunehmenden, peer-reviewten Studie. Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, was passiert, wenn Brustkrebszellen nur wenige Tage lang mit einer sehr niedrigen Dosis THC in Kontakt kommen. Das Ergebnis ist beeindruckend. (2) Die Debatte um THC gegen Brustkrebs ist damit nicht neu, bekommt aber erstmals eine belastbare Grundlage. Wichtig vorab: Es geht um Laborforschung, nicht um eine fertige Therapie. Wie die Studie aufgebaut ist, was genau gemessen wurde und wo die Grenzen der Aussagekraft liegen, ordnen wir im Folgenden ein.
Was die Studie zu THC gegen Brustkrebs untersucht hat
Das Team arbeitete mit dreidimensionalen Tumor-Organoiden aus menschlichen Brustkrebsproben sowie mit Mausmodellen.
Organoide sind kleine, im Labor gezüchtete Gewebestrukturen, die echtes Tumorgewebe realistischer abbilden als klassische Zellkulturen auf einer Petrischale. Die Forschenden setzten diese Organoide vier Tage lang einer ultra-niedrigen THC-Dosis aus und entzogen die Substanz danach wieder vollständig.
Genau dieser kurze Zeitraum macht die Untersuchung bemerkenswert: Eine so kurze Behandlung reicht offenbar aus, um langfristige Veränderungen anzustoßen.
Das Ergebnis nach vier Tagen
Trotz der kurzen Behandlungsdauer blieben die Krebszellen anschließend in einem veränderten Zustand gefangen: weniger wandlungsfähig, weniger invasiv und mit einer geringeren Fähigkeit, neue Tumoren auszulösen. Nach der Übertragung in lebende Mäuse blieben diese Effekte bemerkenswert stabil, teils über 100 Tage hinweg. Nach vier Wochen zeigten sich in der Lunge der behandelten Tiere deutlich weniger Krebszell-Absiedlungen als in der Kontrollgruppe. (3)
Der Effekt hinter der Studie
Cannabis wirkt im Körper hauptsächlich über zwei Rezeptoren: CB1 und CB2. CB1 ist vor allem im Gehirn aktiv und für die psychoaktive Wirkung von THC verantwortlich. CB2 sitzt dagegen vor allem auf Immunzellen und, wie diese Studie zeigt, offenbar auch auf bestimmten Brustkrebszellen. Genau dieser Rezeptor scheint der Schlüssel zur Wirkung von THC gegen Brustkrebs zu sein.
CB2 Rezeptor: der Schlüssel zum Erfolg?
Um den Mechanismus zu bestätigen, wiederholten die Forschenden das Experiment an Mäusen, denen der CB2-Rezeptor genetisch fehlte.
Bei diesen Tieren blieb der schutzartige Effekt aus. Das spricht dafür, dass tatsächlich CB2 und nicht CB1 die entscheidende Rolle spielt, und erklärt, warum die beobachtete Wirkung von THC gegen Brustkrebs unabhängig von der Rauschwirkung auftreten könnte.
Ein relevanter Nebenbefund
Zusätzlich stellte das Team fest, dass die behandelten Krebszellen empfindlicher auf Tamoxifen reagierten, eines der am häufigsten eingesetzten Medikamente in der Brustkrebstherapie.
Gleichzeitig entwickelten die Zellen seltener Merkmale einer Therapieresistenz. Sollte sich dieser Befund in weiteren Untersuchungen bestätigen, wäre das ein interessanter Ansatzpunkt für die Kombination bestehender Therapien mit dem Wirkprinzip von THC gegen Brustkrebs.
Einordnung: Was die Forschung zu THC gegen Brustkrebs nicht beweist
So vielversprechend die Ergebnisse klingen, es bleibt präklinische Forschung. Die Experimente fanden an Zellmodellen und Mäusen statt, nicht an Menschen. Das bedeutet konkret:
- Die Studie beweist nicht, dass Cannabis Brustkrebs bei Menschen heilt oder Metastasen verhindert.
- Sie zeigt nicht, dass handelsübliche Cannabisprodukte oder das Rauchen von Cannabis dieselbe Wirkung hätten wie die im Labor eingesetzte THC-Dosis. Verwendet wurde eine exakt dosierte, ultra-niedrige Menge unter kontrollierten Bedingungen.
- Klinische Studien am Menschen zu THC gegen Brustkrebs fehlen bislang vollständig.
Die Ergebnisse liefern damit vor allem einen Ansatzpunkt für die Grundlagenforschung und künftige Medikamentenentwicklung, nicht ein Rezept für den Alltag.
Fazit
Die Studie liefert einen soliden Hinweis darauf, dass der CB2-Rezeptor eine bislang unterschätzte Rolle in der Biologie von Brustkrebszellen spielen könnte, und dass eine kurze, niedrig dosierte Behandlung mit THC gegen Brustkrebs diesen Rezeptor gezielt ansprechen kann.
Bis daraus eine Therapieoption für Patient:innen wird, sind allerdings noch Jahre an weiterer Forschung und vor allem klinische Studien am Menschen nötig. Wer sich aktuell in Brustkrebsbehandlung befindet, sollte aus der aktuellen Forschung zu THC gegen Brustkrebs keine eigenen Schlüsse für die eigene Therapie ziehen.
Medizinischer Disclaimer
Dieser Artikel zu THC gegen Brustkrebs dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die beschriebenen Ergebnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
Wer an Krebs erkrankt ist oder Fragen zu einer Behandlung mit Cannabis hat, sollte sich ausschließlich an das behandelnde ärztliche Team wenden und keine Selbstmedikation vornehmen.
Quellen und Studien ansehen
- Communications Biology: Transient CB2R modulation durably restricts breast cancer plasticity by stabilizing a luminal like cell identity
- Medical Xpress: Low-dose THC keeps breast cancer cells in tumor models from reverting to an aggressive state
- ScienceAlert: Scientists Discover a Cannabis Receptor That Could Stop Breast Cancer Spreading
