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Bedrocan insolvent: blühende Cannabispflanzen in einem Indoor-Anbauraum mit Ventilator
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Bedrocan insolvent: 5 Fakten zur Pleite des Pioniers

Inhaltsverzeichnis

Mila Grün

Mila Grün Chefredakteurin der cannabib

Keyfacts: Bedrocan insolvent

  • Insolvent sind die Bedrocan Nederland B.V. und die Bedrocan International B.V. mit Sitz in Veendam. Das Gericht hat sie Anfang Oktober 2026 für zahlungsunfähig erklärt.
  • Als Insolvenzverwalter wurden Arnold Gras und F.C. Verduijn eingesetzt.
  • Bei Bedrocan arbeiten rund 70 Menschen.
  • Hauptgrund ist das Ende des Staatsauftrags: Der Vertrag mit dem niederländischen Cannabisbüro lief Anfang 2026 aus.
  • Die dänische Tochter Bedrocan Danmark ApS steckt seit dem 1. Oktober 2026 in einem eigenen Sanierungsverfahren.
  • Der Betrieb läuft vorerst weiter, über eine mögliche Übernahme wird gesprochen.

Bedrocan insolvent: Seit Anfang Oktober 2026 steht fest, dass ausgerechnet der Hersteller, der seit 2003 praktisch allein den niederländischen Staat mit Medizinalcannabis beliefert hat, zahlungsunfähig ist. Für viele Patientinnen und Patienten in Europa war der Name lange gleichbedeutend mit standardisierten Cannabisblüten aus der Apotheke. Wer das Unternehmen und seine Sorten näher kennenlernen möchte, findet in unserem Beitrag Bedrocan® – medizinisches Cannabis die Hintergründe.

Was genau passiert ist

Nach Angaben des Branchenportals Business of Cannabis, das als Erstes über die Insolvenz berichtete, hat die Rechtbank Noord-Nederland die beiden niederländischen Gesellschaften am 7. Oktober 2026 für insolvent erklärt. Weniger als zwei Wochen zuvor hatte das Unternehmen einen gerichtlich überwachten Zahlungsaufschub bekommen. Die niederländische Nachrichtenseite NL Times nennt dagegen Donnerstag, den 8. Oktober, als Tag der Entscheidung. Ganz einig sind sich die Quellen beim Datum also nicht. (1) (2)

Eine Sprecherin bestätigte die Insolvenz gegenüber APOTHEKE ADHOC und betonte, dass die laufenden Aktivitäten fortgesetzt würden. Auch die Zusammenarbeit mit dem Berliner Unternehmen Becanex geht weiter. Daneben prüfe man verschiedene Optionen, darunter Gespräche mit Interessenten über eine Übernahme. Details nannte sie nicht.  Wie es mit der Ware weitergeht, entscheidet ohnehin nicht mehr das Unternehmen selbst, sondern der Insolvenzverwalter. (3)(4)

Warum ist Bedrocan insolvent?

Die Ursachen liegen vor allem in den Niederlanden. Bedrocan hatte seit 2003 einen Vertrag mit dem staatlichen Bureau voor Medicinale Cannabis (BMC). Damit war die Firma faktisch der einzige Anbauer des Staates, während das Büro das Monopol auf Verkauf, Import, Export und Vertrieb behielt. (4) Das Ende dieses Auftrags war bereits im Juni 2024 angekündigt worden, Anfang 2026 lief er dann aus. (3)

Das Problem: Ohne Staatsauftrag hat Bedrocan im eigenen Land kaum Spielraum. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Bedrocan durfte nach eigenen Angaben nur fünf Sorten anbauen, und das nur, wenn das Cannabisbüro sie bestellt hatte.
  • Laut Unternehmen hat sich das Gesundheitsministerium nicht verpflichtet, bereits produzierte Chargen abzunehmen. Dadurch sei die Finanzierung geplatzt. Ob der Staat die Ware am Ende doch übernimmt, ist offen.
  • Nach dem niederländischen Opiumgesetz darf Bedrocan nicht direkt an Apotheken oder Großhändler liefern. Eine Gesetzesänderung, die das ermöglichen soll, könnte nach aktuellem Stand erst am 1. Juli 2028 in Kraft treten.
  • Eine befristete Übergangsregelung für den Export lehnt die Regierung nach Darstellung von Bedrocan ab.

Man muss die Darstellung des Unternehmens nicht eins zu eins übernehmen. Das Ministerium sieht die Versorgung gesichert und verweist auf eine laufende Ausschreibung. (2) Trotzdem zeigt der Fall, wie riskant ein Geschäftsmodell ist, das vollständig an einem einzigen staatlichen Abnehmer hängt.

Welche Rolle der deutsche Markt spielt

Deutschland war nicht der Auslöser, hat die Lage aber verschärft. Seit Inkrafttreten des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes am 30. Juli 2026 dürfen getrocknete Cannabisblüten nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. (5) Die Nachfrage ist daraufhin eingebrochen. Laut einem Bedrocan-Sprecher sitzen deutsche Großhändler auf Beständen und verkaufen sie zu Ausverkaufspreisen von etwa 1,50 bis 2 Euro je Gramm. Das Cannabisbüro verkaufte dagegen weiterhin konstant für netto 5 Euro.

Die Zahlen zeigen, wie stark sich der Markt verschoben hat. Das Cannabisbüro kauft nach eigenen Angaben rund 4.500 Kilogramm im Jahr, davon 3.800 Kilogramm für ausländische Märkte. Deutschland und Italien waren 2025 mit großem Abstand die wichtigsten Abnehmer. Die deutschen Importe aus den Niederlanden lagen 2025 aber nur noch bei 2,4 Tonnen, rund 1 % der Gesamteinfuhren. In den Jahren 2017 und 2018 kam noch mehr als die Hälfte aus den Niederlanden. (3)

Deutschland wird nach Angaben von Bedrocan derzeit ausschließlich vom dänischen Standort aus beliefert, Vertriebspartner ist Cannaflos. Der Standort in Dänemark hat eine Kapazität von 2.200 Kilogramm pro Jahr. (3) Schon im Sommer hatte Bedrocan auf die drohenden Einschränkungen reagiert und mit Becanex den Rohextrakt Becanex PIEX Bedrocan mit 70 % THC auf den Markt gebracht, der als Alternative zur Inhalation dienen soll. (4)

Bedrocan insolvent: Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet

In den Niederlanden nutzen rund 7.000 Menschen ärztlich verordnetes Medizinalcannabis. Das Ministerium geht davon aus, dass die vorhandenen Vorräte bis etwa Mitte 2027 reichen, und sucht über eine europäische Ausschreibung einen neuen Lieferanten. (2) Den Export will das Cannabisbüro voraussichtlich Anfang 2027 einstellen.

Besonders heikel ist die Lage in Großbritannien. Dort ist das CBD-reiche Bedrolite für einige Kinder mit schwer behandelbarer Epilepsie, etwa beim Dravet- oder Lennox-Gastaut-Syndrom, das einzige Medikament, das ihre Anfälle unter Kontrolle hält. Aktuelle Chargen lagern in den Niederlanden, gehören aber zur Insolvenzmasse. Eine Verlagerung der Produktion nach Dänemark würde nach Unternehmensangaben mindestens sechs Monate dauern.

Für Patientinnen und Patienten in Deutschland ändert sich kurzfristig wenig, weil die Ware ohnehin aus Dänemark kommt. Ganz beruhigen sollte das aber niemanden: Auch die dänische Gesellschaft befindet sich in einem Sanierungsverfahren vor dem Konkursgericht in Roskilde. (1)

Kein Einzelfall: weitere Pleiten in der Branche

Bedrocan ist nicht das einzige Unternehmen der Branche, das in den vergangenen Wochen zahlungsunfähig geworden ist. Die börsennotierte Synbiotic SE kündigte am 16. Oktober 2026 an, beim Amtsgericht Münster die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu beantragen. Als Gründe nennt das Unternehmen die anhaltend schwierige Marktlage im Cannabissektor und fehlende Finanzierung, nachdem die Hauptversammlung keine Zustimmung zu neuem Kapital gegeben hatte. Die Aktie verlor danach rund 74 % ihres Wertes. (6)

Auch die auf Cannabis spezialisierte Apotheke Lux 99 von Tobias Loder in Hürth ist insolvent und wird in Eigenverwaltung weitergeführt. Loder macht die Streichung der Blüten aus dem Leistungskatalog der Kassen direkt verantwortlich. Von über 80 Beschäftigten im Cannabisbereich mussten 49 gehen. (7)

Politisch bewegt sich derweil etwas. Laut APOTHEKE ADHOC soll der Vorrang von Cannabis-Fertigarzneimitteln künftig nur noch innerhalb des zugelassenen Anwendungsgebiets gelten. Der verpflichtende sechsmonatige Therapieversuch soll entfallen, und Bestandspatientinnen und Bestandspatienten sollen ausgenommen sein. (8) Die Änderung hängt an der Reform der Notfallversorgung, die der Bundestag am 15. Oktober 2026 beschlossen hat. (9) An der Streichung der Blüten aus der Kassenversorgung ändert das allerdings nichts.

Fazit

Dass Bedrocan insolvent ist, trifft einen der Pioniere der europäischen Cannabismedizin. Die Pleite ist vor allem hausgemacht in den Niederlanden: ein auslaufender Staatsauftrag, ein Gesetz, das den Direktvertrieb verbietet, und eine Reform, die frühestens 2028 kommt. Das deutsche Spargesetz hat den Druck zusätzlich erhöht. Offen bleibt, ob sich ein Käufer findet und wie die Sanierung in Dänemark ausgeht. Am härtesten trifft es diejenigen, die auf ein bestimmtes Präparat angewiesen sind und für die es keinen einfachen Ersatz gibt. Wir bleiben dran und berichten, sobald es Neuigkeiten gibt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Fragen zur eigenen Cannabistherapie und zur Versorgung mit bestimmten Präparaten klärst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke.

Häufig gestellte Fragen

  • Insolvent sind die niederländischen Gesellschaften Bedrocan Nederland B.V. und Bedrocan International B.V. Die dänische Bedrocan Danmark ApS gehört nicht zu diesem Verfahren, steckt aber seit dem 1. Oktober 2026 in einem eigenen Sanierungsverfahren. (1)

  • Nach Angaben von Bedrocan wird Deutschland derzeit ausschließlich aus Dänemark beliefert, Vertriebspartner ist Cannaflos. Kurzfristig ändert die Insolvenz daher wenig. Wie es langfristig weitergeht, hängt auch vom Ausgang der Sanierung in Dänemark ab. (3)

  • Vor allem, weil der Staatsauftrag des niederländischen Cannabisbüros Anfang 2026 ausgelaufen ist und Bedrocan nach dem Opiumgesetz nicht direkt an Apotheken oder Großhändler liefern darf. Dazu kam die eingebrochene Nachfrage aus Deutschland. (3)

  • Laut Gesundheitsministerium reichen die Vorräte bis etwa Mitte 2027. Einen neuen Lieferanten sucht der Staat über eine europäische Ausschreibung. (2)

  • Das ist offen. Bedrocan prüft nach eigenen Angaben verschiedene Optionen, darunter Gespräche mit Interessenten über eine Übernahme. Details gibt es bisher nicht. (4)

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