Keyfacts zu Aurora Leuna
- Der kanadische Hersteller Aurora hat am 8. Oktober 2026 im Chemiepark Leuna eine neue Halle für Medizinalcannabis eröffnet. Die Erntemenge am Standort soll sich damit verdoppeln.
- Die neue Fläche ist rund 500 Quadratmeter groß, investiert wurde ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag. Statt 45 arbeiten jetzt 55 Menschen in Leuna.
- Leuna ist einer von nur drei Standorten in Deutschland, an denen Cannabis für medizinische Zwecke angebaut werden darf.
- Wie viel genau in Leuna wächst, verrät Aurora nicht. 2024 war es rund eine Tonne pro Jahr.
- Zum Vergleich: 2025 hat Deutschland 205,1 Tonnen Cannabisblüten importiert.
„Wir könnten auch deutlich mehr anbauen, machen das aber vorerst nicht.“ So klang Aurora im Sommer 2024, als es um den Standort in Leuna ging. Erst sollten dort neue Produkte getestet werden. (1)
Gut zwei Jahre später ist es so weit. Im Chemiepark Leuna in Sachsen-Anhalt hat Aurora eine neue Produktionshalle eröffnet, und die Ernte soll sich damit verdoppeln. (2) Das passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die Bundesregierung beim Medizinalcannabis eher auf die Bremse tritt.
Was ist in Leuna passiert?
Am 8. Oktober 2026 hat Aurora die neue Halle offiziell in Betrieb genommen. Die Belegschaft hat dem Standort einen neuen Namen gegeben, er heißt jetzt „Aurora Horizon“. Für den Ausbau hat das Unternehmen nach eigenen Angaben einen mittleren einstelligen Millionenbetrag ausgegeben, zehn neue Jobs sind entstanden. (2)(3) Die zusätzliche Produktionsfläche beträgt rund 500 Quadratmeter. (5)
Für Aurora ist Leuna der einzige Produktionsstandort außerhalb Kanadas. Angebaut werden eigene Sorten, die im Forschungszentrum Aurora Coast in British Columbia entwickelt wurden. Die Anlage ist nach EU-GMP zertifiziert, jede Charge lässt sich also zurückverfolgen. In Europa gibt es die Blüten nur auf Rezept in der Apotheke. (3)
Alex Miller, bei Aurora für Operations und Lieferkette zuständig, nennt den Abschluss des Umbaus „einen wichtigen Meilenstein für Aurora“. Leunas Bürgermeister Michael Bedla freut sich über einen „verlässlichen Partner“ und darüber, dass sich die Stadt weiter als Standort für Pharma und Medizin aufstellen kann. (3)
Wie viel Cannabis kommt aus Leuna?
Absolute Zahlen nennt Aurora nicht. Doch das Unternehmen zählt zu den wenigen Herstellern von Medizinalcannabis in Deutschland. Das BfArrM hat im Jahr 2019 eine Ausschreibung veröffentlicht, für den Anabu von Medizinalcannabis. Die Chance und somit den Zuschlag bekamen die Unternehmen Aurora, Demecan und Aphria, heute Teil von Tilray. Aurora sollte über vier Jahre insgesamt 1.000 Kilogramm liefern. Im Mai 2022 eröffnete die Anlage in Leuna auf 3.600 Quadratmetern, damals mit der Sorte Voluptas. (6)
Die Ernte war zum damaligen Zeitpunkt noch gedeckelt und musste über die staatliche Cannabisagentur verkauft werden. Mit dem neuen Gesetz 2024 fiel nicht nur dieser Zwischenschritt weg, sondern auch die Bedarfsmenge ist gestiegen. Das können die Produzenten in Deutschland nicht ausgleichen. Im September 2025 kündigte Aurora dann an, über fünf Jahre in Leuna zu investieren: neue Anbauräume, neue Bewässerung und Beleuchtung und eine Umstellung auf Hängetrocknung. (7) Der Rest der heimischen Produktion kommt von Demecan in Ebersbach bei Dresden und von Tilray in Neumünster. (2)
Ein Tropfen im Importmeer
Doch selbst die doppelte Erntemenge aus Leuna, ändert nichts an der Tatsache, dass das Medizinalcannabis aus der Apotheke zum größten Teil aus dem Ausland kommt. Die Importzahlen des BfArM sprechen eine klare Sprache:
- 2024: rund 72,9 Tonnen Cannabisblüten
- 2025: rund 205,1 Tonnen
- 1. Quartal 2026: rund 67,6 Tonnen, gut ein Drittel mehr als im Vorjahresquartal
Der größte Importlieferant für Medizinalcannabis ist aktuell Kanada. Auch Aurora selbst bezieht den Großteil seiner Ware nach wie vor aus seinen kanadischen Werken. (1) (8)
Die Politik tritt auf die Bremse
Genau diese Importzahlen sind der Bundesregierung ein Dorn im Auge. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sagte auf dem Deutschen Apothekertag, die Einfuhren seien seit der Teillegalisierung massiv gestiegen, und sprach von Missbrauch.
Ein Entwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes aus dem Jahr 2025 soll die Verschreibung strenger regeln, reine Online-Rezepte einschränken und den Versand von Blüten durch Apotheken verbieten. Vorangekommen ist der Entwurf bisher nicht. Gleichzeitig zahlen die gesetzlichen Krankenkassen durch das GKV-Spargesetz keine Cannabisblüten mehr. Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet, liest du in Cannabis auf Rezept 2026: So bekommst du es wirklich. (4)
Leuna will sich als Pharmastandort aufstellen, die Regierung will aber die Nutzung von Blüten einschränken. Klingt eher wie ein Widerspruch in sich.
Und das, obwohl es für Deutschland auf jeden Fall Sinn machen würde, den Anbau im eigenen Land auszubauen und zu unterstützen:
- Mehr Arbeitsplätze, und zwar nicht nur im Anbau, sondern auch im Labor, in der Qualitätskontrolle, in Technik und Logistik. Oft in Regionen, die neue Jobs gut gebrauchen können, wie das Chemiedreieck rund um Leuna.
- Mehr Steuereinnahmen, weil die Wertschöpfung im Land bleibt, statt für Importe nach Kanada oder Portugal abzufließen.
- Mehr Gewicht auf dem internationalen Markt. Mit über 200 Tonnen importierter Blüten im Jahr ist Deutschland ein riesiger Absatzmarkt und könnte vom Importeur selbst zum Exporteur werden.
- Mehr Versorgungssicherheit, weil Patientinnen und Patienten weniger von Lieferketten und Importgenehmigungen abhängen.
- Kürzere Transportwege, frischere Ware und ein kleinerer CO2-Fußabdruck.
- Bessere Kontrolle, denn was hier nach EU-GMP wächst, lässt sich von deutschen Behörden direkt überprüfen.
- Mehr Forschung, etwa durch Kooperationen mit Hochschulen, eigene Sortenentwicklung und Studien aus Deutschland.
Ob diese Argumente in Berlin ziehen, wird sich zeigen. Leuna zeigt jedenfalls, dass es funktionieren kann.
Und der Schwarzmarkt?
Die Berliner Zeitung hat die Meldung aus Leuna mit einem Blick auf den Schwarzmarkt in Sachsen-Anhalt verbunden. 2025 hat die Polizei dort rund 687 Kilogramm Cannabis sichergestellt, so viel wie seit 1992 nicht mehr. Dazu kamen zwölf illegale Großplantagen. Das Landeskriminalamt sieht die Teillegalisierung als Verstärker des Problems. (5)
Die legalen Alternativen wachsen dagegen langsam. Bis Ende 2024 waren in Sachsen-Anhalt sechs von 15 beantragten Anbauvereinigungen genehmigt. Bundesweit gab es Mitte 2026 rund 455 Clubs, die 2025 höchstens 3,5 Prozent der Konsumierenden erreicht haben. Mit dem Cannabis aus Leuna hat das allerdings nichts zu tun, denn das gibt es nur auf Rezept.
Fazit
Mehr Medizinalcannabis aus Deutschland ist eine gute Nachricht für Patientinnen und Patienten. Kurze Wege, EU-GMP-Qualität und zehn neue Jobs in Sachsen-Anhalt sprechen für sich. Am Gesamtbild ändert die Halle in Leuna aber wenig: Der allergrößte Teil der Blüten kommt weiter aus dem Ausland. Spannend wird, ob die Bundesregierung den Anbau im eigenen Land als Teil der Lösung sieht oder weiter vor allem über Missbrauch redet. Dabei hätte Deutschland einiges davon, den Anbau im eigenen Land stärker zu fördern.
Hinweis: Medizinalcannabis ist verschreibungspflichtig. Ob eine Therapie für dich infrage kommt, klärst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Häufig gestellte Fragen
Quellen und Studien ansehen
- Volksstimme (dpa): Aurora: Vorerst kein Ausbau der Cannabisproduktion in Leuna, 30.07.2024
- Apotheke Adhoc (dpa): Aurora: Neue Halle in Leuna, 08.10.2026
- Leuna Echo: Aurora verdoppelt Produktion von Medizinalcannabis in Leuna, 09.10.2026
- Pharmazeutische Zeitung: Aurora verdoppelt Produktion in Leuna, 08.10.2026
- Berliner Zeitung: Mehr Cannabis aus Leuna, Schwarzmarkt in Sachsen-Anhalt bleibt, 12.10.2026
- Apotheke Adhoc: Aurora eröffnet Cannabis-Produktionsanlage in Sachsen-Anhalt, 19.05.2022
- Aurora Cannabis (PR Newswire): Aurora Cannabis Announces Investment into German Manufacturing Facility, 18.09.2025
- StratCann: Canada Supplied Half Germany’s Cannabis Imports in Q1 2026, Daten des BfArM, Stand 19.08.2026
