Weiter zum Inhalt
Cannabib
Deine Plattform für Wissen rund um Cannabis! Seriös. Informativ. Ganzhightlich.

cannabib.de - Deine Plattform für Wissen rund um Cannabis!

Deine Plattform rund um Cannabis!

Ein Joint wird übergeben. Hat sich der Cannabiskonsum von Jugendlichen nach Legalisierung verändert?
Cannabib Schlagzeilen

Cannabiskonsum von Jugendlichen nach Legalisierung: Was die Zahlen wirklich zeigen

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

Der Cannabiskonsum von Jugendlichen nach Legalisierung war das meistdiskutierte Thema, bevor das Konsumcannabisgesetz (KCanG) im März 2024 in Kraft trat. Auch heute wird das Argument, eine Legalisierung würde den Konsum von Cannabis verherrlichen oft verwendet, und das obwohl es bislang keine belastbaren Daten dafür gab. Doch, wie ist der aktuelle Stand? Hat die Cannabislegalisierung den Konsum von Jugendlichen erhöht? Gegner der Reform warnten (und warnen) vor einem sofortigen Anstieg, Befürworter halten dagegen. Seit dem 1. Juli 2026 gibt es erstmals eine wissenschaftlich belastbare Antwort auf diese Frage, die wir hiermit einordnen.

Cannabiskonsum Studie Deutschland: Was untersucht wurde

Eine junge Frau konsumiert Cannabis Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) hat im Journal of Health Monitoring eine Analyse veröffentlicht, die den Cannabiskonsum von Jugendlichen vor und nach der Cannabislegalisierung in Deutschland von 2008 bis 2025 aufzeigt. Grundlage sind zwölf repräsentative Studien, darunter die Drogenaffinitätsstudien der Jahre 2008 bis 2025 sowie ergänzende Alkoholsurveys. Für die aktuellste Erhebung aus dem Jahr 2025 wurden zwischen April und Juli 2025 insgesamt 7.001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren per Telefon befragt. Insgesamt flossen gültige Daten von über 73.000 Befragten in die Trendanalyse ein. Das ist eine außergewöhnlich breite Datenbasis für eine solche Fragestellung.

Gemessen wurde die sogenannte 12-Monats-Prävalenz: der Anteil der Befragten, der in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert hatte.

Die Zahlen zum Cannabiskonsum von Jugendlichen nach Legalisierung

Die folgenden Werte zeigen, wie hoch der Anteil der Befragten war, der in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert hat. Die Werte stammen aus dem Jahr 2023, also ein Jahr vor der Legalisierung und 2025, also ein Jahr danach.

12- bis 17-jährige Jugendliche:

Mädchen: vor der Legalisierung 6,1 %, danach 4,6 %
Jungen: vor der Legalisierung 7,4 %, danach 7,2 %

18- bis 25-jährige junge Erwachsene:

Junge Frauen: vor der Legalisierung 19,4 %, danach 18,8 %
Junge Männer: vor der Legalisierung 26,9 %, danach 31,6 %

Bei Mädchen, Jungen und jungen Frauen sind die Werte nach der Legalisierung leicht gesunken oder nahezu gleich geblieben. Diese Veränderungen sind jedoch statistisch nicht signifikant, also zu gering, um daraus sichere Schlussfolgerungen zu ziehen. Einzig bei jungen Männern zwischen 18 und 25 Jahren zeigt sich ein statistisch signifikanter Anstieg, also ein Unterschied, der mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Zufallsergebnis ist. (1)

Was hinter dem Anstieg bei jungen Männern steckt

Dieser Anstieg klingt zunächst alarmierend, muss aber in den richtigen Kontext gesetzt werden. Die Cannabiskonsum Studie Deutschland zeigt, dass der Konsum junger Männer nicht erst seit der Teillegalisierung steigt, sondern seit 2008 kontinuierlich zunimmt. Von 14,8 Prozent im Jahr 2008 auf 31,6 Prozent im Jahr 2025 ist der Wert über 17 Jahre hinweg nahezu stetig gestiegen. Die Teillegalisierung hat diesen Trend nicht ausgelöst, sie hat ihn lediglich nicht gestoppt.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Ein durch die Gesetzesänderung verursachter Sprung sähe anders aus: ein plötzlicher Anstieg nach 2024, ohne Vorläufer. Doch, den gibt es mit den aktuellen Daten nicht.

Warum das noch kein abschließendes Urteil ist

Die Autoren der Studie betonen ausdrücklich, dass ein Jahr nach der Teillegalisierung noch keine robusten Schlussfolgerungen möglich sind. Das gehört zur wissenschaftlichen Sorgfalt, und signalisiert keine Schwäche der Untersuchung.

Studien aus Kanada und den USA, wo Cannabis bereits seit mehreren Jahren legal ist, zeigten Anstiege im Erwachsenenkonsum oft erst mit größerem zeitlichem Abstand zur Legalisierung. In Deutschland befinden sich die Cannabis Social Clubs noch im Aufbau, der Eigenanbau wächst erst langsam. Die gesellschaftliche Normalisierung des Konsums braucht Zeit, und genau das könnte sich in künftigen Erhebungen noch zeigen.

Außerdem basiert die Studie auf Selbstauskünften per Telefon. Menschen neigen dazu, in solchen Befragungen sozial erwünscht zu antworten, also Konsum eher zu untertreiben. Die tatsächlichen Zahlen dürften also etwas höher liegen als die erhobenen Werte.

Jugendliche und Alkohol. Auch hier ist ein Wandel erkennbar

Junge Frauen trinken ein BierDer leichte Rückgang beim Cannabiskonsum bei Jugendlichen fügt sich in ein größeres Bild ein. Laut der Drogenaffinitätsstudie 2025 des BIÖG geht auch der Alkoholkonsum bei 12- bis 17-Jährigen weiter zurück. Das BIÖG sieht dafür mehrere Gründe: veränderte Freizeitgewohnheiten, ein stärkerer Fokus auf Fitness und Gesundheit sowie mehr digitale Treffen statt Partys. (2)

Das ist ein bemerkenswerter Wandel, wenn man bedenkt, wie anders die Situation noch vor 20 bis 25 Jahren war. In den frühen 2000er-Jahren dominierten Alkopops, Komasaufen und öffentliche Trinkreihen das Bild vom deutschen Jugendleben. Kampagnen wie „Kenn dein Limit“ wurden als Reaktion auf eine Generation eingeführt, die Alkohol als festen Bestandteil sozialer Identität verstand.

Was hat sich verändert?

Mehrere Faktoren dürften zusammenspielen.

  • Erstens hat eine jahrelange, konsequente Präventionsarbeit Wirkung gezeigt. Aufklärungskampagnen, verpflichtende Suchtpräventionsstunden in Schulen und niedrigschwellige Beratungsangebote haben das Bewusstsein für Gesundheitsrisiken geschärft.
  • Zweitens hat das Internet den Zugang zu Wissen radikal verändert. Jugendliche heute wissen mehr über die Wirkung von Substanzen auf ihren Körper als jede Generation vor ihnen, und sie sind es gewohnt, sich diese Informationen selbst zu suchen.
  • Drittens hat sich das soziale Umfeld verschoben: Social Media, Gaming und digitale Gemeinschaften bieten Zugehörigkeit und Identität, ohne dass Substanzkonsum dabei eine Rolle spielen muss.

Allerdings wäre es zu einfach, das als reinen Fortschritt zu lesen. Denn während Alkohol und Cannabis bei Jugendlichen zurückgehen, steigt der Nikotinkonsum durch Vapes und Nikotinbeutel stark an. Laut der Drogenaffinitätsstudie 2025 rauchte oder vapte 2025 fast jeder zehnte 12- bis 17-Jährige, ein Anstieg von 6,1 Prozent im Jahr 2021 auf 9,6 Prozent.
zeit.de Jugendliche konsumieren nicht einfach weniger, der Konsum verschiebt sich in Richtung neuer, oft weniger regulierter Produkte.

Das zeigt: Prävention wirkt, aber sie muss immer wieder neu auf aktuelle Konsummuster reagieren. Der Rückgang bei Alkohol und Cannabis ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis von Arbeit, die kontinuierlich fortgesetzt werden muss.

Was die Studie für die politische Debatte bedeutet

Die Befürchtung, dass der Cannabiskonsum von Jugendlichen nach Legalisierung sofort stark ansteigen würde, lässt sich nach einem Jahr nicht bestätigen. Das ist ein relevantes Ergebnis, auch wenn es kein endgültiges ist. Die Studie liefert aber auch keinen Freifahrtschein für Entwarnung. Der langfristige Anstieg bei jungen Männern ist real und sollte ernst genommen werden, unabhängig davon, ob er auf die Legalisierung zurückgeht oder nicht. Prävention, Aufklärung und niedrigschwellige Beratungsangebote bleiben notwendig, egal wie die Rechtslage aussieht.

Was diese Cannabiskonsum Studie Deutschland vor allem zeigt: Drogenpolitik lässt sich nicht an einem einzigen Datenpunkt messen. Wer endgültige Antworten erwartet, muss noch etwas Geduld zeigen. Doch Fakt ist, dass die (Teil)Legalisierung, stand jetzt, keine nennenswerten, negativen Zahlen schreibt.

Häufig gestellte Fragen zu Cannabiskonsum von Jugendlichen nach Legalisierung

  • Nach dem ersten Jahr gibt es dafür keinen Beleg. Bei 12- bis 17-Jährigen sind die Konsumwerte 2025 im Vergleich zu 2023 sogar leicht gesunken, allerdings nicht statistisch signifikant. Ein eindeutiger Effekt der Teillegalisierung auf den Jugendkonsum von Jugendlichen nach Legalisierung lässt sich bisher nicht nachweisen.

     

  • Laut der Drogenaffinitätsstudie 2025 haben 4,6 Prozent der Mädchen und 7,2 Prozent der Jungen zwischen 12 und 17 Jahren in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis konsumiert. Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren liegen die Werte mit 18,8 Prozent bei Frauen und 31,6 Prozent bei Männern deutlich höher.

  • Der Anstieg bei 18- bis 25-jährigen Männern auf 31,6 Prozent ist statistisch signifikant, setzt aber einen Trend fort, der bereits seit 2008 beobachtet wird. Er ist also keine neue Entwicklung, die durch die Teillegalisierung ausgelöst wurde.

  • Ja. Für die Studie wurden 7.001 Jugendliche und junge Erwachsene per Telefon befragt. Die Stichprobe wurde nach Geschlecht, Alter, Bildung und Region gewichtet. Insgesamt flossen Daten von über 73.000 Befragten aus zwölf Erhebungen seit 2008 in die Trendanalyse ein.

Unterstütze unsere Arbeit und teile diesen Beitrag

Quellen und Studien ansehen

(1) rki.de (2) zeit.de

Weitere News

Täglich brandaktuelle News, rund um dein Lieblingsthema.

Glossar