Die CaNoKo 2025 ist die Cannabis Normal Konferenz, eine der wichtigsten deutschen Veranstaltungen rund um Cannabispolitik, Versorgung, Wissenschaft, Wirtschaft und Community. Organisiert wird die CaNoKo vom Deutschen Hanfverband. Die Konferenz bringt jedes Jahr Expertinnen und Experten aus Medizin, Politik, Forschung, Praxis und Aktivismus zusammen, mit dem Ziel Wissen zu teilen, aktuelle Entwicklungen einzuordnen und Debatten anzustoßen, die sowohl Patientinnen und Patienten als auch Konsumierende betreffen. Im Kern geht es um Aufklärung, Vernetzung und die gemeinsame Frage, wie eine sinnvolle, gerechte und sichere Cannabispolitik in Deutschland aussehen kann.
Gerade jetzt, wo sich die Landschaft rund um Cannabis rasant verändert, brauchen wir Räume, in denen Expertise, Erfahrung und echte Probleme sichtbar werden. Genau das schafft diese Konferenz.
Meine Teilnahme an der CaNoKo
In diesem Jahr durfte ich selbst Teil der CaNoKo 2025 sein und an einer Paneldiskussion teilnehmen, mit dem Thema:
Alles Apotheke? Echte Patienten vs. Anti Aging für alle
Ein Titel, der schon beim Lesen spürbar macht, wie viel Spannungsfeld aktuell in der medizinischen Cannabisversorgung steckt. Auf dem Panel saßen Menschen, die die unterschiedlichen Realitäten aus erster Hand kennen und täglich damit arbeiten. Meine Mitwirkenden waren:
- Micha Greif, Geschäftsführer des BvCW als Moderator und
- Kathrin Zabel, Public Affairs Beraterin bei comm together
- Dr. med. Franjo Grotenhermen, Arzt und Geschäftsführer der IACM
- Falk Altenhöfer, Gründer von Cannabis Startups
- Thomas Hauk, Managing Director & Co-Founder, Linnaeus Partners
- Massoud Mahgoli
Founder & CEO, The Kraut Company
Gemeinsam haben wir darüber gesprochen, welche Herausforderungen die aktuelle telemedizinische Versorgung mit sich bringt und welche neuen Probleme entstehen würden, wenn die vorgeschlagenen Änderungen der Union umgesetzt werden. Denn ein Verbot des Versands von Blüten und eine deutliche Einschränkung der Telemedizin hätte spürbare Folgen für viele Patientinnen und Patienten, die auf diese Form der Versorgung angewiesen sind.
Micha Greif stellte mir während der Diskussion die Frage, welche Schritte notwendig wären, um die Telemedizin langfristig zu erhalten und gleichzeitig auf ein sicheres, verantwortungsvolles Niveau zu heben. Meine Antwort war klar und praxisorientiert.
Für mich braucht es eine konsequente Ausweiskontrolle, um Kinder und Jugendliche wirksam zu schützen und sicherzustellen, dass die Medizin nur bei den Personen ankommt, die sie wirklich benötigen. Zusätzlich halte ich lizenzpflichtige Telemedizin Anbieter für sinnvoll, damit klare Qualitätsstandards gelten und Missbrauch verhindert wird. Wichtig ist außerdem eine echte ärztliche Erstberatung, keine reinen Fragebögen mehr. Diese erste Verschreibung kann weiterhin online stattfinden, aber sie muss von einer Ärztin oder einem Arzt persönlich durchgeführt werden. Mit diesen Maßnahmen könnte die Telemedizin verantwortungsbewusst, sicher und gleichzeitig patientenzentriert weiterentwickelt werden.
Thomas Hauk brachte in diesem Zusammenhang die Entwicklung in Polen ins Gespräch. Dort verlief die Situation anfangs ähnlich wie in Deutschland. Inzwischen haben sich spezialisierte Cannabispraxen etabliert, die telemedizinische und Vor Ort Angebote kombinieren und damit eine stabile und zukunftsfähige Versorgungsstruktur geschaffen haben.
Auch Kathrin Zabel setzte einen wichtigen Punkt. Sie betonte, wie entscheidend es ist, aktiv das Gespräch mit Politikerinnen und Politikern zu suchen und sie mit belastbaren Zahlen, Daten und Fakten zu überzeugen. Nur so lassen sich Vorurteile abbauen und nachhaltige Lösungen entwickeln, die Patientinnen und Patienten wirklich helfen.
Übrigens: Am Donnerstag hat der Bundesrat außerdem dem neuen Gesetzespaket zur Regulierung der Zukunft der Telemedizin zugestimmt, wodurch der Weg nun frei ist für die finale Entscheidung im Bundestag, der dem Beschluss noch zustimmen muss, bevor die Regelungen tatsächlich in Kraft treten.
CaNoKo 2025: erneut ein Ort für Debatte und Austausch
Das Besondere an der CaNoKo ist die Mischung aus Professionalität und ehrlichem Austausch. Hier sitzen Ärzt:innen, Patient:innen, Aktivisten, politische Entscheider:innen, Anwält:innen und Unternehmer:innen in einem Raum und sprechen offen über Herausforderungen, Chancen und Widersprüche.
Die CaNoKo 2025 schaffte eine Verbindungen zwischen Theorie und Praxis. Zwischen Gesetzgebung und Alltag. Zwischen Vision und Realität.
Fünf zentrale Dinge, die mir dieses Jahr aufgefallen sind:
- Der Wunsch nach besserer Versorgung ist präsent. Viele sind frustriert, weil sie trotz Legalisierung oder Reform eine legale Versorgung nur erschwert möglich ist.
- Die Rolle der Telemedizin steht stark im Fokus. Für manche ist sie eine Erleichterung, für andere ein Kritikpunkt, doch klar ist: Sie füllt Versorgungslücken. Jetzt gilt es, die Telemedizin vernünftig auszubauen und zu betreuen.
- Community ist ein entscheidender Faktor. Menschen wollen sich austauschen, voneinander lernen und gemeinsam Lösungen finden.
- Aktivismus war auf der gesamten Konferenz spürbar. Immer wieder wurden beeindruckende Geschichten von Menschen erzählt, die sich mit Mut, Herz und Überzeugung dafür einsetzen, das Richtige zu tun und echten Fortschritt zu schaffen.
- Die Modellprojekte sind, trotz der derzeitige politischen Lage, noch ein aktives Thema.
Die CaNoKo 2025 zeigte eindrucksvoll, dass Cannabis weit mehr ist als eine politische oder persönliche Debatte. Es ist ein Thema, das schwer in einzelne Faktoren zu trennen ist.
Erkenntnisse für die Zukunft
Die Erkenntnisse aus der CaNoKo 2025 werden in den kommenden Monaten eine wichtige Rolle spielen. Viele Diskussionen wirken hoffentlich in politische Prozesse hinein. Andere können helfen Arbeiten und Strukturen anzupassen und neue Denkanstöße zu nutzen.
Für mich persönlich bedeutete die CaNoKo Inspiration und Begeisterung, dass sich so viele Menschen, so tief diesem Thema annehmen und sich damit auseinandersetzen. Ob beruflich, oder privat. Die Gespräche dort zeigen sehr klar, wie viel Aufklärung, Transparenz und Faktenarbeit weiterhin notwendig sind, aber auch, wie weit wir schon gekommen sind. Mit der cannabib werden wir auch 2026 wieder unser Bestes geben, um Informationen zugänglich zu machen, Fragen zu beantworten und Stimmen aus der Praxis sichtbar zu machen.
