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Anbauvereine in Deutschland benötigen weniger strenge regeln. Eine behandschuhte Hand hebt einen Cannabis Steckling
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Anbauvereine in Deutschland: 323 genehmigte Clubs und weitere News

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

Auf der ICBC-Webseite erschien vor Kurzem ein spannender Bericht über den aktuellen Stand der Anbauvereine in Deutschland. Darin ging es um neue Zahlen, aber auch um politische Baustellen. Wir fassen das Wichtigste für die Community zusammen, zeigen, wo es hakt – vor allem in Bayern – und erklären, welche Änderungen aus Sicht der Branche dringend nötig sind, damit diese Clubs ihr Potenzial entfalten können. Dabei greifen wir auch die klaren Forderungen des Bundesverbands der Cannabiswirtschaft (BvCW) auf, der in einem aktuellen Positionspapier konkrete Verbesserungen für Anbauvereine vorschlägt und diese detailliert begründet.

Was  sind Anbauvereine und welche Regeln gelten?

Anbauvereine, oft „Cannabis Clubs“ genannt, sind nicht-kommerzielle Gemeinschaften, in denen bis zu 500 Erwachsene gemeinschaftlich Cannabis anbauen und an ihre Mitglieder abgeben dürfen.

Mitglied werden kann, wer

  • einen Wohnsitz in Deutschland hat
  • mindestens 18 Jahre alt ist
  • sich für mindestens drei Monate an den Verein bindet
  • Die Clubs dürfen pro Mitglied maximal 25 g pro Tag bzw. 50 g pro Monat abgeben (für 18–20-Jährige gelten strengere Limits).

Wer selbst einen Anbauverein eröffnen will, muss deutlich mehr erfüllen:

  • ein Präventions- und Jugendschutzkonzept vorlegen, inklusive einer Person mit dem Amt des Präventionsbeauftragen ernennen,
  • gesicherte Anbau- und Abgaberäume nachweisen,
  • ein detailliertes Sicherheits- und Hygieneprotokoll einreichen,
  • alle behördlichen Genehmigungen und Dokumentationspflichten erfüllen

Diese Anforderungen sollen Qualität und Jugendschutz gewährleisten, führen aber in der Praxis oft zu langen Genehmigungsverfahren und hohen Hürden.

323 genehmigte Clubs trotz Hürden

Cannabis Pflanzen werden Indoor angebaut. Ein Cannabis Club in Deutschland.Laut ICBC und dem Bundesverband der Cannabisanbauverbände (BCAv) wurden bislang 323 Anbauvereine in Deutschland offiziell genehmigt, bei insgesamt rund 743 Anträgen. Das zeigt, dass das Modell funktioniert – aber auch, dass viele Vereine noch in der Warteschleife hängen.

Bayerns restriktiver Kurs

Besonders im Freistaat Bayern stoßen Gründerinnen und Gründer auf massive Widerstände. Dort werden Konsumverbote streng ausgelegt, Genehmigungsverfahren dauern lange, und hohe Bußgelder schrecken ab. Aber auch in anderen Bundesländern gibt es Hindernisse:

  • Uneinheitliche Zuständigkeiten,
  • komplizierte Formulare,
  • extrem restriktive Auslegung des Werbe- und Sponsoringverbots, wodurch Clubs online kaum sichtbar sein können.
  • Diese Mischung sorgt dafür, dass sich viele Interessierte abgeschreckt fühlen – und der Schwarzmarkt weiterlebt.

Ein Beispiel für die strenge Auslegung der Clubs in Bayern: Legale Abgabe von Cannabis – Streit in Bamberger Cannabis Club

Änderungen sind notwendig! Was die Branche fordert

Der Bundesverband der Cannabis-Anbauvereine (BCAv) ist so etwas wie die Stimme der deutschen Cannabis-Clubs. Er ist innerhalb des größeren Bundesverbands der Cannabiswirtschaft (BvCW) organisiert und vertritt die Interessen all jener Vereine, die Cannabis gemeinschaftlich anbauen oder gerade gründen.

Um den Alltag der Anbauvereine zu erleichtern und politische Verbesserungen anzustoßen, hat der BCAv im Herbst 2025 ein Positionspapier veröffentlicht. Darin sammelt der Verband konkrete Vorschläge und richtet sie direkt an Politik und Behörden – vom Gesundheitsministerium über Landesregierungen bis hin zu Bundestagsabgeordneten. Die internationale Konferenz ICBC hat dieses Papier in ihrem Newsletter aufgegriffen und so einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Kern fordert der BCAv:

  • Vorgaben und Kontrollen sollen so gestaltet sein, dass nichtkommerzielle Anbauvereine arbeitsfähig bleiben und ihre Arbeit nicht durch überzogene Anforderungen blockiert wird.
  • Das Werbeverbot darf nicht so weit ausgelegt werden, dass Vereine online praktisch unsichtbar werden; Menschen müssen sich problemlos informieren können.
  • Die Behörden sollen klarere und zügige Verfahren schaffen, damit Anträge ohne lange Wartezeiten entschieden werden.
  • Es muss eindeutig geregelt werden, ob auf die Abgabe von Cannabis durch Anbauvereine Mehrwertsteuer erhoben werden muss.
  • Einheitliche Vorgaben in allen Bundesländern sollen Rechtsunsicherheiten vermeiden und gleiche Bedingungen für alle Vereine schaffen.

Kurz gesagt: Der BCAv sammelt die Erfahrungen aus den Vereinen, erstellte daraus konkrete Vorschläge und bringt sie als offizielles Positionspapier in die politische Debatte ein, damit die Clubs nicht an überflüssigen Hürden scheitern.

Fazit

Anbauvereine in Deutschland sind ein zentraler Baustein für kontrollierten Cannabiszugang. Die Zahl von 323 genehmigten Clubs zeigt: Das Konzept kommt an. Doch solange Länder wie Bayern den Aufbau mit strengen Auflagen ausbremsen und Verfahren unnötig verkomplizieren, bleibt viel Luft nach oben. Werden die Forderungen der Branche umgesetzt, können die Vereine endlich ihre eigentliche Aufgabe erfüllen: sichere Qualität, gelebten Jugendschutz und eine echte Alternative zum Schwarzmarkt.

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