Am 8. Februar 2026 berichteten zahlreiche Medien über einen aufsehenerregenden Polizeieinsatz in Nordmazedonien. Grundlage ist ein Bericht internationaler Nachrichtenagenturen, laut dem mehr als 40 Tonnen Cannabis beschlagnahmt wurden. Die betroffenen Unternehmen sind Produzenten von Medizinalcannabis. Die Razzien wurden durchgeführt, weil sie dieses angeblich nicht ordnungsgemäß gelagert oder verarbeitet haben. Was nach der Beschlagnahmung folgte, waren Schlagzeilen mit maximaler Wirkung.
Was in Nordmazedonien tatsächlich passiert ist
Nordmazedonien hat den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke im Jahr 2016 erlaubt. Damit wollte das Land neue Einnahmen schaffen und sich als Standort für medizinisches Cannabis in Europa etablieren. In den Jahren danach ist die Branche schnell gewachsen. Teilweise vielleicht schneller, als staatliche Stellen mit Kontrollen und klaren Regeln hinterherkamen. Doch medizinisches Cannabis aus Nordmazedonien hat sich bereits einen Namen gemacht und hat dem Land zu neuem Schwung verholfen.
Im Februar 2026 haben die Behörden im ganzen Land Razzien durchgeführt. Nach Angaben des Innenministeriums wurde bei mehreren Firmen Cannabis sichergestellt. Bei einem Unternehmen in der Hauptstadt Skopje sollen es rund neun Tonnen getrocknete Blüten gewesen sein. Außerdem wurden dort mehr als 1300 Flaschen Cannabisöl gefunden. Insgesamt sprechen die Behörden von mehr als 40 Tonnen Cannabis, die landesweit beschlagnahmt wurden, da es Unregelmäßigkeiten und schwere Verstöße gegeben habe.
Genauere Angaben dazu gibt es bisher aber kaum. Es wurde nicht mitgeteilt, um welche Verstöße es sich handelt, ob es Festnahmen gab und was mit dem Cannabis passiert ist. Meist wird nach so einer Razzia die Ware versiegelt und als Beweismittel sichergestellt. Ist der Fall einmal abgeschlossen, werden die Beweise dann vernichtet.
40 Tonnen Cannabis und viele offene Fragen
In vielen Berichten wird vor allem ein Punkt genannt. Das Cannabis sei nicht richtig gelagert oder verarbeitet worden, daher vermuteten die Behörden illegalen Schmuggel. Im Bereich Medizinalcannabis gelten sehr strenge Regeln. Schon kleine formale Fehler, etwa bei Dokumentation oder Lagerbedingungen, können als schwerer Verstoß gewertet werden. Daher sagt alleine die Razzia und die Vermutung der Behörden nicht sicher aus, dass es sich bei diese Fall wirklich um illegale Machenschaften handelt.
Was solche Schlagzeilen bewirken

Gerade jetzt haben solche Meldungen eine besondere Wirkung. Auch in Deutschland wird wieder darüber diskutiert, den Zugang zu medizinischem Cannabis einzuschränken. Vor allem die Zukunft der Telemedizin steht derzeit stark unter Beschuss.
Große Zahlen und Schlagzeilen verstärken den Eindruck, dass etwas außer Kontrolle geraten ist. Dabei fehlen oft wichtige Informationen, um den Fall richtig einzuordnen:
- Es gibt bisher keine bestätigten Angaben zum Wirkstoffgehalt oder zur medizinischen Qualität des Cannabis
- Der Vorwurf, die Ware sei für den illegalen Markt bestimmt gewesen, beruht vor allem auf Vermutungen
- „Falsche Lagerung“ kann auch formale Fehler oder Probleme bei der Dokumentation bedeuten
- Die Menge der beschlagnahmten Ware sagt nichts darüber aus, wie viel davon tatsächlich nutzbar oder verkaufsfähig war
Diese Punkte gehen in der öffentlichen Diskussion oft unter.
Hinweise aus Serbien und der Blick über die Grenze
Ende Januar stellten die Behörden im benachbarten Serbien rund fünf Tonnen Cannabis sicher. In Serbien ist der Anbau von Cannabis gesetzlich verboten, auch zu medizinischen Zwecken. Besitz, Anbau und Handel gelten dort als Straftat. Nach Angaben serbischer Ermittler stammte das sichergestellte Cannabis aus Nordmazedonien. In diesem Zusammenhang wird ein Verdächtiger genannt, der als Miteigentümer eines Unternehmens in Skopje gilt. Die Frage ist, ob es hier eine Verbindung gibt, bzw. ob es sich doch um einen illegalen Schmuggel handelt.
Die Ermittlungen dauern an. Details zu den Vorwürfen, zu möglichen Strafverfahren oder zu abschließenden Bewertungen durch die Staatsanwaltschaft liegen derzeit noch nicht vor. Doch wir bleiben natürlich dran.
