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Der 1. EKOCAN Bericht ist veröffentlicht.
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Der EKOCAN Bericht: 1. Zwischenfazit zur Teillegalisierung

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

Mit dem Konsumcannabisgesetz (CanG), das am 01.04.2024 in Kraft trat, wurden der Besitz, der private Anbau und auch der gemeinschaftliche Anbau in Vereinen unter bestimmten Regeln erlaubt. Das Ziel: den Schwarzmarkt zurückdrängen, Jugendschutz stärken und den Konsum besser kontrollieren. Damit die Auswirkungen der Teillegalisierung belegt werden können, wurde das Forschungsprojekt EKOCAN ins Leben gerufen. Es begleitet die Umsetzung und evaluiert, welche Folgen die neuen Regeln wirklich haben. Der EKOCAN Bericht liefert nun den ersten Zwischenbericht und zeigt, wie sich der Markt und der Konsum in den ersten eineinhalb Jahren entwickelt haben.

Kurz und knapp:

  • Die Daten stammen aus Umfragen, Routinedaten und eigenen Erhebungen
  • Die Veränderungen sind bisher überschaubar
  • Schwarzmarkt, Jugendschutz und Gesundheit bleiben wichtige Baustellen
  • Anbauvereinigungen haben bisher kaum Gewicht

Die Entwicklung des Cannabismarktes

medizinisches Cannabis wird zerkleinert.
smoke honest auf unsplash

Für 2024 wurde der Gesamtbedarf an Cannabis auf 670 bis 823 Tonnen geschätzt. Die Erwartung war, dass ein großer Teil davon über legale Wege wie Medizinalcannabis oder Anbauvereinigungen gedeckt wird und es eine klare Trennung zwischen Konsum- und medinischem Cannabis gibt. Doch das ist in der Realität kaum umsetzbar.

Es zeigt sich:

  • Über Medizinalcannabis wurden 12 bis 14 Prozent des Bedarfs gedeckt.
  • Anbauvereinigungen trugen mit weniger als 0,1 Prozent kaum etwas bei – selbst im April 2025 waren nur rund 2 Prozent der Erwachsenen Mitglied in einem Club.
  • Social Supply, also das Teilen im Freundeskreis, ist weiterhin weit verbreitet.

Damit wird klar: Der Schwarzmarkt hat etwas an Boden verloren, weil es nun legale Alternativen gibt. Aber von einer echten Verdrängung kann noch keine Rede sein. Aktuell spielt er leider nach wie vor eine wichtige Rolle.

Was zeigt der EKOCAN Bericht über den Kinder- und Jugendschutz?

Der Zwischenbericht macht deutlich, dass sich beim Thema Jugendliche bisher keine großen Veränderungen zeigen. Einige Zahlen sind sogar leicht rückläufig:

  • Jugendämter verzeichnen weniger Meldungen im Zusammenhang mit Cannabis
  • Auch Suchtberatungsstellen werden seltener von Jugendlichen aufgesucht
  • Fälle von Cannabisvergiftungen bleiben äußerst selten

Allerdings läuft dieser Trend schon seit 2019, also lange vor Inkrafttreten des CanG. Deshalb ist schwer zu sagen, wie viel davon tatsächlich auf die Teillegalisierung zurückgeht. Sicher ist nur: Ein Grund zur Panik besteht nicht.

Gesundheit im Blick: Was EKOCAN bisher zeigt

Beim Konsum Erwachsener zeichnet sich bislang kein großer Bruch durch das neue Gesetz ab. Der Anteil derjenigen, die Cannabis nutzen, steigt wie schon in den Jahren zuvor langsam weiter an.

  • Messungen im Abwasser von elf Städten bestätigen: Einen plötzlichen Konsumanstieg gab es seit der Legalisierung nicht. Zwar gibt es erste Hinweise auf mehr akute Probleme nach dem Inkrafttreten des CanG, doch klare Trends lassen sich daraus noch nicht ableiten. Chronische Folgen können aktuell ebenfalls nicht zuverlässig bewertet werden.
  • Ähnlich sieht es im Straßenverkehr aus. Die Zahlen bleiben stabil, weder beim selbstberichteten Fahren unter Einfluss noch bei den Unfallstatistiken zeigen sich bisher deutliche Veränderungen.

Kriminalität: Entlastung für Polizei und Justiz

Das CanG gilt als die größte Entkriminalisierung in der Geschichte der Bundesrepublik, und das macht sich deutlich bemerkbar. Seit April 2024 werden viele der früheren „konsumnahen Delikte“ nicht mehr verfolgt.

  • Die Folge: Die Zahl cannabisbezogener Verfahren im sogenannten Hellfeld ist um 60 bis 80 Prozent zurückgegangen. Neue Ordnungswidrigkeiten wie der Konsum in Gegenwart von Minderjährigen spielen in der Praxis bislang kaum eine Rolle.
  • Damit hat sich die Struktur der erfassten Cannabisdelikte verändert. Während einfache Konsumdelikte stark zurückgegangen sind, machen schwerere Handelsdelikte nun einen größeren Anteil aus. Ob sich deren Zahl langfristig verändert, ist aber noch unklar – dafür fehlen bislang verlässliche Daten.

Konsumverbote: Theorie und Praxis

einen legalen Joint kann man derzeit noch nicht bauen, außer, man ist patient.Das Konsumverbot in der Nähe von Schulen, Kitas oder Spielplätzen klingt auf dem Papier streng, doch im Alltag ist es kaum sichtbar. Die meisten Menschen konsumieren ohnehin lieber privat, und wer dagegen verstößt, muss selten mit Konsequenzen rechnen.

Etwa die Hälfte der befragten Polizist:innen spricht sich für zusätzliche Verbotszonen aus, gleichzeitig berichten viele Behörden von Schwierigkeiten bei der Umsetzung der bestehenden Regeln. Eine Vereinfachung oder bessere Abstimmung der Vorschriften könnte hier hilfreich sein. Ein dringender Handlungsbedarf ist im Moment aber nicht zu erkennen.

Besitz- und Weitergabemengen

Auf den ersten Blick wirken die erlaubten Mengen großzügig, in der Realität passen sie nicht immer zur Lebenspraxis vieler Konsumierender.

  • Mit bis zu 25 Gramm darf man im öffentlichen Raum unterwegs sein, was für die meisten ausreichend ist. Viele Polizist:innen empfinden diese Grenze jedoch als zu hoch und hinderlich bei Ermittlungen.
  • Zu Hause sind bis zu 50 Gramm erlaubt – eine Menge, die im Vergleich zur möglichen Ernte von drei Pflanzen eher knapp bemessen ist. Da Verstöße bislang nur selten verfolgt werden, bleibt dieser Punkt vorerst ohne größere Bedeutung.
  • Über die Weitergabemengen in Anbauvereinigungen fehlen noch zuverlässige Daten. Klar ist aber: Für viele Konsumierende sind diese Clubs bisher ohnehin kaum relevant.

Was bedeutet das für dich?

Der erste EKOCAN Zwischenbericht zeigt, dass die Teillegalisierung in Deutschland bisher keine großen Umwälzungen gebracht hat. Viele Entwicklungen bleiben stabil, manche Zahlen bewegen sich leicht nach unten oder oben. Für dich heißt das:

  • Der Schwarzmarkt ist zwar kleiner geworden, spielt aber weiterhin eine Rolle.
  • Jugendliche konsumieren nicht mehr als zuvor, im Gegenteil: Der Abwärtstrend hält an.
  • Gesundheitliche Risiken steigen nicht sprunghaft, bleiben aber ein Thema.
  • Polizei und Justiz sind deutlich entlastet, auch wenn neue Regeln für Unsicherheit sorgen.
  • Die erlaubten Mengen sind großzügig gedacht, passen aber nicht immer zur Realität.

Unterm Strich wird klar: Wir stehen noch ganz am Anfang. EKOCAN sammelt bis 2028 weiter Daten und erst dann wird sich zeigen, ob das CanG seine Ziele erreicht. ABER, die Legalisierung ist ja nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren sind weitere Maßnahmen geplant, zum Beispiel Modellregionen in Deutschland und Modellprojekte mit Fachgeschäften. Sie werden entscheidend dafür sein, ob Deutschland den Schwarzmarkt wirklich zurückdrängen und einen funktionierenden legalen Markt aufbauen kann.

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