Keyfacts zu Edibles richtig lagern
- Wie lange Edibles halten, hängt vor allem von der Basis ab. Öle und Konzentrate ohne Wasser halten sich jahrelang, Butter und Gebäck verderben wie jedes andere Lebensmittel.
- THC selbst verdirbt nicht. Mit Sauerstoff oxidiert es langsam zu CBN, das am CB1-Rezeptor deutlich schwächer wirkt als THC.
- In einer Stabilitätsstudie von 2016 waren in THC-Kapseln mit Sesamöl nach drei Monaten noch über 97 % des THC vorhanden, bei Zimmertemperatur genauso wie im Kühlschrank und im Gefrierfach.
- Wärme, Licht und Sauerstoff setzen Cannabinoiden bei der Lagerung zu. Edibles richtig lagern heißt deshalb: kühl, dunkel und mit möglichst wenig Luft.
- Butter darf bis zu 16 % Wasser enthalten. Infundierte Butter gehört deshalb vordosiert ins Gefrierfach.
- Beschrifte jedes Gefäß und lagere Edibles so, dass weder Kinder noch Tiere herankommen.
Alte Edibles können noch was: so lagerst du sie richtig
Eine Tüte Gummis von 2019 ganz hinten im Schrank. Das Haltbarkeitsdatum ist längst abgelaufen. Die wirken doch bestimmt nicht mehr, dann könnte ich ja gleich zwei nehmen, oder? Besser nicht. Das Datum auf der Packung sagt, wann ein Produkt nicht mehr verkauft werden darf. Über die Wirkung sagt es wenig.
In unserer Küche in den USA stellen wir seit vielen Jahren medizinische Edibles her: Bonbons, Schokolade und Gummis. Wir müssen ein Haltbarkeitsdatum auf jede Packung drucken, obwohl wir wissen, dass unsere Produkte sehr viel länger halten. In diesem Artikel geht es um die Haltbarkeit von Edibles: was mit Edibles, Ölen und Extrakten über Monate und Jahre passiert und wie du Edibles richtig lagerst, damit sie ihre Wirkung behalten.
Haltbarkeit von Edibles: Wasser entscheidet, wie lange etwas hält
Ob Edibles „schlecht“ werden, hängt vor allem davon ab, was du infundiert hast. Butter? Einen Keks? Oder Sahne? Das THC selbst verdirbt dabei nicht.
Öle und Konzentrate enthalten in der Regel kein Wasser. Ohne Wasser kann nichts schimmeln, deshalb halten sie sich jahrelang. Bonbons, Schokolade und Gummis haben ebenfalls eine sehr lange Haltbarkeit. Bei Butter, Gebäck und allem Frischen müsst ihr genauer hinschauen. Ein Brownie wird nach ein paar Tagen trocken oder schimmelig, ganz egal, wie viel THC darin steckt. Hier bestimmt das Lebensmittel die Haltbarkeit, und für die gelten dieselben Regeln wie für jedes andere Gebäck.
Was mit dem THC passiert: es wird zu CBN
THC verschwindet nicht einfach. Mit Sauerstoff oxidiert es langsam zu CBN. CBN wirkt deutlich weniger psychoaktiv als THC, und viele beschreiben die Wirkung eher als körperlich. (1) Altes Öl ist deshalb nicht schlecht, es wird nur etwas „ruhiger“.
Manche Menschen mögen genau das und lassen ihr Öl mit Absicht altern, damit der CBN-Anteil steigt. Wer dagegen die volle THC-Wirkung behalten möchte, hält den Sauerstoff so gut es geht fern.
Die Oberfläche macht den Unterschied
Wie schnell THC zu CBN wird, hängt davon ab, wie viel Fläche die Luft erreicht. Eine lose Blüte hat sehr viel Oberfläche, an die Sauerstoff herankommt. Ein gepresster Haschwürfel hat schon deutlich weniger. Ein Öl ist noch kompakter, und dort ist die Fläche, an der etwas oxidieren kann, am kleinsten.
Deshalb lassen sich Zeitangaben zum THC-Abbau von Blüten nicht 1:1 auf Edibles übertragen. Wenn ihr irgendwo lest, wie schnell THC abgebaut wird, prüft zuerst, ob es um Blüten oder um ein Extrakt geht. Bei Blüten geht es deutlich schneller.
Es hält länger, als du denkst
Eine Stabilitätsstudie aus dem Jahr 2016 hat Kapseln mit THC in Sesamöl untersucht. Ein Teil lag bei Zimmertemperatur, ein Teil im Kühlschrank, ein Teil im Gefrierfach. Nach drei Monaten waren in allen drei Gruppen noch 97 % des THC vorhanden. Nur ein sehr kleiner Teil hatte sich zu CBN gewandelt. (2) In der Studie ging es um reines, destilliertes THC. Für ein Vollextrakt aus der eigenen Küche gibt sie trotzdem eine gute Richtung vor.
Wir gehen sogar noch weiter. Wir extrahieren in Maine eine große Outdoor-Ernte, alles auf einmal, und lagern das Öl pur, oft über lange Zeit, deutlich mehr als drei Monate. Bevor wir damit unsere Edibles infundieren, lassen wir das rohe Öl im Labor testen, damit wir richtig dosieren können. CBN ist dabei selten nachweisbar.
So lagerst du deine Öle und Extrakte
Mit diesen paar einfachen Tipps und Tricks, hast du länger etwas von deinen Ölen
- Dunkel, kühl, wenig Luft. (3) Ein kühler Raum reicht. Kühlschrank oder Gefrierfach sind für Öl kein Muss, das zeigt auch die Studie oben. (2)
- Glas oder Metall statt Plastik. Gerade Kokosöl müsst ihr zum Dosieren oft noch einmal erwärmen, und Wärme und Plastik passen schlecht zusammen. Wir nehmen Einmachgläser, geschützt mit einer Silikonhülle, damit nichts zerbricht, wenn einem das Glas aus der Hand rutscht. Der Inhalt hat viel Arbeit gekostet.
- Das Gefäß passend zur Menge wählen. Je weniger Luft über dem Öl steht, desto weniger kann oxidieren. Füllt eine kleine Menge lieber in ein kleines Glas um, statt sie in einem großen Gefäß stehen zu lassen.
- Erst mischen, wenn du es brauchst. Wir lagern unser Vollextrakt pur. Mit MCT-Öl und etwas Lecithin mischen wir es erst, wenn wir es in den nächsten Monaten aufbrauchen.
So lagerst du Butter
Butter enthält je nach Sorte 15 bis 16 % Wasser. (4) Auch wenn du nach dem Infundieren das Wasser abgießt, bleibt etwas davon in der Butter, und über dieses Restwasser kommt der Schimmel.
Deshalb kommt Butter ins Gefrierfach, am besten schon vordosiert, zum Beispiel in Eiswürfelformen. So nimmst du genau die Portion heraus, die du brauchst, und der Rest bleibt gefroren. Je seltener du die Butter auftaust und wieder einfrierst, desto länger hält sie.
So lagerst du eine Alkoholtinktur
Klingt banal, aber dreh den Deckel fest zu. Sonst verdunstet der Alkohol, und am Ende bleibt ein klebriger Rest am Boden übrig, der durch keine Pipette mehr passt. Manche lassen den Alkohol mit Absicht verdunsten, um die Tinktur stärker zu machen. Wichtig ist nur, dass du weißt, was passiert: Mit dem Alkohol verschwindet nicht das THC, die Tinktur wird pro Tropfen stärker.
Ist es schon passiert, mische den Rest mit MCT-Öl und etwas Lecithin. Dann hast du wieder ein Öl, das sich abmessen und weiterverarbeiten lässt.
Fertige Edibles richtig lagern
Für Gummis, Schokolade und Bonbons gilt dasselbe wie für Öl: kühl, dunkel, trocken und gut verschlossen. Eine Dose, die gut schließt, schützt vor Luft und Feuchtigkeit. Schokolade mag keine Wärme. Gebackenes frierst du am besten ein, wenn du es nicht innerhalb weniger Tage konsumierst.
Beschriften und sicher wegpacken
Schreib auf jedes Gefäß, was drin ist, wann du es hergestellt hast und wie stark es ungefähr ist. Gerade bei Öl, das ein Jahr im Schrank steht, weiß später sonst niemand mehr, was in dem Glas ist.
Und pack alles so weg, dass weder Kinder noch Tiere herankommen. Viele Edibles sehen aus wie Süßigkeiten. Hunde riechen Schokolade und Butter sehr gut und werden erfinderisch, wenn etwas lecker riecht. Ein verschlossener Schrank oder eine abschließbare Box ist hier die sicherste Lösung.
Fazit: Das Wichtigste in Kürze
Ohne Wasser kein Schimmel. Lagere kühl, dunkel und mit möglichst wenig Luft, am besten in Glas oder Metall. Butter gehört ins Gefrierfach, eine Tinktur braucht einen festen Deckel. Altes Öl verliert kaum Wirkung, es wird über die Jahre nur etwas ruhiger. Und auch Edibles von 2019 können noch was. Bleib bei einem Stück und wartet ab.
Mehr zu Decarboxylierung, Infusion und Dosierung findet ihr in unserem kostenlosen E-Book „Edibles selbst gemacht: eine Anleitung“ auf mitwasdrin.de/edibles-selbst-gemacht.
Sonja Beeker, Mit Was Drin
Disclaimer
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechts- oder Medizinberatung. Er ersetzt nicht das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Bitte handelt eigenverantwortlich und prüft die Gesetze, die bei euch gelten. „Start low, go slow.“
Häufig gestellte Fragen
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Das hängt von der Basis ab. Öle und Konzentrate enthalten kaum Wasser und halten sich gut verschlossen über Jahre. Bonbons, Schokolade und Gummis halten ebenfalls lange. Gebäck und andere frische Lebensmittel verderben dagegen nach wenigen Tagen, egal wie viel THC darin steckt. Was ihr nicht bald esst, friert ihr am besten ein.
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Bei guter Lagerung kaum. THC oxidiert mit Sauerstoff langsam zu CBN, das am CB1-Rezeptor deutlich schwächer wirkt als THC. (1) In einer Studie mit THC-Kapseln in Sesamöl waren nach drei Monaten noch über 97 Prozent des THC vorhanden, egal ob bei Zimmertemperatur, im Kühlschrank oder im Gefrierfach. (2) Alte Edibles können also noch kräftig wirken. Nehmt auch bei alten Stücken erst einmal nur eins und wartet ab.
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Für Öl ist der Kühlschrank kein Muss, ein kühler, dunkler Ort reicht. Eine Langzeitstudie des Technion in Haifa hat allerdings gezeigt, dass sich die Cannabinoide in Blüten und Extrakten bei 25 °C über ein Jahr am stärksten verändern. Am besten erhalten blieben ganze Blüten und in Olivenöl gelöste Extrakte bei 4 °C. (3) Wer Öl sehr lange aufheben will und keinen kühlen Ort hat, kann es also ruhig in den Kühlschrank stellen.
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Ja. Infundierte Butter gehört sogar ins Gefrierfach, weil das Restwasser darin schimmeln kann. Am praktischsten portioniert ihr sie vorher, zum Beispiel in Eiswürfelformen. Gebackene Edibles friert ihr ein, wenn ihr sie nicht innerhalb weniger Tage esst. Taut jeweils nur so viel auf, wie ihr braucht, denn häufiges Auftauen und Einfrieren verkürzt die Haltbarkeit.
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An denselben Zeichen wie bei normalen Lebensmitteln: Schimmel, ein muffiger oder ranziger Geruch, eine veränderte Farbe oder Konsistenz. Bei Gebäck und Butter bestimmt das Lebensmittel die Haltbarkeit, nicht das THC. Sieht oder riecht etwas komisch, werft es weg.
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Viele Edibles sehen aus wie Süßigkeiten, und Hunde riechen Butter und Schokolade sehr gut. Lagert sie deshalb in einem verschlossenen Schrank oder einer abschließbaren Box und beschriftet jedes Gefäß mit Inhalt, Herstellungsdatum und ungefährer Stärke. Hat ein Kind trotzdem etwas gegessen, ruft sofort den Giftnotruf oder den Notruf 112 an. Bei Haustieren ist die Tierarztpraxis die richtige Adresse.
Quellen und Studien ansehen
- Arnold JC et al. (2024): A sleepy cannabis constituent: cannabinol and its active metabolite influence sleep architecture in rats. Neuropsychopharmacology
- Wempe MF et al. (2016): Stability of dronabinol capsules when stored frozen, refrigerated, or at room temperature. American Journal of Health-System Pharmacy
- Milay L et al. (2020): Metabolic Profiling of Cannabis Secondary Metabolites for Evaluation of Optimal Postharvest Storage Conditions. Frontiers in Plant Science
- Verordnung (EU) Nr. 1308/2013, Anhang VII Teil VII: Begriffsbestimmung Butter (EUR-Lex)
