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Linalool Wirkung in Cannabis und weitere faszinierende Fakten!

Die Linalool Wirkung von Cannabis. Hier sind Cannabisblüten im violetten Licht zu sehen.

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

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Linalool: das Wichtigste in Kürze

  • Linalool ist ein Monoterpenalkohol, der Lavendel und Koriander ihren blumigen Duft gibt.
  • In Cannabis kommt das Terpen meist nur in kleinen Mengen vor und prägt selten das Aroma.
  • Dass Linalool Wirkung gegen Angst haben könnte, zeigen bisher vor allem Tierstudien. Der Effekt läuft dort über den Geruchssinn.
  • Studien am Menschen mit den Mengen, die in Cannabisblüten stecken, fehlen bisher.
  • Frisch gilt der Duftstoff als kaum allergen, an der Luft oxidiert kann er Kontaktallergien auslösen.
  • Wie viel eine Sorte enthält, zeigt nur die Laboranalyse der jeweiligen Charge.

Lavendel, Koriander, Duschgel und manche Cannabisblüten haben einen gemeinsamen Inhaltsstoff: Linalool. In Sortenbeschreibungen gilt das Terpen oft als beruhigend und angstlösend.

Dieser Beitrag zeigt, wo der Duftstoff vorkommt, ob Linalool Wirkung auf Körper und Psyche zeigt und wann er bedenklich sein kann. Einen Überblick über alle wichtigen Terpene findest du in unserem Beitrag Terpene in der Cannabismedizin.

Was ist Linalool?

Linalool ist ein natürlicher Monoterpenalkohol. Er kommt in vielen ätherischen Ölen vor und gibt ihnen einen blumigen Duft.

Chemisch zählt der Stoff zu den Terpenen, also zu den flüchtigen Duftstoffen, die Pflanzen in großer Zahl bilden. Mehr zu dieser Stoffgruppe erklärt unser Glossar zu Terpenen. Die Summenformel lautet C10H18O. Eingesetzt wird er in Parfums, Kosmetik, Reinigungsmitteln und als Aromastoff in Lebensmitteln. (1)

Das Molekül gibt es in zwei spiegelbildlichen Formen: die R-Form, auch Licareol genannt, und die S-Form, auch Coriandrol genannt. (1)

In der Cannabispflanze entsteht das Linalool Terpen wie seine Verwandten in den Drüsenhaaren (Trichomen) der Blüten, wo auch die Cannabinoide gebildet werden. Rund 100 Terpenoide sind in Cannabis bekannt, viele davon kommen auch in anderen Pflanzen vor. Weil sie flüchtig sind, prägen sie Aroma und Geschmack einer Blüte und gehen auch in Rauch und Dampf über. (2)

Wie riecht Linalool und wo kommt es vor?

Lavendel beinhaltet LinaloolDer Duft ist blumig und erinnert an Lavendel. Besonders reichlich steckt der Stoff in Lavendel und Koriander.

Im Lavendelöl zählt er neben Linalylacetat zu den Hauptbestandteilen. Der Name Coriandrol für die S-Form verweist auf den Koriander. Daneben enthalten viele weitere Gewürz- und Duftpflanzen das Terpen. Über die Nahrung nehmen Menschen solche Aromastoffe ständig auf. Die US-Behörde FDA und andere Behörden führen diese Terpene als allgemein sicher für Lebensmittel (GRAS-Status). (1)

Auch auf Kosmetik begegnet dir der Name oft: Duschgels, Cremes und Parfums führen ihn in der Zutatenliste auf, weil er ab bestimmten Mengen gekennzeichnet werden muss. In Cannabisblüten liegt der Gehalt meist hinter Myrcen, Limonen oder β-Caryophyllen, die in größeren Mengen vorkommen. Die Lavendelnote fällt deshalb selten als Erstes auf. (2)

Linalool Terpene: Wirkung und Studienlage

Studien deuten auf eine angstlösende Wirkung hin. Die Belege stammen aber fast nur aus Tierversuchen.

In einer japanischen Studie wirkte schon der bloße Geruch des Terpens bei Mäusen angstlösend, ohne ihre Bewegungsfähigkeit einzuschränken. Tiere ohne Geruchssinn zeigten den Effekt nicht. Gaben die Forschenden vorher Flumazenil, ein Mittel, das bestimmte GABA-A-Rezeptoren blockiert, blieb er ebenfalls aus. Daraus schließen sie, dass der Effekt über das Riechsystem und das GABA-System läuft, an dem auch Benzodiazepine ansetzen. (4)

Am Menschen ist vor allem Lavendelöl untersucht, nicht der Reinstoff. In einer Meta-Analyse von drei placebokontrollierten Studien linderten Kapseln mit dem Lavendelöl-Wirkstoff Silexan über zehn Wochen leichte Angstbeschwerden besser als Placebo. Der Schlaf verbesserte sich als Folge der geringeren Angst, ohne dass die Kapseln müde machten. Die Autor:innen betonen, dass sich die Ergebnisse nicht auf andere Lavendelprodukte übertragen lassen. (5)

Für Linalool-Terpen in Cannabis ist die Studienlage dünn. Der Neurologe Ethan Russo zählte Linalool 2011 in einer viel zitierten Übersichtsarbeit zu den Terpenen, die zum Entourage-Effekt beitragen könnten. Eingeatmete Terpene können laut Russo schon in sehr niedrigen Blutkonzentrationen das Verhalten beeinflussen. Untersucht wurde dies an Tieren, Russo diskutiert zudem, ob es eine mögliche Relevanz für Menschen gibt. Seine Arbeit stellt Hypothesen auf, eine klinische Studie ist sie nicht. (6) Eine Laborstudie fand bei häufigen Cannabis-Terpenen keine direkte Wirkung an den Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 und keinen Einfluss auf die Wirkung von THC an diesen Rezeptoren. Die einzige Ausnahme war eine ß-Caryophyllen Interaktion mit CB2 Rezeptoren. (7)

Ob Linalool Wirkung zeigt, wenn es nur in den geringen Mengen einer Cannabisblüte vorkommt, ist damit offen.

Häufige Irrtümer zur Wirkung

  • „Das Terpen macht jede Sorte beruhigend.“ Ob die kleinen Mengen in Blüten beim Menschen wirken, wurde nicht untersucht.
  • „Linalool ist psychoaktiv.“ Belastbare Belege für einen berauschenden Effekt gibt es nicht. In der Mausstudie veränderte der Duft das Verhalten, ohne die Motorik zu beeinträchtigen.
  • „Was für Lavendelöl gilt, gilt auch für den Reinstoff.“ Lavendelöl ist ein Gemisch, und selbst die Silexan-Ergebnisse lassen sich laut den Autor:innen nicht auf andere Lavendelprodukte übertragen.

Ist Linalool bedenklich?

Unoxidiertertes Linalool Terpen gilt als kaum allergen. Oxidiert das Terpen an der Luft, entstehen Hydroperoxide, die Kontaktallergien auslösen können.

In einer internationalen Studie wurden 2.900 Menschen mit Ekzemen in sechs Ländern im Pflastertest mit der oxidierten Form getestet. Insgesamt 6,9 Prozent reagierten allergisch, je nach Zentrum zwischen 3 und 13 Prozent. (8) Die Zahl gilt für Menschen mit Hautproblemen, nicht für die Allgemeinbevölkerung.

In der EU muss der Duftstoff deshalb in Kosmetik einzeln in der Zutatenliste stehen, sobald er in Produkten, die auf der Haut bleiben, mehr als 0,001 Prozent ausmacht. Bei Produkten, die abgewaschen werden, liegt die Grenze bei 0,01 Prozent. (9) Die genannten Allergiedaten betreffen den Hautkontakt, nicht das Inhalieren.

Wann ist das relevant?

Wichtig ist das Thema vor allem für Menschen mit bekannter Duftstoffallergie oder Ekzemen. Das gilt auch beim Umgang mit Duftölen, Terpenölen und parfümierter Kosmetik. Wer nach dem Kontakt mit solchen Produkten Hautreaktionen bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen.

Linalool in Cannabissorten

Trichome. Darin befindet sich das Terpen LinaloolIn Cannabis ist das Terpen meist nur ein Nebenbestandteil. In einer Laborauswertung kalifornischer Blüten hatten Gelato und mehrere OG-Kush-Sorten die höchsten Werte.

Terpene machen in Cannabisblüten meist 0,5 bis 3,5 Prozent aus. Eine Studie aus Kalifornien hat von 2015 bis 2016 insgesamt 233 Proben aus 30 Cannabissorten einer Abgabestelle analysiert. Den höchsten Gehalt von Linalool-Terpen hatte Gelato mit durchschnittlich 3,1 mg/g. Es folgten Triple O mit 2,2 mg/g sowie Tahoe OG Kush mit 2,1 mg/g. Sherbert, Skywalker OG Kush und Gas lagen bei je 2,0 mg/g pro Gramm. Die OG-Kush-Gruppe unterschied sich von anderen Sorten unter anderem durch höhere Anteile alkoholischer Terpene wie Linalool und α-Terpineol. Bei Jack Herer lag der Wert unter der Bestimmungsgrenze. Zum Vergleich: Gelato enthielt im Schnitt 9,1 mg Limonen pro Gramm, also rund dreimal so viel. (2)

Sortennamen sind allerdings nicht geschützt, und dieselbe Sorte kann je nach Züchter und Charge anders zusammengesetzt sein. Die Studie zeigt auch, dass sich Blüten nach ihrem Terpenprofil zuverlässiger einordnen lassen als nach ihrem Namen. (2)

Checkliste: Terpenprofil richtig lesen

  • Analysezertifikat der jeweiligen Charge ansehen, nicht nur den Sortennamen
  • Den Linalool-Wert in mg pro Gramm oder Prozent mit den Hauptterpenen vergleichen
  • Gleichnamige Sorten verschiedener Hersteller nicht automatisch als gleich ansehen

Fazit

Linalool gibt Cannabis eine blumige Note, steckt in den meisten Sorten aber nur in kleinen Mengen. Hinweise auf eine Wirkung gegen Angst stammen bisher vor allem aus Tierstudien. Wie viel eine Sorte enthält, zeigt nur die Laboranalyse.

Medizinischer Disclaimer

Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Anwendung von Cannabis sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Häufig gestellte Fragen

  • Ein natürlicher Monoterpenalkohol mit blumigem Duft. Er steckt in Lavendel, Koriander und vielen weiteren Pflanzen, in kleinen Mengen auch in Cannabis.

  • Tierstudien deuten auf eine angstlösende Wirkung über den Geruchssinn hin. Am Menschen ist vor allem Lavendelöl untersucht, nicht der Reinstoff.

  • Frisch gilt der Duftstoff als kaum allergen. Oxidiert er an der Luft, entstehen Stoffe, die Kontaktallergien auslösen können. Deshalb muss er in Kosmetik schon ab geringen Mengen gekennzeichnet werden.

  • Pauschal lässt sich das nicht sagen. Mögliche positive Effekte sind vor allem im Tierversuch beschrieben, und die oxidierte Form kann bei empfindlichen Menschen allergische Hautreaktionen auslösen.

  • Blumig und ähnlich wie Lavendel, dessen ätherisches Öl reich an diesem Terpen ist.

  • In einer Laborauswertung aus Kalifornien hatten Gelato, Triple O und mehrere Og-Kush-Sorten die höchsten Werte. Verlässlich ist nur die Laboranalyse der jeweiligen Charge.

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Quellen und Studien ansehen

  1. An Q, Ren JN, Li X et al. (2021): Recent updates on bioactive properties of linalool. Food & Function 12(21).
  2. Fischedick JT (2017): Identification of Terpenoid Chemotypes Among High (−)-trans-Δ9-Tetrahydrocannabinol-Producing Cannabis sativa L. Cultivars. Cannabis and Cannabinoid Research 2(1): 34–47.
  3. Hagvall L, Bråred Christensson J (2016): Patch Testing with Main Sensitizers Does Not Detect All Cases of Contact Allergy to Oxidized Lavender Oil. Acta Dermato-Venereologica 96(5).
  4. Harada H, Kashiwadani H, Kanmura Y, Kuwaki T (2018): Linalool Odor-Induced Anxiolytic Effects in Mice. Frontiers in Behavioral Neuroscience 12: 241.
  5. Möller HJ et al. (2019): Efficacy of Silexan in subthreshold anxiety: meta-analysis of randomised, placebo-controlled trials. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience.
  6. Russo EB (2011): Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology 163(7): 1344–1364.
  7. Finlay DB, Sircombe KJ, Nimick M, Jones C, Glass M (2020): Terpenoids From Cannabis Do Not Mediate an Entourage Effect by Acting at Cannabinoid Receptors. Frontiers in Pharmacology 11: 359.
  8. Bråred Christensson J, Andersen KE, Bruze M et al. (2012): Air-oxidized linalool, a frequent cause of fragrance contact allergy. Contact Dermatitis 67(5): 247–259.
  9. Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission vom 26. Juli 2023 zur Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln. Amtsblatt der EU L 188.

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