Die deutsche Cannabisbranche blickt gespannt auf die aktuellen Entwicklungen: Laut einer Anfrage des Fachportals krautinvest.de beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde bestätigt, dass die offiziell gemeldete Höchstmenge für den Import medizinischer Cannabisblüten bereits erreicht ist. Kommt es dadurch zu einem Einfuhrstopp von Cannabis? Zum Glück nicht. Neue Genehmigungen können zwar vorerst nicht erteilt werden, aber ein vollständiger Lieferstopp ist nicht zu erwarten. Es handelt sich vor allem um eine vorübergehende Verzögerung, bis zusätzliche Mengen beim Internationalen Suchtstoffkontrollamt (INCB) nachgemeldet und freigegeben sind.
Warum es zu einem Einfuhrstopp von Cannabis kommt
Jedes Jahr meldet Deutschland dem Internationalen Suchtstoffkontrollamt (INCB), wie viel medizinisches Cannabis voraussichtlich importiert werden soll. Für 2025 liegt diese Schätzung bei 122 Tonnen Cannabisblüten. Doch genau dieses geschätzte Kontingent war wohl zu niedrig, denn diese Importmenge ist nun erreicht.
Das bedeutet: Neue Anträge auf Einfuhrgenehmigungen können erst wieder bearbeitet werden, wenn das INCB eine sogenannte Nachschätzung bestätigt.
Das BfArM erklärt, dass diese internationalen Vorgaben verpflichtend sind. Würde Deutschland zu großzügig schätzen, könnten künftig Kürzungen drohen. Bis zur Bestätigung der Nachschätzung verlängern sich lediglich die Bearbeitungszeiten, bestehende Importe laufen weiter.
Die Rolle der Höchstmenge
Die Höchstmenge ist kein willkürlicher Wert, sondern ein wichtiges Instrument der internationalen Drogenkontrolle. Sie sorgt dafür, dass medizinisches Cannabis in Deutschland transparent und sicher verfügbar bleibt. Weil das Land seine Quote bereits erreicht hat, müssen Apotheken und Großhändler jetzt mit längeren Bearbeitungszeiten für neue Lieferungen rechnen. Wie groß die aktuellen Lagerbestände tatsächlich sind, ist nicht öffentlich bekannt.
Nach den Angaben des BfArM und den Recherchen von krautinvest betrifft die ausgeschöpfte Jahresquote ausschließlich medizinische Cannabisblüten.
- Blüten: Die beim Internationalen Suchtstoffkontrollamt (INCB) gemeldete Höchstmenge von 122 Tonnen bezieht sich nur auf getrocknete medizinische Cannabisblüten. Für neue Einfuhrgenehmigungen dieser Blüten gilt aktuell die Pause.
- Extrakte & andere Zubereitungen: Cannabisextrakte, Öle, Tinkturen oder Fertigarzneien werden separat erfasst und gemeldet. Für diese Kategorien besteht nach aktuellem Stand kein Einfuhrstopp; sie unterliegen eigenen Kontingenten und können weiterhin importiert werden, solange deren jeweilige Schätzmengen nicht ausgeschöpft sind.
Kurz gesagt: Der Engpass und die Bearbeitungsverzögerungen gelten derzeit nur für medizinische Blütenimporte, nicht für Extrakte oder daraus hergestellte Produkte.
Unternehmen wie DEMECAN kultivieren medizinisches Cannabis in eigenen Anbauanlagen in Deutschland und produzieren daraus ein hochwertiges Live Rosin Frischextrakt, das speziell für die therapeutische Anwendung bei Patient:innen mit schweren Erkrankungen geeignet ist.
Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten
Für Menschen, die auf medizinisches Cannabis angewiesen sind, stellt sich die Frage: Bedeutet der Einfuhrstopp von Cannabis eine Gefahr für ihre Versorgung?
Das BfArM gibt vorsichtig Entwarnung. Bestehende Genehmigungen und bereits geplante Lieferungen werden nicht gestoppt. Dennoch kann es passieren, dass einzelne Sorten zeitweise schwerer erhältlich sind, falls sich die Nachschätzung länger hinzieht.
Internationale Vorgaben im Blick
Das INCB überwacht den weltweiten Handel mit kontrollierten Substanzen und prüft, ob Länder ihre gemeldeten Mengen einhalten. Branchenexperte Deepak Anand weist darauf hin, dass das INCB zwar keine globale Produktionsobergrenze festlegt, bei Überschreitungen aber eine Erklärung oder Nachmeldung verlangt. Deutschland ist also verpflichtet, jeden zusätzlichen Bedarf formal anzumelden.
Deutschland kann die Situation also entspannen, indem es beim INCB eine Nachschätzung beantragt. Diesen Schritt, bereitet das BfArM nach eigenen Angaben bereits vor. Sobald diese Bestätigung vorliegt, dürften neue Einfuhrgenehmigungen wieder schneller erteilt werden.
Langfristig könnten eine realistischere Bedarfsplanung oder ein stärkerer Ausbau der heimischen Produktion dazu beitragen, Engpässe zu vermeiden.
Fazit
Der aktuelle Einfuhrstopp von Cannabis zeigt, wie eng internationale Vorgaben und nationale Planung zusammenhängen. Die festgelegte Höchstmenge von 122 Tonnen ist für 2025 ausgeschöpft, was vorübergehend zu Verzögerungen bei neuen Importgenehmigungen führt.
Für Patient:innen bleibt die Versorgung derzeit stabil, doch die Branche verfolgt gespannt, wann das INCB die Nachschätzung bestätigt und der bürokratische Knoten gelöst wird.
