Steigt die Zahl der genehmigten Anbauvereine im Jahr 2026?
Wie schnell wächst das Club Modell in Deutschland wirklich? Und wo passiert gerade konkret etwas? Die Hoffnung auf die Vereine war groß, doch die Realität hat die Befürworter*innen schnell eingeholt. Den mutigen Gründern und Gründerinnen wurden viele Steine in den Weg gelegt. Trotzdem kamen immer wieder Meldungen, über Genehmigungen und sogar über die ersten legalen Ernten. Doch was haben wir im Jahr 2026 in Bezug auf die Clubs zu erwarten? Genau das wollte der Bundesverband Cannabiswirtschaft wissen und hat eine Umfrage gestartet: „Aktuell gibt es mindestens 368 zugelassene Cannabis Anbauvereine. Wie viele erwarten Sie bis Ende 2026?“
Die Antworten stammen von Mitgliedern und Akteurinnen und Akteuren aus der Cannabiswirtschaft, die sich aktiv mit Anbauvereinen beschäftigen, etwa Vereinsinitiatoren, Betreiber sowie weitere Branchenvertreter. Ihre Einschätzungen fielen erstaunlich geschlossen aus: Die meisten rechnen mit 400 bis 600 Anbauvereinen bis Ende 2026, viele konkret mit rund 500. Einzelne Stimmen halten auch deutlich höhere Zahlen von bis zu 1.000 oder 2.000 Vereinen für möglich. Grundlage dafür ist eine Einordnung aus einem aktuellen Newsletter des Bundesverband Cannabiswirtschaft, die auch international aufgegriffen wurde.
Was sich dabei leicht übersieht: Die Frage ist nicht nur, wie viele Vereine es auf dem Papier gibt. Sondern auch, wie viele wirklich anbauen, ernten und abgeben können. Und genau da wird es 2026 spannend.
Anbauvereine im Jahr 2026: Wo zuletzt Genehmigungen gemeldet wurden
Für den aktuellsten bundesweiten Überblick greifen viele Akteurinnen und Akteure auf die laufend gepflegte Auswertung des Bundesverbandes der Cannabis Anbauvereinigungen zurück. Dort sind für Dezember 2025 insgesamt 806 Anträge und 368 Genehmigungen dokumentiert, inklusive Bundesland Aufschlüsselung und Stichtagen.
Wenn man sich die letzten dort vermerkten Aktualisierungen anschaut, fällt auf:
• Nordrhein Westfalen bleibt Spitzenreiter mit 105 Genehmigungen, Stand 17.12.2025
• Niedersachsen folgt mit 73 Genehmigungen, Stand 03.11.2025
• Baden Württemberg steht bei 33 Genehmigungen, Stand 17.12.2025
• Rheinland Pfalz wird in Medienberichten mit 31 genehmigten Vereinen genannt, Stand 29.11.2025
• Das Saarland taucht in der Auswertung mit 1 Genehmigung auf, Stand 19.12.2025
• Sachsen wird separat von der Landesdirektion mit 23 genehmigten Clubs genannt, Stand Ende November 2025
Wichtig ist aber auch die zweite Ebene: Ernte und Abgabe. Schleswig Holstein hat zum Beispiel öffentlich kommuniziert, dass erstmals legal angebautes Cannabis an Mitglieder verteilt wurde und dass es dort bereits mehrere Vereine mit Ernte gab.
Was ist ein Anbauverein und wie wirst du Mitglied
Ein Anbauverein ist ein nicht kommerzieller Verein, der Cannabis gemeinschaftlich anbaut und ausschließlich an seine Mitglieder abgibt. Konsum in den Vereinsräumen ist dabei nicht erlaubt, es geht um Anbau, Dokumentation und Abgabe unter Auflagen.
Mitglied werden darfst du nur, wenn du
• mindestens 18 Jahre alt bist
• seit mindestens 6 Monaten deinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hast
• nicht parallel Mitglied in einem anderen Anbauverein bist
Außerdem sind Vereine an strenge Vorgaben gebunden, etwa beim Gesundheits und Jugendschutzkonzept, bei Sicherheitsmaßnahmen für Anbau und Lagerung sowie bei Dokumentationspflichten. Genau dieser Rahmen erklärt auch, warum Anbauvereine im Jahr 2026 zwar weiter wachsen dürften, aber vielerorts nicht so schnell, wie es die Nachfrage eigentlich hergeben würde.
Warum viele Vereine nicht gründen oder nicht losgrowen
Auf dem Papier ist der Weg klar. In der Praxis hängen viele Projekte an denselben Bremsklötzen:
- Erstens: Baurecht und Suche der Anbaufläche. Der BCAv beschreibt aktuell sehr deutlich, dass Projekte nicht am Anbau scheitern, sondern an restriktiven Auslegungen des Bauplanungs und Bauordnungsrechts und an einer uneinheitlichen Behördenpraxis.
- Zweitens: Auflagen und formale Fehler. Baden Württemberg meldete bei Kontrollen wiederholt Mängel, etwa bei Satzung, Schulungsnachweisen, Sicherheitskonzepten und Standortwahl. Dort spielt auch der vorgeschriebene Mindestabstand zu Kinder und Jugendeinrichtungen eine Rolle.
- Drittens: Zeit und Geld. Selbst nach einer Genehmigung braucht es Räume, Technik, Know how, Personal, verlässliche Abläufe. Viele Vereine sind zwar genehmigt, aber noch nicht wirklich produktionsfähig. Das sieht man auch in Rheinland Pfalz: Dort hatten laut Behördenauskunft 26 von 31 genehmigten Clubs mit dem Anbau begonnen, aber Erntemengen lagen zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht vor.
Ein positives Beispiel: Ganderkesee
Dass es grundsätzlich funktionieren kann, zeigt das bekannteste Praxisbeispiel: der Cannabis Social Club in Ganderkesee in Niedersachsen.
• Die erste Genehmigung in Niedersachsen wurde dort am 8. Juli 2024 offiziell übergeben.
• Im Oktober 2024 stand der Verein vor der ersten Ernte.
• Am 2. November 2024 erfolgte die erste legale Abgabe von angebautem Cannabis an Mitglieder, laut ZDF.
Ganderkesee ist damit so etwas wie der Proof of Concept für das gesamte Modell. Und genau deshalb wird das Beispiel in Debatten rund um Anbauvereine im Jahr 2026 immer wieder zitiert.
Fazit: Anbauvereine im Jahr 2026 wachsen weiter, aber nicht automatisch
Die Prognosen aus der BvCW Umfrage passen zu dem, was die Genehmigungszahlen zeigen: Wachstum ja, aber eher strukturiert und stark abhängig davon, wie Behörden, Baurecht und Praxisfragen gelöst werden.
Wenn Anbauvereine im Jahr 2026 tatsächlich in Richtung 500 gehen sollen, wird entscheidend sein, ob Genehmigungen nicht nur erteilt, sondern auch in funktionierende Anbau Infrastruktur übersetzt werden. Und ob Bundesländer mit besonders zähen Verfahren nachziehen.
