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Eine Londoner Telefonzelle in der Stadt. Wird es bald eine Cannabis Entkriminalisierung in England geben?
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Bericht fordert Cannabis Entkriminalisierung in England

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

Ein aktueller Bericht bringt neuen Schwung in die Debatte um die Cannabis Entkriminalisierung in England. Die London Drugs Commission, eingesetzt vom Bürgermeister Sadiq Khan, spricht sich klar für eine Reform des bisherigen Strafrechts aus. Doch der Widerstand aus der nationalen Politik bleibt deutlich.

Hintergrund: Die London Drugs Commission und der Bericht „Das Cannabis-Rätsel“

Die London Drugs Commission, eine unabhängige Expertengruppe unter der Leitung des ehemaligen Labour-Justizministers Lord Charlie Falconer, veröffentlichte Ende Mai 2025 einen umfassenden Bericht mit dem Titel „Das Cannabis-Rätsel“. Die Kommission wurde 2022 von Londons Bürgermeister Sadiq Khan initiiert. Sie setzt sich aus Fachleuten der öffentlichen Gesundheit, Strafjustiz und Menschenrechtsarbeit zusammen.

Zentrales Anliegen des Berichts ist die Empfehlung, den Besitz kleiner Mengen Cannabis für den Eigenbedarf zu entkriminalisieren. Das bisherige Strafrecht sei laut der Kommission „nicht geeignet“, um die gesellschaftlichen Herausforderungen des Cannabiskonsums effektiv zu regulieren. Die Kriminalisierung verursache unverhältnismäßig hohe Kosten, verschärfe soziale Ungleichheit und belaste das Justizsystem.

Cannabis Entkriminalisierung in England: Ziele und Empfehlungen

Unter dem Hauptaugenmerk der öffentlichen Gesundheit und sozialen Gerechtigkeit schlägt die Kommission insgesamt 42 Reformmaßnahmen vor. Im Zentrum steht die Forderung nach einem Ende der Strafverfolgung beim Besitz geringer Mengen Cannabis.

Darüber hinaus wird empfohlen:

  • Polizeikontrollen auf Basis von Cannabisgeruch zu verbieten, da sie als diskriminierend gelten.
  • Verpflichtende Schulungen für Polizeikräfte zum Umgang mit Cannabis einzuführen.
  • Die bestehenden „Stop-and-Search“-Praktiken kritisch zu hinterfragen, insbesondere im Hinblick auf deren Auswirkungen auf ethnische Minderheiten.
  • Der Bericht hebt hervor, dass insbesondere junge Menschen aus marginalisierten Gruppen von der aktuellen Gesetzeslage überproportional betroffen seien. Die Strafverfolgung führe nicht selten zu langfristigen Nachteilen im Bildungs- und Berufsleben.

Widerstand aus der Regierung und Labour-Führung

Trotz der fundierten Analyse und breiten Unterstützung aus Fachkreisen bleibt die politische Reaktion auf nationaler Ebene zurückhaltend bis ablehnend. Vize-Premierministerin Angela Rayner, ebenfalls von der Labour-Partei, erklärte, die Empfehlungen der Kommission spiegelten nicht die Haltung der Regierung wider. Eine Gesetzesänderung sei derzeit nicht geplant.

Dies bedeutet, dass eine tatsächliche Cannabis Entkriminalisierung in England vorerst nicht in Sicht ist – trotz wachsender gesellschaftlicher Diskussion und internationaler Beispiele für alternative Modelle.

Bürgermeister Sadiq Khan bezieht Position

Sadiq Khan hatte bereits 2022 bei einem Besuch in Kalifornien angekündigt, den Umgang mit Drogen in London neu bewerten zu lassen. Der nun veröffentlichte Bericht ist das Ergebnis dieser Initiative. Khan betont, dass der Fokus künftig stärker auf Prävention und gesundheitspolitischen Maßnahmen liegen müsse – auch wenn die gesetzgeberische Kompetenz in dieser Frage bei der Zentralregierung in Westminster liegt.

„Der Bericht der London Drugs Commission liefert eine überzeugende, evidenzbasierte Argumentation für die Entkriminalisierung des Besitzes kleiner Mengen natürlichen Cannabis, die die Regierung in Betracht ziehen sollte.“ so Khan.

Kosten und Belastung des Justizsystems

Der Bericht verweist auch auf die erheblichen finanziellen Belastungen des aktuellen Systems. Allein im Jahr 2024 wurden in England und Wales rund 1.500 Menschen mit Geldstrafen wegen Cannabisbesitzes belegt. Insgesamt befanden sich zum Jahresende über 1.000 Häftlinge, deren Hauptdelikt Cannabis war, in staatlicher Haft – bei jährlichen Inhaftierungskosten von über 65 Millionen Euro.

Die Autoren kritisieren, dass diese Mittel ineffizient eingesetzt seien, da sie weder den Konsum nachhaltig senkten noch gesellschaftliche Schäden verhinderten.

Fazit: Symbolischer Fortschritt – praktische Stagnation

Die Veröffentlichung des Berichts der London Drugs Commission stellt einen bedeutenden symbolischen Schritt in der britischen Drogenpolitik dar. Die Forderung nach einer Cannabis Entkriminalisierung in England ist nun nicht mehr nur eine zivilgesellschaftliche oder akademische Position, sondern wird erstmals von einem offiziellen Gremium in enger Verbindung zur Stadtregierung Londons erhoben.

Doch trotz der klaren Empfehlungen und der Unterstützung durch Sadiq Khan bleibt der politische Handlungsspielraum auf nationaler Ebene begrenzt. Die britische Regierung – und selbst Teile der Labour-Führung – halten weiter an einer prohibitionistischen Linie fest.

Wie es weitergeht, dürfte auch von der gesellschaftlichen Debatte und dem internationalen Trend abhängen: Länder wie Deutschland, Portugals Drogenpolitik, die Niederlande oder Kanada setzen bereits auf differenzierte Legalisierungs- und Entkriminalisierungsmodelle – und könnten mittel- bis langfristig Druck auf Großbritannien ausüben, die eigene Politik neu zu bewerten.

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