Der deutsche Markt für Medizinalcannabis befindet sich weiterhin in einer Phase der Neuordnung. Während der Großteil der Versorgung nach wie vor über Importe gedeckt wird, entstehen parallel neue Projekte für den heimischen Anbau. Nach Informationen von krautinvest plant German Cannabis Standards den Einstieg in die inländische Cannabisproduktion und will ab 2026 erstmals selbst medizinische Cannabisblüten in Deutschland herstellen.
Aktuell wird der deutsche Bedarf an Medizinalcannabis überwiegend aus dem Ausland gedeckt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die Importmenge für medizinische und wissenschaftliche Zwecke für das laufende Jahr auf 192,5 Tonnen angehoben. Daneben gibt es bereits eine begrenzte Produktion innerhalb Deutschlands. Unternehmen wie Demecan, Tilray und Aurora bauen ihre Kapazitäten seit der Teillegalisierung durch das Cannabis-Gesetz im April 2024 schrittweise aus. Dennoch spielt die heimische Produktion im Verhältnis zu den Importen bislang nur eine Nebenrolle.
German Cannabis Standards und der geplante Produktionsstart
German Cannabis Standards möchte diese Versorgungslücken verkleinern. Wie krautinvest berichtet, hat das Unternehmen eine Finanzierung in Höhe von rund zehn Millionen Euro erhalten. Mit diesem Kapital soll in Bitterfeld Wolfen in Sachsen Anhalt eine neue Cannabisproduktionsanlage entstehen. Geplant ist eine Fläche von etwa 21.000 Quadratmetern. Die Fertigstellung der Anlage ist für das Ende des ersten Halbjahres 2026 vorgesehen.
Der Standort wurde nicht zufällig gewählt. Bitterfeld Wolfen verfügt über eine lange industrielle Tradition und ist zugleich Teil des sogenannten Solar Valley. Diese Kombination eröffnet Möglichkeiten für industrielle Prozesse und alternative Energiekonzepte. German Cannabis Standards ist bislang vor allem für Konzepte im Bereich des unterirdischen Anbaus bekannt. Mit dem neuen Projekt will das Unternehmen nun auch im klassischen Produktionsumfeld Fuß fassen.
Geschäftsführer Nikolaos Katsaras zeigt sich trotz der aktuellen Marktlage optimistisch. Für den Start der Produktion rechnet er mit einer Jahresmenge von bis zu 2,4 Tonnen getrockneter Cannabisblüten. Bereits in den Folgejahren sind weitere Ausbauschritte geplant.
Wer ist German Cannabis Standards?
German Cannabis Standards ist ein deutsches Unternehmen aus der Medizinalcannabisbranche, das den gesamten Weg von der Produktion bis zur Versorgung abdecken möchte und sich unter anderem auf Konzepte für den unterirdischen Anbau von Cannabis spezialisiert hat.Dazu zählen der Anbau und die Verarbeitung von medizinischem Cannabis ebenso wie digitale und logistische Lösungen für Apotheken und Versorgungseinrichtungen. Das Unternehmen wurde 2020 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Aktuell plant German Cannabis Standards den Einstieg in die heimische Produktion mit einer GMP-konformen Anlage in Sachsen-Anhalt, um künftig medizinische Cannabisblüten direkt in Deutschland herzustellen.
Ausbaupläne und wirtschaftliche Überlegungen
Nach Angaben von German Cannabis Standards soll die Produktionskapazität im Jahr 2027 auf etwa zehn Tonnen pro Jahr steigen. Für 2028 wird sogar eine mögliche Ausweitung auf bis zu 18 Tonnen in Betracht gezogen. Diese Planungen erfolgen vor dem Hintergrund eines Marktes, der derzeit stark von sinkenden Preisen geprägt ist. Beobachter sprechen bereits von einem intensiven Wettbewerb im Segment der Cannabisblüten.
Das Unternehmen setzt dennoch auf eine wirtschaftlich tragfähige Produktion in Deutschland. Katsaras verweist auf eine optimierte Bauweise und effizient gestaltete Abläufe. Seit Cannabis nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft ist, sieht German Cannabis Standards neue Möglichkeiten, Produktionsstätten kostensparender zu errichten und zu betreiben. Auch kürzere Transportwege und geringerer Verwaltungsaufwand im Vergleich zu Importen werden als Vorteile genannt.
Ein weiterer Fokus liegt auf den Energiekosten. Geplant sind Konzepte zur Wärmerückgewinnung sowie die Nutzung von Solarenergie. Zusätzlich wird ein möglicher Industriestrompreis als Entlastungsfaktor betrachtet. Das Unternehmen steht hierzu im Austausch mit regionalen Akteuren aus der Energiebranche.
Regulierung bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Unabhängig von den Investitionen bleibt das regulatorische Umfeld herausfordernd. Wie viele der importierten Cannabisblüten tatsächlich über Apotheken bei Patientinnen und Patienten ankommen, ist derzeit nicht nachvollziehbar. Seit der gesetzlichen Neubewertung erhebt das BfArM keine entsprechenden Abgabedaten mehr.
Parallel dazu wird im Bundestag über Änderungen am Medizinalcannabisgesetz diskutiert. Der aktuell vorliegende Entwurf könnte den Zugang zur Cannabistherapie, for allem über die Telemedizin, künftig erschweren. Eine Entscheidung wird frühestens im Frühjahr 2026 erwartet. Vor diesem Hintergrund bleibt unklar, wie sich der tatsächliche Bedarf entwickeln wird.
German Cannabis Standards hat nach eigenen Angaben die erforderlichen Anträge für Anbau und Herstellung beim BfArM sowie die Herstellungserlaubnis beim Landesverwaltungsamt Sachsen Anhalt eingereicht. Sollte der Bau planmäßig abgeschlossen werden, geht das Unternehmen davon aus, dass vor Produktionsbeginn lediglich noch eine abschließende Inspektion erforderlich ist.
Einordnung
Der geplante Einstieg von German Cannabis Standards zeigt, dass trotz Preisdruck und regulatorischer Unsicherheiten weiterhin in den Produktionsstandort Deutschland investiert wird. Ob sich die Ausbaupläne langfristig realisieren lassen, hängt von vielen Faktoren ab. Es ist gut, dass die heimische Cannabisproduktion wohl auch in den kommenden Jahren ein zentrales Thema im deutschen Cannabismarkt sind. Der Anbau in Deutschland sorgt für eine sichere Versorgung, kurze Transportwege, einen kontrollierten Prozess und kann die Wirtschaft ankurbeln. Arbeitsplätze werden geschaffen und Deutschland kann sich weltweit einen Namen machen, bei dem Anbau hochwertigen Blüten. Made In Germany neu ausbauen und einsetzen!
