Keyfacts zu Cannabis Apotheke Schweiz
- Pilotprojekte in Bern, Biel und Luzern testen die legale Abgabe von Cannabis über Apotheken.
- Über 1000 Personen nehmen an der Studie teil, die seit 2024 läuft und bis Oktober 2028 verlängert wurde.
- Der Cannabiskonsum der Teilnehmenden ist trotz freiem Zugang tendenziell leicht zurückgegangen.
- Viele Teilnehmende wechseln vom Joint mit Tabak zu risikoärmeren Formen wie Vape oder Mundspray.
- Mehrere Frauen berichten von weniger sexuellen Übergriffen durch Dealer seit dem legalen Bezug.
- Die Zwischenergebnisse fließen in die Beratung eines nationalen Cannabis-Gesetzes im Parlament ein.
Wer in der Schweiz Cannabis Apotheke sucht, landet inzwischen nicht mehr zwangsläufig beim Dealer, sondern in einer von mehreren Pilotstädten direkt am Apothekentresen. In Bern, Biel und Luzern läuft seit 2024 ein wissenschaftlich begleitetes Projekt, das die kontrollierte Abgabe von Cannabis-Produkten testet.
Die Zwischenergebnisse, die Anfang September 2026 vorgestellt wurden, liefern einige überraschende Erkenntnisse: Der befürchtete Anstieg des Konsums bleibt aus, gleichzeitig verändert sich die Art, wie konsumiert wird. Die 5 wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Der Konsum steigt trotz freiem Zugang nicht, sondern geht leicht zurück.
- Viele Teilnehmende wechseln vom Joint mit Tabak zu risikoärmeren Formen wie Vape oder Mundspray.
- Nicht THC, sondern der Tabak im Joint gilt als Hauptrisiko für die Gesundheit.
- Frauen berichten von weniger sexuellen Übergriffen durch Dealer seit dem legalen Bezug.
- Höhere Apothekenpreise wirken bei jungen Erwachsenen offenbar wie ein Jugendschutz.
Was hinter jedem dieser Punkte steckt und warum das auch für die geplante Cannabis-Gesetzgebung wichtig ist, erklärt dieser Beitrag.
Wie funktioniert die Cannabis Apotheke in den Pilotstädten?
Teilnehmende der Studie können in ausgewählten Apotheken in Bern, Biel und Luzern Cannabis-Produkte kaufen, die eigens dafür hergestellt wurden: Blüten, Harze sowie Flüssigkeiten für E-Zigaretten. Beim Kauf werden sie von geschultem Fachpersonal beraten, unter anderem darüber, welche Konsumform mehr oder weniger Schaden anrichtet. (1)
Der Preis liegt bewusst über dem Schwarzmarktniveau, da eine Abgabe unter anderem die Fachberatung mitfinanziert. Ältere Teilnehmende akzeptieren die höheren Preise eher, während 18- bis 25-Jährige deutlich preissensibler reagieren. Für die Studienleitung ist das ein Hinweis darauf, dass höhere Preise auch dem Jugendschutz dienen können. (1) Erfahre mehr über die Pilotstudie in der Schweiz.
Sinkt der Konsum durch legale Abgabe wirklich?
Ja. Obwohl der Zugang zu Cannabis für die Teilnehmenden praktisch uneingeschränkt war, ist ihr Konsum in der Tendenz leicht zurückgegangen, statt zu steigen. „Das entkräftet eine der zentralen Sorgen in der politischen Debatte“, sagt Studienleiter Reto Auer vom Institut für Hausarztmedizin der Universität Bern. (2)
Rund 70 Prozent der Teilnehmenden gaben zudem an, die Informationen aus der Beratung an ihr Umfeld weiterzugeben. Als besonders wertvoll empfinden viele die gleichbleibende Produktqualität. Das unterscheidet sich deutlich vom Schwarzmarkt, wo Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt kaum kontrollierbar sind. (2)
Warum ist Tabak beim Kiffen das größere Gesundheitsrisiko?
Etwas fällt besonders auf: Mehrere Teilnehmende sind von Joints, die klassischerweise mit Tabak gemischt werden, auf Verdampfer oder Mundspray umgestiegen. „Alles ist besser als Verbrennen“, erklärt Reto Auer dazu. Ein Grossteil der gesundheitlichen Risiken beim Kiffen gehe demnach gar nicht vom berauschenden THC aus, sondern vom Tabak, der für das Rauchen des Joints benötigt wird. (1)
Der Gesundheitsaspekt ist deshalb einer der Schwerpunkte der Pilotprojekte in Bern, Biel und Luzern. Eine Risikominimierung sei laut Auer aber nur möglich, wenn der Markt gleichzeitig strenger reguliert wird. Bleibt der Konsum dem Schwarzmarkt überlassen, lässt sich die Art des Konsums kaum steuern. (1)
Was bedeutet das Pilotprojekt für Frauen?
Ein Punkt kommt in der Debatte oft zu kurz: die Sicherheit von Konsumentinnen. Rebecca Tomaschek, die die Studie in Luzern leitet, sagt: „Wir haben mehrere Berichte erhalten, dass Frauen bei Dealern oft sexuelle Avancen erdulden müssen.“ Beim legalen, geregelten Bezug in der Apotheke fällt dieses Risiko weg.
Wie geht es mit der Cannabis-Gesetzgebung in der Schweiz weiter?
Die Gesundheitskommission des Nationalrats hat bereits eine Vorlage für eine staatlich kontrollierte Cannabisabgabe ausgearbeitet. Sie wird derzeit überarbeitet, bevor sie im kommenden Jahr im Parlament beraten wird. In der Vernehmlassung gab es allerdings deutlichen Gegenwind: Mehreren Kantonen und Verbänden geht der Vorschlag zu weit oder er komme zu früh. Die Verantwortlichen in Bern, Biel und Luzern befürworten die vorgeschlagene Entkriminalisierung dagegen ausdrücklich.
Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschliesslich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Anwendung von Cannabis sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.
Fazit
Das Pilotprojekt liefert bislang genau die Daten, auf die Befürworter einer regulierten Cannabisabgabe gehofft hatten: kein Anstieg, sondern ein leichter Rückgang des Konsums, ein Wechsel zu risikoärmeren Konsumformen und ein sichererer Zugang, gerade für Frauen. Offen bleibt, wie das nationale Parlament die Ergebnisse gewichtet und ob sich einzelne Kantone dem Modell aus Bern, Biel und Luzern anschließen. Bis das eidgenössische Gesetz steht, bleibt der Bezug in der Cannabis Apotheke Schweiz auf die drei Pilotstädte und ihre Teilnehmenden beschränkt.
FAQ zu Cannabis Apotheke Schweiz
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Nein, ausserhalb der wissenschaftlichen Pilotprojekte ist der Konsum von Cannabis mit berauschender Wirkung in der Schweiz weiterhin nicht generell legal. Die Pilotprojekte laufen unter einer befristeten gesetzlichen Ausnahmeregelung.
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Teilnehmen können volljährige Personen, die bereits vor Studienbeginn Cannabis konsumiert haben und in einer der teilnehmenden Städte wohnhaft sind. Die genauen Kriterien legt die jeweilige Studienleitung fest.
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Nein, im Gegenteil: Der Preis in der Apotheke liegt über dem Schwarzmarktpreis, da damit auch die fachliche Beratung finanziert wird.
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Die Produkte werden eigens für die Studie hergestellt und unterliegen einer gleichbleibenden, kontrollierten Qualität, im Gegensatz zu Produkten vom Schwarzmarkt.
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Das ist offen. Die Zwischenergebnisse der Pilotprojekte fliessen in die Beratung eines nationalen Gesetzes ein, das derzeit überarbeitet wird und frühestens im kommenden Jahr im Parlament diskutiert wird.
Quellen und Studien ansehen
- (1) Luzerner Zeitung: „Gras statt vom Dealer aus der Apotheke – mit überraschenden Folgen", 07.09.2026
- (2) SRF: „Cannabis-Studie – Erste Ergebnisse: Legale Hanf-Abgabe lässt Konsum nicht steigen", 07.09.2026
- (3) Institut für Hausarztmedizin, Universität Bern (Studienleitung: Prof. Reto Auer). Ergänzend empfohlen: offizielle Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu den Pilotversuchen nach Art. 8a BetmG, sobald verlinkbar.
