Als Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert wurde, waren die Ziele eindeutig: Endlich weg vom Schwarzmarkt, endlich mehr Jugendschutz und vor allem: mehr Aufklärung und Suchtprävention. Politik und Gesellschaft versprachen sich von diesem Schritt einen modernen und vernünftigen Umgang mit Konsum. Einen Konsum, der Risiken benennt, Verantwortung übernimmt und die Jugend ausreichend aufklärt und begleitet. Doch die Realität sieht ernüchternd aus, zumindest laut Fachexperten aus Niedersachsen.
Während Konsumenten inzwischen nicht mehr kriminalisiert werden, zumindest in der Theorie, stagniert der Ausbau und die Umsetzung der Suchtprävention. Beratungsstellen klagen über fehlende Mittel, Schulen bleiben auf sich gestellt und junge Menschen finden Informationen oft eher im Internet. Fachleute ziehen ein zwiespältiges Fazit: Die Idee war richtig, die Umsetzung aber halbherzig. Wenn das ursprüngliche Ziel ernst gemeint war, muss sich dringend etwas ändern.
Suchtprävention als Schlüsselaufgabe
Die Idee war überzeugend: Mit klaren Regeln und besserer Aufklärung sollte Cannabis aus der Illegalität geholt und junge Menschen vor Risiken geschützt und umfangreich aufgeklärt werden. Doch Fachkräfte berichten, dass sie bis heute kaum zusätzliche Unterstützung erhalten. Schulen, die eigentlich zentrale Orte für Aufklärung sein müssten, stehen häufig alleine da. Auch aus der Sorge heraus, durch Präventionsangebote in ein falsches Licht zu geraten.
Einige Projekte und Onlineplattformen existieren zwar, doch sie ersetzen keine nachhaltige Präventionsarbeit. Was fehlt, sind verlässliche Programme, die Jugendliche über längere Zeit begleiten und ihnen helfen, gesunde Entscheidungen zu treffen.
Stimmen aus der Praxis
Suchtberater:innen und Fachstellen sprechen Klartext: Ihnen fehlt nicht nur Geld, sondern vor allem politischer Rückhalt. Während offizielle Stellen betonen, die Strukturen seien ausreichend, erleben Mitarbeitende vor Ort das Gegenteil. Prävention braucht Kontinuität und die Nähe zur Zielgruppe. Denn schnelle Infostände oder Einmal-Aktionen zeigen kaum Wirkung. Nur wenn Kinder und Jugendliche langfristig begleitet werden, lassen sich echte Veränderungen erreichen.
Cannabisgesetz unter Druck
Auch das Gesetz selbst sorgt für Kritik. Anbauvereinigungen können nur einen Bruchteil der Nachfrage decken. Ein Beispiel: Selbst wenn alle Anbauvereinigungen in Niedersachsen ihre maximale Mitgliederzahl von 500 ausschöpfen würden, ließe sich damit nur ein Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs decken, nämlich nur rund sechs Prozent der Menschen. Das ist ein klarer Rückschritt für den Jugendschutz. Somit weichen viele junge Erwachsene weiterhin auf den Schwarzmarkt oder andere illegale Angebote aus. Doch gerade dort sind weder Altersgrenzen noch Qualitätskontrollen vorhanden.
Fachleute fordern deshalb Nachbesserungen: legale Abgabestellen, weniger Bürokratie für aktuelle legale Abgabestellen, konsequentere Alterskontrollen und bessere Begleitmaßnahmen. Andernfalls bleibt die Legalisierung ein halbes Versprechen.
Blick auf die Evaluierung
Die im Gesetz vorgesehene Evaluierung wird für viele Stellen eine spannende Angelegenheit. Schon jetzt ist klar, dass Änderungen unvermeidlich sind. Nicht nur bei der Regulierung des Marktes, sondern vor allem beim Ausbau der Prävention. Beratungsstellen und Schulen brauchen Planungssicherheit, Ressourcen, Unterstützung und politische Rückendeckung. Nur so können sie junge Menschen dort erreichen, wo Risiken entstehen: im Alltag, in der Schule, im digitalen Raum.
Doch in der Realität, setzen Politiker:innen der Bundesregierung gefühlt nicht auf Jugendschutz, sondern auf die Reformierung der Telemedizin und der Vermarktung der Blüten zum medizinischen Nutzen: Änderung Cannabisgesetz: Drogenbeauftragter sieht Reformbedarf.
Fazit: Verantwortung übernehmen
Die Legalisierung sollte ein Fortschritt sein, doch bislang überwiegen die Versäumnisse. Solange Präventionsarbeit von engagierten Einzelpersonen abhängt, anstatt systematisch ausgebaut und gefördert zu werden, bleibt der Jugendschutz auf der Strecke.
Wenn die Politik die ursprünglichen Ziele wirklich ernst nimmt, muss sie jetzt handeln: mehr Mittel und Unterstützung für Präventionsprogramme und ein Gesetz, das die Realität berücksichtig und den Bedarf in Einklang bringt. Nur dann kann Suchtprävention ihren eigentlichen Zweck erfüllen – junge Menschen aufklären und stärken, bevor Probleme entstehen.

Stimmen aus der Praxis